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"Nicht hundertprozentig als Nazi gesehen"

Nach seiner Abreise aus London äußerte Michael Fischer sich jetzt zum Olympia-Skandal um seine Freundin, die Ruderin Nadja Drygalla. Er habe damit abgeschlossen, "dass ich Neonazi bin."

  "Pakis in der Bahn": Drygalla-Freund Michael Fischer im Juli in London

"Pakis in der Bahn": Drygalla-Freund Michael Fischer im Juli in London

In dem Gespräch versucht Fischer wortreich seine Motivation für den Austritt darzulegen. Er verweist dabei vor allem auf die negativen Auswirkungen auf seine berufliche Zukunft und die Konsequenzen für seine Partnerin. Auch wenn er betont, heute keine weitreichenden Kontakte in die rechte Szene zu pflegen, werfen Aktivitäten nach seinem Parteiaustritt Fragen auf. So schrieb Fischer noch Mitte Juni einen Artikel auf einem Portal, das auf den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden registriert war.

Drygalla war nach einem Gespräch mit der deutschen Teamleitung über ihre Beziehung zu Fischer von den Olympischen Spielen in London abgereist. Am Sonntag hatte sich die Athletin mit deutlichen Worten von der rechten Szene distanziert. Fischer war früher selber Leistungssportler und hatte bei der Junioren-WM 2006 mit dem deutschen Achter die Silbermedaille gewonnen.

Wie haben Sie die Diskussion um Ihre Freundin in den letzten Tagen aufgenommen?
Ich war aufgrund des Ausmaßes und des Riesenrummels darum ziemlich erschrocken. Ich war vorher den Schritt gegangen, mit der Sache abzuschließen, dass ich Neonazi bin. Ich bin aus der Partei ausgetreten und hatte auch so keinen großartigen Kontakt mehr zu Leuten, die damit zu tun hatten. Nadja wusste das auch, deshalb sind wir beide davon ausgegangen, dass die Geschichte eigentlich abgeschlossen wäre. Das war ein bisschen naiv, wenn man das selber vorher nicht öffentlich macht. Wir haben es lieber verschwiegen.

Wann sind Sie ausgetreten und was war der Grund dafür?


Meinen Austritt aus der Partei habe ich im Mai erklärt. Es war im Grunde ein schleichender Prozess, so wie ich da reingekommen bin. Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie es weiterlaufen soll - vor allem mit Nadja, weil ja schon ein paar Sachen vorgefallen waren. Mein Leben wurde dadurch auch nicht einfacher, sondern schwieriger. Man hat sich jeden Tag mehr Gedanken gemacht, Studium, eventuell mal Arbeit. Deshalb habe ich mich entschieden, aus der Partei auszutreten und meine Aktivitäten einzustellen. Ich wollte mir und anderen Leuten die Zukunft nicht verbauen.

Welche Reaktionen haben Sie darauf bekommen?


Den Austritt habe ich einfach erklärt, es war damit beschlossene Sache, da gab es auch keine großen Nachfragen. Wie man an den Facebook-Bildern sieht, hatte ich mit dem ein oder anderen schon noch Kontakt, aber das war nur auf privater Basis. Bei den Bildern wurde ich gefragt: Würdest du das machen? Da habe ich gesagt: Ja klar, wieso nicht. Da habe ich mir keinen Kopf drüber gemacht, dass das als politische Tat aufgefasst wird. Negative Reaktionen habe ich nicht erhalten. Viele Leute haben mitgeteilt, dass sie das verstehen können. In Rostock war ich einer der Leute, deren Name bekannt war und ich meinen Namen auch für alles hergegeben habe und damit ziemlich unter Druck stand.

Auf Facebook gab es am 23. Mai ein Bild, das ein Mädchen mit Baseballschläger und "White Power"-T-Shirt zeigen. Diese haben Sie fotografiert und veröffentlicht?


Genau.

Haben Sie jetzt noch Kontakt in die rechte Szene?


Wenn ich sie sehe, sage ich: Hallo, wie geht's. Das war's.

Welche Rolle haben Sie bei den Nationalen Sozialisten Rostocks (NSR) gespielt, und welche spielen sie heute noch?


Jetzt spiele ich gar keine Rolle. Ob es überhaupt eine NSR gibt, wage ich zu bezweifeln. Es ist ein Name, der verwendet wird zum Beispiel für die Internetseite oder Flugblätter. Aber es gibt keine Mitgliedschaft oder einen Ausweis. Es war ein loser Verbund, der wenn etwas war, unter dem Namen agiert hat. Es gab keinen, der sich hingestellt hat: Pass auf, ich bin Chef, wir machen das so. Das wurde unter den Leuten ausdiskutiert.

Wie würden Sie ihre politische Gesinnung bezeichnen?


Früher, da hat man sich schon eigentlich als Nazi betitelt. Gerade hier oben in Mecklenburg-Vorpommern hat man sich schon als volkstreu bezeichnet, sprich: Man wollte für das Volk agieren und nicht beispielsweise für das Kapital. Man war schon Nazi, aber ich bin nirgendwo rumgerannt und habe meinen rechten Arm hochgerissen. Das was früher war, war mir kein Vorbild. Mein stärkstes Interesse war das Soziale, natürlich auf nationaler Ebene. Aber ich würde mich nicht als Nationalsozialist bezeichnen.

Wie sehen Sie das heute?


Ich habe mich nicht hundertprozentig als Nazi gesehen. Es wäre blauäugig zu behaupten, wenn man nicht wüsste, in welchen Kreisen man sich bewegt hat.

Bereuen Sie Ihre Taten?


Wenn man insbesondere die Folgen für andere Menschen beobachtet, auf jeden Fall, hundertprozentig. Die Folgen für mich habe ich bewusst in Kauf genommen. Daher würde ich nicht sagen, dass ich das bereue. Aber ich habe insbesondere Nadja nie einen Gefallen getan, insofern wäre es besser gewesen, wenn ich es nie gemacht hätte.

Sie haben noch am 16. Juni auf dem Portal mupinfo.de, das auf den Stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Mecklenburg-Vorpommerns registriert ist, einen Artikel verfasst. Wie passt das mit einer Lossagung von der NPD zusammen, wenn Sie dort noch schreiben?


Ich habe ja erklärt, dass es ein schleichender Vorgang war. Ich habe da kaum noch geschrieben, aber es war noch so ein großes Ding, dass ich das Bedürfnis hatte, dazu etwas zu schreiben. Meine einzige Möglichkeit, war dort zu schreiben. Insofern habe ich es gemacht, weil ich noch Zugriff darauf hatte. Im Nachhinein sieht das doof aus. Aber es war ein schleichender Prozess: Ich habe mich ja nicht an einem Tag hingestellt und gesagt: Jungs, ich trete aus der Partei aus, ab jetzt seht ihr mich nicht mehr."

Würden Sie dort noch einmal schreiben?


Nein.

Sie haben auf Ihrer Facebook-Seite während des Aufenthalts bei Olympia in London unter anderem geschrieben, dass sie neben "Pakis in der Bahn" sitzen...


Ich wusste, dass es einen Artikel auf dem Blog "Kombinat Fortschritt" geben wird über mich und meine Freundin. Meine Kommentare auf Facebook waren im Endeffekt zynische Kommentare dazu. Ich habe wirklich Schweizern im Hotel geholfen, das war so. London ist eine sehr multikulturelle Stadt, ich stand halt zwischen den Leuten. Dass das jetzt als Sarkasmus abgetan wird, ist mir klar. Umso dümmer war es, dass ich das geschrieben habe.

Würden Sie eine Rückkehr zum Beispiel in den Ruderverein anstreben?


Das liegt nicht in meiner Hand, das müssen die Leute selber entscheiden, ob sie mit mir noch etwas zu tun haben wollen. Ich könnte nachvollziehen, wenn sie es nicht wollen.

Befürchten Sie negative Reaktionen auf den öffentlichen Schritt aus der Szene?


Auf Bundesebene wird es im Internet garantiert irgendwelche Stimmen geben. Aber grundsätzlich befürchte ich hier oben in der Region gar nichts.

Von Florian Lütticke, DPA/DPA

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