15. August 2012, 16:08 Uhr

Drygalla wäre gerne Polizistin geblieben

Wegen ihrer Beziehung zu einem Rechtsradikalen hat Ruderin Nadja Drygalla Olympia vorzeitig verlassen. Seitdem debattiert das Land. Nun spricht sie im stern über Gefühle, Loyalitäten und Druck.

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Ruderin Nadja Drygalla - überfordert von der Dimension der Debatte um ihre Beziehung zu einem Rechtsradikalen©

Kaum ein Thema hat in den letzten Wochen eine heftigere Debatte ausgelöst wie die Abreise der Ruderin Nadja Drygalla aus dem Olympischen Dorf und ihre Beziehung mit dem Rechtsradikalen Michael Fischer. Mit dem stern hat Drygalla ausführlich über ihren Freund, über Loyalitäten und den Druck der Funktionäre gesprochen.

"Ich habe ihm oft gesagt, dass ich seine politischen Vorstellungen ablehne", sagte Drygalla dem stern. "Es hat viel Streit gegeben deswegen. Aber ich zeige nicht mit dem Finger auf ihn und sage: Das ist alles deine Schuld." Sie habe immer und immer wieder mit Fischer gesprochen und gesagt, "dass ich seine Aktivitäten nicht dulde". Sie hätte auch seine Kameraden nicht zu Hause empfangen.

Nach Eintritt in die NPD "keine glückliche Beziehung mehr"

Zu Beginn ihrer Beziehung im Jahr 2007 sei Politik für Fischer kein Thema gewesen. Als der sportliche Erfolg ausblieb, sei das "langsam losgegangen mit seinen politischen Ideen". Als er in die NPD eintrat, "hatten wir keine glückliche Beziehung mehr", sagte Drygalla. Trotzdem stehe sie zu Fischer. "Wir haben besprochen, dass er aussteigt. Und das ist für mich ein Versprechen. Er hat ja selbst gemerkt, dass unsere Leben in verschiedene Richtungen laufen und dass es am Ende nicht mehr zusammenpasst", so Drygalla. Fischer war bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern im September 2011 als Direktkandidat der rechtsextremen NPD in einem Rostocker Wahlkreis angetreten. Die Athletin war aus dem Olympischen Dorf abgereist, nachdem linke Aktivisten das Medieninteresse an Drygallas Beziehung zu Fischer geweckt hatten. Danach war zudem bekannt geworden, dass die Rostocker Staatsanwaltschaft gegen Fischer wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Er soll mit seiner Neonazi-Truppe eine Gedenkveranstaltung für den von der Zwickauer Terrorzelle ermordeten Mehmet Turgut angegriffen haben.

"Endlich wieder das Training aufnehmen"

Drygalla sagte dem stern, sie habe nicht gewusst, dass Fischer an der Aktion beteiligt gewesen sein soll. Für sich selbst hoffe nun auf eine Aufnahme in das Sportförderprogramm der Bundeswehr. Bis zum September 2011 war sie Mitglied der Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern. Damals wurde ihre Beziehung mit Fischer im Innenministerium bekannt, Drygalla schied auf Druck aus dem Polizeidienst aus - offiziell heißt es: "auf eigenen Wunsch". Drygalla dazu um stern: "Von allein wäre ich nicht aus dem Polizeidienst gegangen."

Ihre Olympia-Abreise sei die "bessere Entscheidung" gewesen, auch um keine Unruhe in die Mannschaft zu bringen. Über ihre Zukunftswünsche sagte Drygalla im stern-Gespräch: "Ich möchte endlich das Training wieder aufnehmen."

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Nicolas Büchse
 
 
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