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Great Britain ist nicht die DDR

Ein Kritiker wirft den Olympia-Organisatoren realsozialistische Ideen vor, das Radrennen lockt eine Million Zuschauer und ein Nazi-Vergleich schockiert - Geschichten vom ersten Wochenende der Spiele.

Von Cornelia Fuchs, London

  Alles Gute kommt von oben: James Bond im Anflug auf die Olympia-Eröffnung

Alles Gute kommt von oben: James Bond im Anflug auf die Olympia-Eröffnung

Hunde-Alarm beim Straßenrennen
Er sah aus, als hätte er ziemlich viel Spaß, der schwarze, pelzige Mischlingshund, der einmal quer über die Straße rannte und gleich wieder zurück, mitten zwischen dem Hauptfeld des Radrennens am Samstag. Ein Eigner meldete sich bis heute nicht. Zum Glück konnten alle Radfahrer dem Tier ausweichen. Eine Million begeisterter Zuschauer standen an der Strecke, die vom Buckingham Palast einmal über die Themse bis weit hinein nach Südlondon und wieder zurück reichte - nicht ohne Gefahren für die Athleten. Der Schweizer Radfahrer Fabian Cancellara twitterte am Sonntag: "Ich hoffe, die Frauen sehen heute auch eine solche Menschenmenge - aber eine Bitte an alle Zuschauer: mindestens zwei Schritte zurückzugehen. Wir haben gestern oft unser Leben riskiert." Cancellara war spektakulär gestürzt: "Lang, lang geschlafen. Ich fühle den Schmerz. Werde heute auf einem normalen Fahrrad ein bisschen trainieren. Hoffe, es funktioniert #theBodyHasToMoving"

Die Queen hatte viel Spaß

"Ein ziemlicher Spaß" sei die Filmerei gewesen, sagte Ihre Majestät Königin Elizabeth II. zu dem Auftritt mit James Bond alias Daniel Craig anlässlich der olympischen Eröffnungszeremonie. Regisseur Danny Boyle musste die Monarchin demnach gar nicht groß überzeugen. Sie soll sofort zugestimmt haben. Die Produzenten gaben ihr Bestnoten: Es brauchte nur einen einzigen Take, um die Szene zu filmen. Und die beiden Corgis sind tatsächlich die Haustiere der Queen, Monty, 13 Jahre, und Holly, neun. Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson berichtete, dass Elizabeth ihn gefragt habe, ob die Menschen sich auch amüsiert hätten. Er antwortete: "Ich fand es sehr, sehr lustig."

Der Butler, der in dem Film James Bond in die königlichen Gemächer führt, ist der Liebling der Queen. Paul Whybrew arbeitet seit 30 Jahren für Elizabeth, und sie sind so gut befreundet, dass sie gerne gemeinsam Fernsehen. Whybrew war es, der die Königin 1982 vor dem Eindringling Michael Fagan rettete. Fagan war damals in das Schlafzimmer der Königin geklettert, sie musste sich mehrere Minuten mit ihm unterhalten, während sie beide auf dem Bett saßen. Whybrew war der erste, der Fagan bemerkte. Er bot ihm ein Getränk an, überwältige ihn und schleifte ihn aus dem Zimmer, noch bevor die Polizei kam.

London liebt Beachvolleyball

Beach-Volleyball entwickelt sich zu einer der beliebtesten Sportarten in London. Der künstliche Strand wurde mitten in der Stadt bei den Horseguards aufgeschüttet, direkt neben der Downing Street im Parlamentsviertel. Premierminister David Cameron ist allerdings die Sicht von einigen Bäumen versperrt. Er scherzte bereits, dass er sich bei seinem Schatzkanzler George Osborne einnisten werde, dessen Büro in Downing Street Nummer 11 direkt auf die Ränge schaut. In der nächsten Woche wird angeblich auch Prinz Harry auf den Zuschauerrängen erwartet. Er wird dann in den Pausen von Damen in 50er-Jahre-Badeanzügen unterhalten. Und von Musik des alten Komikers Benny Hill, bekannt für Altherrenwitze. Auch das ist britischer Humor.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum gewisse Ideen zu einem Vergleich Großbritanniens mit der DDR führen und ein deutscher Funktionär als Nazi beschuldigt wurde.

Die freiwilligen Olympia-Helfer sieht man zur Zeit überall herumlaufen in London mit ihren pink-lila-farbenen Trainingsanzügen. Die Frau in dem Video, dass hier verlinkt ist, versucht, die Stimmung der Menge im Olympia-Bahnhof Stratford hochzupeitschen - mit einer ganz eigenen Art von Humor.

Der ehemalige Außenminister und Sunderland-Fußball-Aufsichtsrat David Miliband entdeckte, dass olympischer Sport tatsächlich faszinierend sein kann und twittert: "Olympischer Rekord! Gewichtheben kann spannend sein!"

Und dann gibt es natürlich die ewigen Pessimisten, wie dieses Graffiti in Ost-London zeigt: "Everybody hates the Olympics". Wobei jemand angefügt hat: "Except for the 100 Meters - außer dem 100-Meter-Lauf".

Keine Soldaten auf die leeren Ränge

Seit einem Jahr versuchen Londoner Olympia-Tickets zu kaufen. Es gab mehrere Auslosungen, tausende bekamen gar keine oder nur eine ganz kleine Zahl der gewünschten Eintrittskarten. Und jetzt sind hunderte Sitze leer in den Stadien. Es sind wahrscheinlich die Karten, die von Sponsoren an Kunden weitergegeben werden sollten. Aufgrund eines neuen Korruptions-Gesetze sind aber solch teuren Geschenke in Großbritannien mit einer gewissen Gefahr verbunden. Anscheinend haben viele die geschenkten Tickets also nicht angenommen - und die Sitze bleiben leer.

Nun gibt es viele Ideen, wie die Reihen zu füllen sind. Soldaten sollen sie bekommen, ist eine der Ideen. Sie mussten ihren Urlaub absagen, um die Sicherheit der Spiele zu gewährleisten, nachdem der private Sicherheitsdienst G4S nicht genug Leute aufstellen konnte. Der Nutzer "Old Holborn" kommentiert dies mit dem Tweet: "Leere Sitze sollen mit Militär gefüllt werden. Wir sind zur DDR geworden." Andere wollen die Tickets für fünf Pfund erneut verkaufen. Oder an die vielen Menschen geben, die jeden Tag nur Eintrittskarten für den Olympia-Park in der Hand halten, ohne Zutritt zu den Sportstätten.

Egal, was passieren wird: Schon jetzt gibt es wieder Tickets auf der Webseite www.london2012.com. Wer also doch noch kommen will zur Olympia in London (und ein einigermaßen günstiges Flugticket finden kann), der hat gute Chancen auf einen Platz ganz vorne in den Rängen!

Nazi-Vorwürfe gegen deutschen Funktionär

Kaum waren die Deutschen im Olympia-Stadion eingelaufen, gab es Aufregung auf Twitter und in den englischen Medien um einen angeblichen Nazi-Gruss eines deutschen Funktionärs. Es war der 83-jährige Walther Tröger, der dort die deutschen Athleten begrüßte, er war lange Jahre Chef des deutschen Olympia-Komitees und Bürgermeister des olympischen Dorfes in München 1972. Damals, beim Terrorangriff auf die israelische Mannschaft bot er sich als Geisel an. Christian Klaus, der Sprecher des olympischen Sportverbandes sagte: "Es ist beschämend und nicht akzeptabel irgendeine Verbindung zum Nationalsozialismus herzustellen. Er ist sein ganzes Leben für Toleranz, Verstehen und Fair Play eingestanden."

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