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Fabian Hambüchens bittere Abrechnung mit Olympia in Rio

Fabian Hambüchen konnte in Rio de Janeiro einen gold-glänzenden Abschluss seiner Karriere feiern. Dennoch blickt der Turnstar im Interview mit dem stern im Zorn zurück auf Olympia 2016.

Fabian Hambüchen

"So geht es einfach nicht weiter": Fabian Hambüchen kritisiert die Haltung des IOC in der Doping-Problematik.

Gold-Turner Fabian Hambüchen ist das Gesicht der deutschen Olympiamannschaft. Sein Sieg macht ihn stolz, aber mit den Spielen von Rio geht er hart ins Gericht. Im stern-Interview übt Hambüchen heftige Kritik am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dessen Haltung in Doping-Fragen. Auch die Zustände im Olympischen Dorf während der Sommerspiele bemängelt der 28 Jahre alte Turn-Olympiasieger in deutlichen Worten.

Fabian Hambüchen attackiert Thomas Bach

"Ich bin eigentlich kein Fan davon, alle zu verbannen", sagt Hambüchen mit Blick auf das Staatsdoping in Russland. Aber wenn zuverlässige Dopingkontrollen nicht gewährleistet werden, muss man vielleicht eine ganze Nation sperren. Auf den Tisch hauen. So geht es einfach nicht weiter.“

Hambüchen attackiert im Gespräch mit dem stern auch den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach: "Diese Doping-Problematik ist halt brutal, und da hat er nicht gerade gepunktet." Vor allem im Fall Julia Stepanowa wirft Hambüchen dem IOC Fehlverhalten vor. Die russische Läuferin hatte mit ihren Aussagen zur Enthüllung des systematischen Dopings in ihrem Land beigetragen – und war vom IOC für die Sommerspiele in Rio gesperrt worden, weil sie laut IOC die "ethischen Anforderungen" nicht erfülle.

"Sie ist die Einzige, die sich ethisch korrekt verhalten hat", sagt Hambüchen dazu. "Das war definitiv ein fatales Signal für alle Whistleblower und jene, die sich mit dem Gedanken tragen, auszupacken.“

"Kein Tag, an dem es im Olympischen Dorf sauber war"

Den Sommerspielen in Rio, die am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen sind, stellt Hambüchen im stern ein schlechtes Zeugnis aus. "Die Organisation, Hygiene, Unterbringung und Verpflegung - das war schon grenzwertig", erzählt der Deutsche. "Wir sind europäischen Standard gewohnt. Ich habe keinen Tag erlebt, an dem es im Olympischen Dorf sauber war. Wir mussten das Toilettenpapier in den Mülleimer werfen, weil sonst die Rohre verstopfen. Und dieser Eimer wurde nur alle paar Tage geleert. Dann die Organisation. Am Anfang wusstest du nicht, wie du überhaupt zum Training kommst."



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