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Freiwasserschwimmer im Wechselbad der Gefühle

Die deutschen Langstrecken-Männer waren bei der Schwimm-EM gegen Konkurrenz in Ganzkörperanzügen und Wellengang chancenlos. Deutschlands beste Langstreckenschwimmerin Angela Maurer stieg bei Windstille in den Plattensee - und gewann Bronze über zehn Kilometer.

Angela Maurer strahlte in der Abendsonne über ihre Bronzemedaille, Rekord-Weltmeister Thomas Lurz fluchte am Vormittag und Jan Wolfgarten schrie seine Enttäuschung heraus: Die Emotionen der deutschen Langstrecken-Schwimmer bei der Freiwasser-EM waren am Donnerstag so wechselhaft wie das Wetter am Plattensee. Die 35-jährige Maurer schlug in Ungarn nach 10 Kilometern 1,5 Sekunden hinter der Siegerin Linsy Heister (Niederlande) an, die in 2:01:06,7 Stunden gewann.

"Ich bin superhappy. Endlich wieder eine Medaille und nicht wieder Vierte", sagte die Mainzerin nach ihrem ersten Erfolgserlebnis über die olympische Distanz seit 2006. Damals war sie im Plattensee Europameisterin geworden. Danach schrammte sie oft an Edelmetall vorbei, wie beispielsweise als Olympia-Vierte 2008 in Peking.

Maurer qualifizierte sich ebenso wie Lurz, der zum EM-Auftakt am Mittwoch Gold über 10 Kilometer gewonnen hatte, vorzeitig für die WM 2011 in Shanghai. Die Titelkämpfe in China sind die entscheidende Qualifikation für die Spiele 2012 in London. Nadine Reichert (Mainz) wurde 25,7 Sekunden zurück Zehnte und hofft im Team-Wettbewerb am Freitag mit Lurz und Wolfgarten auf weiteres Edelmetall.

Rekord-Weltmeister Thomas Lurz fluchte hingegen im Wasser, Jan Wolfgarten schrie an Land seine Enttäuschung heraus: Die Männer verpassten die erhofften Medaillen knapp. Lurz, der 24 Stunden zuvor beim EM-Auftakt Gold über 10 Kilometer geholt hatte, verfehlte am Donnerstag als Fünfter den Bronze-Rang um 4,4 Sekunden. "Ich war ein bisschen verärgert im Ziel. Der Kräfteverschleiß von gestern war zu groß, aber die anderen waren auch besser, das muss man anerkennen", sagte der Würzburger.

Die ausgeruhten Italiener, von denen zwei die 10 Kilometer ausgelassen hatten, trumpften groß auf: Europameister wurde in 58:43,4 Minuten Luca Ferretti vor Simone Ercoli und Simone Ruffini, der zeitgleich mit Titelverteidiger Spyridon Gianniotis (Griechenland) nach einem Jury-Entscheid auf Platz drei gesetzt wurde. Der Würzburger Jan Wolfgarten wurde 23 Sekunden hinter dem Sieger Sechster vor Christian Reichert (Wiesbaden), der als Einziger mit seiner Leistung zufrieden sein konnte.

Bei kühlen Temperaturen, Wind und Wellengang hatten alle Italiener leistungsfördernde Ganzkörperanzüge, während Lurz und Reichert in langen Badehosen ("Jammers") antraten, da die Anzüge vom Ausrüster des Deutschen Schwimmverbandes vom Weltverband verboten worden waren. Zudem machten sich die Deutschen bei dem Zeitrennen mit einem Startintervall von einer Minute das Leben selbst schwer. Wolfgarten, der in einem geliehenen Frauen-Anzug schwamm, hatte Probleme mit der Orientierung und schwamm an einer Boje ebenso einen Umweg wie Lurz kurz vor dem Ziel.

Wolfgarten hatte "wenig bis keine Orientierung"

"Ich habe wenig bis keine Orientierung gehabt. Bei einer Wende habe ich sehr viel Zeit liegen lassen und mich dumm angestellt", sagte Wolfgarten, der als eigentlicher Beckenschwimmer nicht so viel Routine wie die Freiwasserspezialisten mitbringt. "Ausgerechnet heute war hier der welligste Tag", klagte der Kurzbahn-Europameister über 1500 Meter.

DPA/ben/swd/DPA

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