Deutschlands Handball-Traum ist geplatzt

23. Januar 2013, 20:29 Uhr

Sie lagen nach der ersten Halbzeit in Führung, am Schluss aber reichte es nicht. Gegen den Favoriten Spanien schied das deutsche Team im Viertelfinale der Handball-WM mit 24:28 aus.

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Oliver Roggisch (l.) und Silvio Heinevetter ahnen in der zweiten Halbzeit, dass es gegen Spanien doch nicht reichen wird©

Der Traum von einem zweiten Wintermärchen ist geplatzt. Mit dem 23:28 (14:12) im Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien endete am Mittwoch in Saragossa die wunderbare WM-Reise der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Nach einer über weite Strecken erneut starken Vorstellung musste sich das Team von Bundestrainer Martin Heuberger erst in der Schlussphase den Spaniern geschlagen geben. Auch sechs Tore von Sven-Sören Christophersen halfen nichts mehr.

"Die Mannschaft hat gut gekämpft. In der zweiten Halbzeit hatten wir zu viele Unterzahlsituationen und haben zu viele Torchancen liegen gelassen. Dann kann man gegen eine starke Heimmannschaft nicht gewinnen", sagte Heuberger. Kapitän Oliver Roggisch versuchte, die enttäuschten jungen Spieler aufzumuntern. "Wir dürfen jetzt nicht vergessen, was wir geleistet haben", sagte der 34-Jährige. "Aus so einer Niederlage müssen wir lernen. Man hat gesehen, dass wir am Schluss noch nicht so erfahren sind."

Angefeuert von fanatischen 10.600 Zuschauern in der ausverkaufen Halle Pabellón Príncipe Felipe kämpften die Iberer die deutsche Mannschaft nieder und treffen am Freitag im Halbfinale auf Slowenien. Die Slowenen hatten zuvor Russland mit 28:27 aus dem Turnier geworfen.

Gellendes Pfeifkonzert begleitet deutsches Team

Vor dem Spiel hatte sich die deutsche Mannschaft noch einmal als Gute-Laune-Truppe präsentiert. Mit einem selbst gedrehten Video als Antwort auf die Grüße und Glückwunsche aus der Heimat nahmen sich die Spieler selbst auf dem Arm. Sie verulkten "den Geist der Weltmeister von 2007" und zeigten auf der Busfahrt eine Sitz-Tanzchoreographie zum Song "Call me may be" von Carly Rae Jepsen.

Am Abend war dann aber Schluss mit lustig. Mit einem Pfeifkonzert wurden die deutschen Spieler schon beim Aufwärmen in der Halle empfangen. Beim Einmarsch und der Spielervorstellung setzte sich dies fort.

Davon unbeeindruckt spielte der Außenseiter groß auf. In der Deckung hatten Abwehrchef Oliver Roggisch und seine Nebenleute den bulligen spanischen Kreisläufer Julen Aguinagalde ebenso im Griff wie Rückraumspieler Alberto Entrerrios. Im Angriff spielte der EM-Siebte, der bislang ein unerwartet beeindruckendes Turnier abgeliefert hatte, überlegt und mit Geduld. Deutlich war das Bemühen zu sehen, möglichst keine Fehler zu machen und so die Spanier nicht zu Kontern einzulanden.

Halbzeit "auf ganz hohem Niveau"

Das Duell der Weltmeister von 2005 und 2007 war von der ersten Minute an umkämpft und kein handballerischer Leckerbissen. Beide Teams begegneten sich auf Augenhöhe und kämpften um jeden Ball und jedes Tor. Dabei stand den deutschen Spielern auch das Wurfglück zur Seite. Nach dem 7:5 (13.) durch Michael Haaß ließ sich Spaniens Torwart-Hüne Arpad Sterbik entnervt auswechseln.

Danach stellte der Gastgeber die Abwehr um, provozierte so Fehler im deutschen Spielaufbau und brachte die DHB-Auswahl mit 7:8 (18.) ins Hintertreffen. Bundestrainer Heuberger reagierte darauf mit einer Auszeit, um seine Mannen auf die veränderte Situation einzustellen. Dies zeigte Wirkung. Zumal die Hausherren wie erwartet im Angriff auch keine zündenen Ideen hatten, um den deutschen Abwehrriegel auszuhebeln. Die deutsche Mannschaft erkämpfte sich so bis zur Halbzeit eine 14:12-Führung.

"Die Mannschaft ist taktisch hervorragend eingestellt. Sie haben kaum Tore aus dem Rückraum bekommen und von hinten raus unser Tempospiel genutzt", lobte DHB-Vize Horst Bredemeier. "Das war ein Spiel auf ganz hohem Niveau von uns. Wenn wir das durchhalten, können wir gewinnen."

Deutsche Spieler verloren die Geduld

Doch das deutsche Team konnte das Niveau nicht halten. Bredemeiers Spieler spielten ungeduldig und machten Fehler, so dass Spanien den Rückstand bis zur 34. Minute in einen 17:15-Vorsprung drehen konnte. Erneut zeigten sich die DHB-Spieler wenig beeindruckt und hielten dagegen. Und hätte Patrick Groetzki nicht zwei klare Chancen vergeben, die deutsche Mannschaft zur Mitte der zweiten Halbzeit führen können.

So aber blieb es ein enges Match - bis Spaniens Star Aguinagalde aufdrehte. Seine drei Tore in Folge trugen entscheidend dazu bei, dass die Gastgeber bis fünf Minuten vor Schluss auf 25:21 davonzogen. Die Deutschen ließen indes zu viele Möglichkeiten aus, so dass der Sieg der Spanier am Ende verdient war.

dho/DPA
 
 
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