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27. Juni 2001, 09:46 Uhr

Sponsoren verklagen Tommy Haas

In Erwartung hoher Rendite finanzierten 15 Privatleute die Ausbildung von Tommy Haas. Seit er Millionen verdient, will er nicht mehr zahlen. Seine Förderer haben ihn nun verklagt.

Deutschlands Nummer eins: Tommy Haas

In Erwartung hoher Rendite finanzierten 15 Privatleute die Tennis-Ausbildung von Tommy Haas. Seit er Millionen verdient, will er nicht mehr zahlen. Seine Förderer haben ihn nun verklagt.

Für die »Bunte« ist die Welt des Tommy Haas so rein wie frisch gewaschene Tennisshorts. Vor einem Turnier, berichtet das Blatt, verzichtet der »Mädchenschwarm Nr. 1« auf Sex. Drogen sind natürlich tabu.

Als »Symbol des Erfolgs« posiert der »beste und schönste deutsche Tennisspieler« mit seinem Porsche Cabriolet vor dem erst kürzlich erworbenen Penthouse auf Mallorca und erklärt seine Liebe zu Deutschland: »Die Autos, die Disziplin, die Zuverlässigkeit der Menschen.«

Geldanlage Tommy Haas

Menschen wie »Focus«-Chefredakteur Helmut Markwort. Der Lebensgefährte von »Bunte«-Chefredakteurin Patricia Riekel, als Zeitschriften-Vorstand des Burda-Verlags erster Journalist im Hause, ist - als Privatmann - einer von 15 »sportbegeisterten Mäzenen« (»Focus«), die bis 1995 mit insgesamt 750000 Mark die Ausbildung von Tommy Haas in Florida finanzierten und schriftlich zusicherten, sich »für ein positives Image von Herrn Thomas Haas« einzusetzen. Auch darin ist der Burda-Mann ein Vorbild an Zuverlässigkeit. »Eine Geldanlage«, heißt es über Tommy Haas in »Bunte«, die dessen Vermögen inzwischen auf 25 Millionen Mark schätzt: »Mit Tommys Erfolgen fließen die Gewinne zurück«.

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Pfändungsbeschluss

Gar nichts fließt. Zwar stehen Markwort und den 14 anderen »Mäzenen« für ihre Investition in Tommys Karriere laut Vertrag 15 Prozent aller Einnahmen des Tennisprofis noch bis zum Ende des Jahres 2004 zu. Doch seit Haas, derzeit Nummer 17 der Welt, das große Geld verdient, gab's keine müde Mark mehr. Helmut Markwort und Freunde ließen dem Tennisstar deshalb

per gerichtlichem »Arrestbefehl und Pfändungsbeschluss« Gelder aus Werbeeinnahmen sowie Preis- und Antrittshonorare sperren, verklagten ihren Zögling auf die Zahlung von gut einer Million Mark.

Ein pikanter Rechtsstreit steht bevor. Denn Haas-Anwalt Georg Stock hält das »auf der Welt einmalige Finanzierungsmodell im Sport« (»Bunte«) schlicht für »sittenwidrig«. Kostprobe aus seinen Schriftsätzen: »Etwas Vergleichbares hat man zuletzt im alten Rom auf Sklavenmärkten gesehen.« Freilich hatten Markwort und die anderen Sportsfreunde nur das Beste im Sinn, als sie 1990 die »Tennistalentförderung GmbH & Co. KG« gründeten. Journalisten wie Markwort zählen zu den spendablen Tennis-Enthusiasten, dazu Anwälte undSteuerberater aus München, ein Immobilienmakler aus Berlin, Kinderärzte aus dem Badischen und eine wohlhabende Erbin.

50 000 Mark pro Förderer

Die Einlage von 50000 Mark pro Förderer war als Betriebsausgabe von der Steuer absetzbar und verfolgte als hehres Ziel die »Verwertung der Talente von jungen Tennisspielern, insbesondere von Sabine und Thomas Haas«. Die beiden sollten »bestmögliche Platzierungen im nationalen und internationalen Tennissport erreichen, was ... zum Abschluss lukrativer Werbe- und Promotionsverträge... führen kann«. Als Gegenleistung soll Tommy Haas nicht nur 15 Prozent seiner Einkünfte einbringen, sondern auch sämtliche persönlichen Auswertungsrechte an seiner Person, unbegrenzt und exklusiv auf die Dauer von mindestens 15 Jahren. Tommy war damals zwölf Jahre alt. Ein Vormundschaftsrichter musste die Vereinbarung genehmigen. Papa Peter Haas, der Erfinder des Finanzierungsmodells, habe, so haben es die Förderer in Erinnerung, damals gesagt: »Wenn der Tommy es schafft, ein guter Profi zu werden, dann soll es allen gut gehen. Insbesondere denen, die Tommy am Anfang geholfen haben«.

Trotzdem war der Tennispapa von Anfang an sehr zögerlich bei der Offenlegung der Bücher, führte dann die Firma, mittels derer er die Fördergelder verwalten sollte, in den Bankrott. Später jedoch bekannte sich Tommy Haas, inzwischen volljährig, persönlich zu den Verpflichtungen aus den Verträgen seines Vaters. »Es ist in meinem Interesse und sicher auch in dem der Sponsoren, negative Publicity zu vermeiden«, schrieb er auf Englisch an seine Förderer. Drei Jahre lang wurde sauber abgerechnet.

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