Verband warnte Armstrong vor zu hohen Blutwerten

23. Januar 2013, 12:06 Uhr

Der frühere Chef des Radsportverbandes UCI, Hein Verbruggen, hat eingeräumt, dass Profis bei verdächtigen Blutwerten vor einer drohenden Sperre gewarnt worden seien. Einer der Fahrer: Lance Armstrong.

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Gelogen, betrogen - und vom UCI gewarnt: Lance Armstrong©

Hein Verbruggen, umstrittener Ehrenpräsident des Radsport-Weltverbandes UCI, hat zugegeben, dass Radprofis während seiner Amtszeit bei verdächtigen Blutwerten gewarnt worden seien. Unter den gewarnten Fahrern soll sich auch der inzwischen reuige Doping-Sünder Lance Armstrong befunden haben.

Verbruggen verteidigte die umstrittene damalige Anti-Doping-Politik des UCI. Er habe nicht unangemessen gehandelt, sagte Verbruggen dem niederländischen Magazin "Vrij Nederland". Das frühere Vorgehen, wonach verdächtigten Fahrern mitgeteilt worden war, dass sie unter Beobachtung stünden, sei konform zu dem von anderen Verbänden gewesen.

"Prävention durch Abschreckung und Repression" sei das Ziel gewesen, ergänzte Verbruggen, der sich seit dem Bekanntwerden des Dopingskandals um den gefallenen Radstar Lance Armstrong schweren Anschuldigungen ausgesetzt sieht. So hatten die geständigen Dopingsünder Floyd Landis und Tyler Hamilton behauptet, dass ein positiver Test Armstrongs bei der Tour de Suisse 2001 gegen eine Geldspende in Höhe von 125.000 Euro vertuscht worden sei. Sowohl Verbruggen als auch jüngst Armstrong bei seinem TV-Geständnis hatten dies zurückgewiesen.

Powerpoint-Präsentationen zur Warnung

Vertrauliche Dokumente sollen indes zeigen, dass Topfahrer und Teammanager zum UCI-Hauptquartier nach Aigle in der Schweiz eingeladen worden waren. Dort soll UCI-Chefarzt Mario Zorzoli Powerpoint-Präsentationen abgehalten haben, in denen er die Anti-Doping-Strategie der UCI und Informationen über verdächtige Werte publik gemacht habe.

Auch der niederländische Radprofi Karsten Kroon räumte ein, dass er von Lon Schattenberg aus der UCI-Anti-Doping-Kommission im Jahre 2004 wegen abnormaler Blutwerte gewarnt worden sei. Der australische Anti-Doping-Experte Michael Ashenden kritisierte das Vorgehen der UCI. Damit sei den Fahrern die Möglichkeit gegeben worden, ihr Dopingprogramm anzupassen, um einen positiven Test zu umgehen.

Verbruggen betonte indes, dass es der UCI um Überzeugungsarbeit bei den Fahrern gegangen sei, nicht zu dopen. Es sei hart für ihn gewesen, dass er mehr gewusst habe als er sagen konnte. "Du hast Fragen, kannst sie aber nicht öffentlich äußern", ergänzte der Niederländer.

Verbruggen stand von 1991 bis 2005 an der Spitze des Weltverbandes.

kng/DPA
 
 
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