24. Mai 2007, 11:00 Uhr

Zabel und Aldag gestehen Epo-Doping

Erik Zabel hat sich als erster aktiver Radprofi als Doping-Sünder geoutet. Bei einer Pressekonferenz gab der 38-Jährige unter Tränen zu, gedopt zu haben. "Ich bin schockiert. Das hätte ich nie geahnt", sagt der "geistige Vater" des Team Telekom, Jürgen Kindervater, stern.de.

Haben Epo-Doping zugegeben: Erik Zabel und Rolf Aldag©

"Ich habe gedopt, weil es ging", sagte Zabel, "das war ein Test, das war einmalig." Zuvor hatte der Teamchef des Bonner Radrennstalls T-Mobile, Rolf Aldag, Doping mit EPO eingeräumt.

Zabel, der nach seinem Abschied vom Bonner Rennstall für das Team Milram fährt, droht damit eine automatische Zwei-Jahres-Sperre wegen Dopings. "Ich bin bereit, Konsequenzen zu tragen", sagte der gebürtige Berliner. Wie Aldag entschuldigte sich Zabel, der jahrelang an der Seite von Jan Ullrich für den T-Mobile-Vorgänger Team Telekom gefahren war, öffentlich für seine Verfehlungen.

Telekom will weiter machen

Aldag erklärte: "Ich habe im Vorfeld der Tour de France 1995 mit EPO-Doping begonnen." Aldag und Zabel sind nach Bert Dietz, Christian Henn und Udo Bölts die Profis vier und fünf des früheren Telekom- Rennstalls, die Doping zugegeben haben. Aldag entschuldigte sich auch dafür, dass er jahrelang gelogen habe. "Das war sicher das Schwerste überhaupt, was ich je getan habe und sicherlich genauso falsch wie Doping", sagte Aldag.

Ungeachtet der Geständnisse wird die Deutsche Telekom nicht aus dem Radsport-Sponsoring aussteigen. "Wir bleiben drin", sagte Konzernsprecher Philipp Schindera am Donnerstag. In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Vermutungen über einen bevorstehen Ausstieg des Sponsoring gegeben.

Kindervater schockiert

Der frühere Telekom-Sprecher Jürgen Kindervater, den stern.de kurz nach der brisanten Pressekonferenz am Telefon sprechen konnte, reagierte geschockt auf die Doping-Geständnisse der ehemaligen Telekom-Fahrer Erik Zabel und Rolf Aldag reagiert. "Das ist ein Schock für mich. Ich bin ziemlich enttäuscht davon, da wir uns jahrelang vor die Fahrer gestellt haben.", sagte Kindervater, der als "geistiger Vater" des ehemaligen Team Telekom gilt, stern.de.

Er selber habe nichts von Doping gewusst, versicherte Kindervater, der bis 2002 Konzern-Sprecher war. "Bis vor ein paar Tagen habe ich es für unvorstellbar gehalten, dass es systematisches Doping beim Team Telekom gab". Er habe damals bei der Teamleitung und der medizinische Betreuung nachgefragt, ob sich der Konzern sicher sein könne, dass bei dem Radteam nicht gedopt werde. "Wir haben in der Uniklinik Freiburg eine unabhängige Instanz gesehen. Dass die Ärzte involviert waren, ist für mich eine große Überraschung".

"Ullrich muss jetzt ehrlich sein"

Dem ehemaligen Kapitän des Bonner Rennstalls, Jan Ullrich, rät Kindervater, eine "vollkommene Offenheit und Ehrlichkeit" mit seiner Vergangenheit. Ob der Ex-Tour-Sieger tatsächlich gedopt hat, könne er jedoch nicht sagen, so Kindervater.

Die Entscheidung bei T-Mobile, das Radsport-Sponsoring fortzusetzen, könne er nachvollziehen. Auch nach dem Bekanntwerden des Festina-Skandals im Jahr 1998 habe man sich dazu entscheiden, das Sponsoring fortzusetzen. Damals habe man Geld in die Anti-Doping-Forschung gesteckt, um Maßnahmen zu entwickeln, das Blutdoping mit Epo beweisbar zu machen.

Dietz-Outing löste Lawine aus

Die Welle der Doping-Geständnisse hatte am Montagabend der frühere Telekom-Profi Bert Dietz ausgelöst, der sich in der ARD-Sendung "Beckmann" selbst als Doping-Sünder geoutet und die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid schwer beschuldigt hatte. Nach ihm gestanden auch seine früheren Teamgefährten Christian Henn und Udo Bölts Doping-Missbrauch. Am Mittwochabend räumten Schmid und Heinrich ein, im Bonner Rennstall Telekom Doping-Praktiken unterstützt zu haben. Die Universität Freiburg hat sich am Donnerstag mit sofortiger Wirkung von den beiden Medizinern getrennt.

DPA/kbe/mta

 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Sternkommentar (24.05.2007, 15:28 Uhr)
Ein Sponsor steht zu seinen „Sportlern“
Die Einstellung der Radrennprofis zum Doping und zu „ Ihrem „ Sport passt zu der Einstellung der Sie fördernden Deutschen Telekom. Zitat : Ungeachtet der Geständnisse wird die Deutsche Telekom nicht aus dem Radsport-Sponsoring aussteigen. "Wir bleiben drin" sagte Konzernsprecher Philipp Schindera heute. – Moral, Anstand und Sportlichkeit sind, was beiden fehlt. Fehler einzugestehen und aus den Fehlern zu lernen, Fehler zu korrigieren und falsche Entscheidungen zurücknehmen, dass ist was beide nicht können.
Wo bleibt die Moral ?? Mit welchen Mitteln Ziele erreicht werden ist diesen Menschen völlig egal.
yvonius (24.05.2007, 15:20 Uhr)
Jan doch der Beste
...also ist Jan doch der beste Radfahrer und wenn alle mitgemacht haben, war es immer ein faires Rennen. Ich bin nach wie vor dankbar für die spannenden Rennen die Jan uns geliefert hat... also bitte alles nicht so ernst nehmen, ist doch nur Sport. Und die Kohle fürs Doping haben wir doch alle mitgezahlt über unsere Telekomrechnung.
Karamella (24.05.2007, 13:55 Uhr)
genau...
so wie das schoolar gesagt hat. Ich glaube auch kaum, dass sich irgendjemand im Leistungssprot ab einer gewissen Kategorie überhaupt dem Doping entziehen kann. Wahrscheinlich nur, wenn er dann auch seine Karriere an den Nagel hängt. Warum dopen Sportler auch bei Ivents, bei denen Dopingkontrollen angesagt sind? Wer glück hat, wird nicht untersucht und scho hast gwonnen.
Sauberer Leisungssport gehört für mich in die Ecke der Sagen und Legenden.
masilein (24.05.2007, 13:50 Uhr)
wahrheit
Wann kommen endlich die Namen der Drahtzieher,Teamchefs, Mitwisser bei den Verbänden und all die anderen Sportarten ans Licht. Solol mir doch keiner von denen sagen , sie hätten nichts gewusst.
Sofort alle öffentlichen Gelder stoppen und nix mehr im Fernsehen, wollen wir doch mal sehen, wie sich dann was ändern wird.
gelegenheitsposter (24.05.2007, 13:19 Uhr)
wiederlich
Die sind nur durch Betrug ins Rampenlicht gekommen, niemand hat sie zum Doping gezwungen.
Eine so rührige Position und Öffentlichkeit stehe ihnen nicht mehr zu ....
Der Volksmund hat für solche Leute eine einfach Bezeichnung - Lumpen.
schoolar (24.05.2007, 13:17 Uhr)
Ach nee...?!
Also wem nicht schon vor diesen "lobenswerten Geständnissen" klar war, daß im Sport massiv gedopt wird, der muß schon extremst blauäugig sein! Meiner Meinung nach sollte man bsp. die Tour de France in einen Wettbewerb der Pharmakonzerne umgestalten und jeden Teilnehmer nach Lust und Laune dopen lassen - wer als letzter tot vom Rad fällt, hat dann halt gewonnen. Dann wäre der Wettkampf wieder sehenswert, und man würde sicherlich sogar noch Zuschauer dazu gewinnen, die vorher nicht stundenlang dabei zugeschaut haben, wie eine Horde erwachsener Männer hunderte Kilometer durch die Lande radelt: Die "Big-Brother-Generation" nämlich, die sich für keine effekthascherische TV-Sendung zu doof ist!
MrPommeroy (24.05.2007, 13:00 Uhr)
Ich hätte auch gedopt, wer nicht?
Vorausgesetzt, man akzeptiert die gesundheitlichen Risiken, aber das müssen andere berufsgruppen auch, beispielsweise Kneipenwirte durch Passivrauchen.
Wer war von der Tour nicht gedopt?? Es war ihr Beruf, ihr Lebensunterhalt.
Wie Ulrich richtig sagt, "belogen und betrogen" hat er niemand, weil eh alle Bescheid wussten, nur halt der nicht-nachdenken-wollende Zuschauer nicht.
CeeTo (24.05.2007, 12:45 Uhr)
-.-
Ich kann mich manndernichtdaist nur voll und ganz anschließen.
sauberXL
meinst du jetzt ist alles vergessen? Mal eben alles zugeben und weiter gehts? Klar find ich es super dass sie dazu stehen. Aber soviel wie man jetzt schon wusste wäre alles andere nur noch eine Farce gewesen.
manndernichtdaist (24.05.2007, 12:34 Uhr)
@sauberXL
Seit über 10 Jahren Leute zu belügen und dann kurz vor der "Rente" zu sagen "Ja, hab gedopt, hab alle verarscht, tschuldigung" zeugt von Größe?
Aha.
Diese Herren haben den Radsport aufs übelste mit ihren Schuhen getreten und schaufeln dessen Grab und der sauberXL sagt dass das Geständnis was Großes sei... oh mein Gott heb das Hirn im Himmel für jemand anderes auf, bei sauberXL ist eh alles zu spät.
So wie eben jetzt für den Radsport. Wer wird sich das noch im TV ansehen?? SuperGAU, so einfach ist das.
sauberXL (24.05.2007, 12:25 Uhr)
Oh Herr schmeiß Hirn vom Himmel...
@ manndernichtdaist: Bleibe bitte mal stehen, damit es dich trifft.
Seine Fehler zugeben und dazu stehen, zeugt von Größe.
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