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28. Mai 2007, 16:22 Uhr

Doch nicht selbst gespritzt?

Verwirrung um den ehemaligen Betreuer des Teams Telekom. Nachdem Jef D'Hont in einem Zeitungsinterview behauptet hatte, Jan Ullrich persönlich das Blutdoping-Mittel Epo gespritzt zu haben, dementiert der Belgier im Radio nun seine Aussagen. Ullrich selbst hüllt sich weiter in Schweigen.

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Vieles beim Dopingskandal liegt noch im Schatten© Gero Breloer/DPA

Der ehemalige Telekom-Betreuer Jef D'Hont hat seine Doping-Vorwürfe gegen Jan Ullrich relativiert. In einem Interview des niederländischen Radiosenders NOS erklärte der Belgier, dass er persönlich Ullrich nie eine Epo-Spritze gesetzt habe. Auf die Nachfrage des Moderators, wer Ullrich Spritzen verabreicht habe, gab D'Hont keine eindeutige Antwort. In einem Interview der Zeitung "Bild am Sonntag" hatte er noch erklärt, Ullrich selbst einmal in Frankreich Epo gespritzt zu haben. "Ich habe es ihm in den Arm gespritzt, das dauer ungefähr zehn Sekunden, das ist so, als ob man einem zuckerkranken Patienten Insulin gibt", so D'Hont in der Zeitung.

Ullrich verweigert nach wie vor jede Stellungnahme: "Wir haben zu der Sache nichts zu sagen", erklärte Manager Wolfgang Strohband. "Sie werden von mir kein Dementi hören, und eine Pressekonferenz ist auch nicht geplant", sagte Strohband auf Anfrage von "Spiegel Online". Einem Team des Nachrichtensenders N24 sagte Ullrich an seinem Wohnort am Bodensee lediglich: "Mir geht es hervorragend."

Zuvor hatte D'Hont erklärt, er wisse nicht, ob Ullrich tatsächlich jemals Doping gewollt habe: "Aber er hat damals mitgemacht, weil es alle taten."

Führende Politiker wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Unionsfraktionschef Volker Kauder forderten unterdessen ein schärferes Vorgehen gegen Doping und lehnten eine Amnestie für geständige Sünder ab. Schäuble äußerte die Befürchtung, dass die Enthüllungen nicht auf den Radsport begrenzt bleiben werden. Zu den besonders dopingverseuchten Sportarten zählt der Heidelberger Experte Werner Franke Gewichtheben, Ski nordisch und Leichtathletik.

Ullrich war im Zuge von Ermittlungen gegen den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes kurz vor der Tour de France 2006 wegen Dopingverdachts vom Rennen ausgeschlossen worden. Der Sportler selbst bestritt jede Verbindung zu Fuentes. Allerdings wurden bei dem Mediziner Blutbeutel gefunden, die eindeutig von Ullrich stammten. Ende Februar erklärte Ullrich, gegen den inzwischen die Staatsanwaltschaft Bonn wegen Betrugs ermittelt, den Rücktritt vom Leistungssport und sagte, er habe sich nichts vorzuwerfen.

Serie der Geständnisse reißt nicht ab

Derweil reißt die Serie der Doping-Geständnisse nicht ab: Der frühere Olympiaarzt Georg Huber gab zu, von 1980 bis 1990 jungen Radfahrern im Alter von 19 bis 23 Jahren das Leistung steigernde Hormon Testosteron verabreicht zu haben. Huber ist bereits der dritte Sportmediziner des Universitätsklinikums Freiburg, der ein Dopinggeständnis ablegte.

Künast fordert Ende des Telekom-Sponsorings

In der vergangenen Woche waren schon die früheren Telekom-Ärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid aus Freiburg von der Universitätsleitung fristlos entlassen worden, nachdem sie eingeräumt hatten, an der Verabreichung von EPO an mehrere Radprofis beteiligt gewesen zu sein. Zuvor hatten auch die Radsportler Bjarne Riis, Erik Zabel und Rolf Aldag, heute Sportdirektor des T-Mobile-Teams, Blutdoping zugegeben. D'Hont forderte Ullrich auf, sich ebenfalls in der Öffentlichkeit zu erklären: "Es wäre gut für ihn, wenn er auch reinen Tisch machen würde. Dann würde er sich freier fühlen", sagte der ehemalige Betreuer, der mit seinem Buch "Erinnerungen eines Radfahrer-Pflegers" die Lawine ins Rollen gebracht hatte.

Schäuble verlangte in der "Bild am Sonntag" ebenso wie Kauder in der ZDF-Sendung "Berlin direkt" eine rasche Verabschiedung des geplanten Anti-Doping-Gesetzes. Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, rief die Telekom auf, ihr Sponsoring des Radsports aufzugeben. Nach einem Bericht des Deutschlandfunks dürfen sportliche Rekorde, die nachweislich mit Hilfe von Doping zustande gekommen sind, gelöscht werden. Zu diesem Ergebnis komme ein aktuelles Rechtsgutachten.

AP/DPA
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