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Hamburger Hockey-Bundesligist lädt Flüchtlinge zum gemeinsamen Spiel ein

Der Club an der Alster hat sich ein Herz gefasst und den tristen Alltag einiger Flüchtlinge in Hamburg ein wenig aufgehellt - mit einem gemeinsamen Hockeyspiel. Eines von vielen guten Beispielen, wie Sportvereine Flüchtlingen helfen.

Von André Depcke

  Die Spieler des Clubs an der Alster posieren mit den Flüchtlingen auf einem gemeinsamen Gruppenfoto

Die Spieler des Clubs an der Alster posieren mit den Flüchtlingen auf einem gemeinsamen Gruppenfoto

Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Dass etliche den Weg zu uns finden, treibt das Land um. Vielen wollen helfen, darunter auch Sportvereine - kleine Clubs ebenso wie der Profisport. Mit gutem Beispiel geht unter anderem der renommierte Club an der Alster aus Hamburg voran. Der Hockey-Bundesligist lud am vergangenen Sonntag kurzerhand Flüchtlinge, die derzeit in den Hamburger Messehallen untergebracht sind, zu einem gemeinsamen Spiel in seine Halle am Rothenbaum ein.

  Hockeyprofi Julian Hofmann-Jeckel (mit dem Rücken zur Kamera) erklärt den Flüchtlingen die Regeln des Sports

Hockeyprofi Julian Hofmann-Jeckel (mit dem Rücken zur Kamera) erklärt den Flüchtlingen die Regeln des Sports

"Die Meldungen der vergangenen Tage ließen natürlich auch uns nicht kalt", erzählt Julian Hofmann-Jeckel. Der 27-Jährige spielt in der ersten Herrenmannschaft des DCadA. So nahm der Club, allen voran Ex-Nationalspielerin Elisabeth Meves sowie Immi Mahn, die Ehefrau von Jo Mahn, Coach des Herren-Bundesligateams, Kontakt zu den zuständigen Personen in den Messehallen auf. Gut 50 Flüchtlinge, die meisten von ihnen aus Afghanistan, zeigten Interesse. "Zuerst wurde ihnen gesagt, es wird Fußball gespielt", erzählt Hofmann-Jeckel, "als sie dann die Hockey-Schläger gesehen haben, guckten sie erst mal recht verdutzt".

  (Uni-)Hockey auf zwei Feldern - jeweils Sechs gegen Sechs

(Uni-)Hockey auf zwei Feldern - jeweils Sechs gegen Sechs

Nachdem die Flüchtlinge jedoch ein paar Bälle geschlagen hatten, war die Scheu schnell verflogen. "Ihnen hat es zunehmend Spaß gemacht", berichtet Hofmann-Jeckel. Die Schläger für die Flüchtlinge stellte das Johanneum-Gymnasium in Hamburg-Winterhude zur Verfügung. "Nachdem wir auf zwei Feldern Sechs gegen Sechs gespielt haben, griffen wir dann aber doch noch mal zum großen Ball und kickten zum Abschluss eine Runde Fußball." Wie sich herausstellte, spielten einige der afghanischen Flüchtlinge in ihrem Heimatland sogar in der ersten Liga. Sie waren am großen Ball somit versierter als mit dem Schläger und der kleinen Kugel.

  DCadA-Torwart Christoph Noack (l) mit Ramesch, der für seine Flucht von Syrien nach Deutschland 90 Tage unterwegs war

DCadA-Torwart Christoph Noack (l) mit Ramesch, der für seine Flucht von Syrien nach Deutschland 90 Tage unterwegs war

Laut Thomas Wiedermann, Präsident des Clubs an der Alster, soll es bald eine Neuauflage der Aktion geben. Wenn das Wetter mitspielt sogar unter freiem Himmel auf der Club-Anlage im Stadtteil Wellingsbüttel, ergänzt Hofmann-Jeckel.

So wie die Hamburger Hockey-Herren zeigen auch andere Sportclubs aus Deutschland und Europa guten Willen in Sachen Flüchtlingshilfe. Hier ein Überblick über eine Vielzahl wohltätiger Aktionen:

Einlaufkinder: Die Fußballer des FC Bayern sollen an diesem Samstag, 12. September, beim Heimspiel gegen den FC Augsburg mit Flüchtlingskindern ins Stadion einlaufen. Sie sollen je ein Kind aus Deutschland und ein Flüchtlingskind an die Hand nehmen.

Geldspenden: Der FC Bayern gibt eine Million Euro, Real Madrid ebenfalls und das Internationale Olympische Komitee spendet rund 1,8 Millionen Euro für Flüchtlingsprojekte. Vereine und Sportler kündigen in diesen Tagen häufig große Summen an. Auch der Fußball-Club AS Rom rief eine internationale Initiative zur Flüchtlingshilfe ins Leben.

Europas Fußball-Spitzenclubs haben eine gemeinsame Millionenspende angekündigt. Jede der 80 Mannschaften in Champions League und Europa League wird bei ihrem jeweils ersten Heimspiel je einen Euro pro verkauftem Ticket beisteuern.

Freikarten: Viele Vereine stellen Karten für Flüchtlinge bereit - die Liste ist lang. Fußball-Zweitligist FC St. Pauli hat gerade 1000 Flüchtlinge eingeladen. Getan haben das unter anderem auch Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Nürnberg, Drittligist Würzburger Kickers und das Oberligateam SV Lichtenberg.

Mannschaft: Gerade erst hat Deutschlands erste reine Flüchtlingsmannschaft "Welcome United 03" in Potsdam den Liga-Spielbetrieb aufgenommen. Der Verein SV Babelsberg 03 hat das Team als dritte Herrenmannschaft angemeldet.

Statements: Superstar Lionel Messi vom FC Barcelona äußerte sich bei Facebook betroffen über die Lage der Flüchtlinge: "Solche Dinge sollten im 21. Jahrhundert unvorstellbar sein." Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer forderte in der "Bild"-Zeitung, jedem Flüchtling zu helfen.

Trainingscamp: Ein Vorschlag des FC Bayern. Der Rekordmeister plant durch seine Jugendabteilung ein Trainingscamp für junge Flüchtlinge. Kinder und Jugendliche sollen dort trainieren, Deutsch lernen, Mahlzeiten und Fußballsachen bekommen.

Der Zweitligist Fortuna Düsseldorf bietet den in der Landeshauptstadt untergebrachten Flüchtlingen ein wöchentliches Fußball-Training kostenlos an.

Trikots: Bayern-Defensivspieler Javi Martínez war am Münchner Hauptbahnhof, wo viele Flüchtlinge ankommen. Er verschenkte Bälle und Trikots an Flüchtlinge. Auch das Kleinste helfe, twitterte der spanische Profi der Münchner. Der VfL Bochum verteilte ebenfalls Kleiderspenden in einer Flüchtlingsunterkunft.

Turnhallen: Mitunter ein umstrittener Punkt. Viele Städte funktionieren Turnhallen in Notquartiere um. Die Belegung von Turnhallen als Flüchtlings-Unterkünfte dürfte nur "eine Übergangslösung" sein, hatte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörman, vor kurzem gesagt.

Unterricht: Profisportler trainieren Flüchtlinge. Ein Beispiel ist Olympia-Boxer Artem Harutyunyan, der sich in einem Hamburger Flüchtlingsheim engagiert. Die Eishockey-Spieler von den Eisbären Berlin luden Flüchtlingskinder bereits zum Schlittschuhlaufen ein.

Videobotschaft: Die Fußball-Nationalelf veröffentlichte ein Video, in dem sich Spieler gegen Gewalt und Fremdenhass stellen. Das Video dauert rund 20 Sekunden, mehrere Spieler halten Zettel hoch: Für Fairplay, Weltoffenheit, Hilfsbereitschaft, Respekt und Integration.

mit DPA

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