Keine "Lex Schumacher"

3. August 2009, 15:43 Uhr

Formel-1-Teamchef Frank Williams hat Michael Schumacher seine Zustimmung für eine Testfahrt-Sondergenehmigung im aktuellen Ferrari verweigert. Damit wird Schumi sein Formel-1-Comeback ohne einen einzigen Testkilometer im neuen Ferrari F60 geben müssen. Sein erstes Interview nach dem Horror-Crash hat unterdessen Felipe Massa gegeben.

Schumacher, Ferrari, Testfahrten

Darf lediglich im alten Ferrari testen: Michael Schumacher©

Ausgebremst: Rekordweltmeister Michael Schumacher kann sich nicht wie erhofft im aktuellen Ferrari auf sein Comeback in der Königsklasse vorbereiten. Das britische Williams-Team, für das Landsmann Nico Rosberg startet, hat sein Veto eingelegt. "Während wir Michael Schumachers Rückkehr in die Formel 1 begrüßen, ist es nun mal Fakt, dass jede Form von Tests in der Saison strikt verboten ist", erklärte Teamchef Sir Frank Williams der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag. "Wir kommentieren das nicht", sagte ein Ferrari-Sprecher der dpa dazu.

Auch bei Toro-Rosso-Neuling Jaime Alguersuari (19 Jahre), der in Ungarn erstmals in einem Formel-1-Rennwagen gefahren ist, habe es keine Ausnahme gegeben. "Williams F1 sieht keinen Unterschied zwischen Alguersuaris und Schumachers Situation und denkt, dass jede Abweichung von der Regel einen Präzedenzfall für die Zukunft schaffen würde", begründete Williams sein "No": "Zum Wohle der Beständigkeit und Fairness lehnen wir daher Ferraris Antrag ab, vor dem Großen Preis von Europa zu testen."

Für eine Ausnahme müssten alle zehn Rennställe Grünes Licht geben. Tests sind in dieser Saison während der Meisterschaft aus Kostengründen untersagt. Im Falle von Alguersuari soll es im Gegensatz zu Ferrari keine offizielle Anfrage an die Teams gegeben haben. Die Scuderia hatte die Rivalen angeschrieben und um eine Sondererlaubnis für Schumacher gebeten.

Die in der Teamvereinigung FOTA zusammengeschlossenen weiteren sieben Rennställe (McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, BrawnGP, Toyota, Renault, Red Bull und Toro Rosso) neben Ferrari hatten indes ihre Bereitschaft signalisiert, Schumacher auch im F60 vor dem Europa-Lauf in Valencia testen zu lassen. Williams und Force India gehören der FOTA nicht mehr an. Welche Position das indische Team bezieht, für das Adrian Sutil fährt, ist offen - nach der klaren Absage von Williams aber auch nicht mehr entscheidend.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hatte sich in aller Deutlichkeit für eine Sondererlaubnis und damit eine "Lex Schumacher" ausgesprochen. "Würde es nach mir gehen, könnte Michael zwei Wochen und nicht nur einen Tag testen. Alle seine Rivalen haben mehr Erfahrung und Kilometer in den neuen Autos", hatte Haug erklärt.

Williams verwies dagegen auf das eindeutige Reglement des Internationalen Automobilverbandes FIA, das von allen Teams eingehalten werden müsse. In einer vergleichbaren Situation - Schumacher soll vom Großen Preis von Europa (23. August) an für den verunglückten Felipe Massa fahren, bis dieser wieder fit ist - würde Williams ohne zu zögern den derzeitigen Testfahrer einsetzen. Bei Ferrari sind dies Luca Badoer und Marc Gené. Die Entscheidung fiel aber auf den 250-maligen Grand-Prix-Teilnehmer (91 Siege) aus Kerpen.

Schumacher muss nun bei seinen weiteren Tests mit einem älteren Modell vorlieb nehmen. So wie am Freitag, als er mit einem F2007 in Mugello erstmals seit April 2008 wieder Runden in einem Formel-1- Rennauto drehte. Wie der Ferrari-Sprecher der dpa mitteilte, sind in dieser Woche keine weiteren Fahrten geplant. Schumacher absolviere aber sein normales Fitness-Programm.

Der siebenmalige Weltmeister will aus Verbundenheit zu Ferrari - mit der Scuderia gewann er von 2000 bis 2004 fünf seiner sieben WM- Fahrertitel - für Massa einspringen. Seinen bis dato letzten Grand Prix bestritt der mittlerweile 40-Jährige am 22. Oktober 2006 in Sao Paulo. Schumacher absolviert derzeit ein detailliertes Vorbereitungsprogramm, um sich in Topform zu bringen - und um von den Ärzten das Okay zu bekommen.

In einem ersten Interview nach seinem schlimmen Crash hat Felipe Massa unterdessen in den höchsten Tönen von seinem Ersatzmann Michael Schumacher geschwärmt. "Er weiß, wie man gewinnt, er weiß, wie man fährt, und er ist großartig: Es war die beste Entscheidung, das Auto einem so fantastischen Menschen zu geben", sagte Massa in einem von Ferrari am Montag veröffentlichten Interview. Seinen Rat habe Schumacher gar nicht nötig. "Er war es, der mir viele Tipps während meiner Karriere gegeben hat, als wir zusammen gefahren sind", erklärte der Formel-1-Pilot.

DPA/kbe

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KOMMENTARE (3 von 3)
 
Knuffiman (04.08.2009, 14:37 Uhr)
na und
er wird wissen, das er an die alten erfolge nicht anknüpfen kann. 1-2 rennen, dann werden wir sehen wie weit er den wagen bringt. ich freu mich auch schon riesig drauf. also top 8 im 2. rennen traue ich ihm zu. vllt. noch besser........
JoeSkeleton (03.08.2009, 18:14 Uhr)
riskant isses allemal
der neue Bolide wird sich wohl auch aufgrund der Regeländerungen in Extremsituationen anders verhalten als die Wagen von vor 3 Jahren.Kanns nicht ganz nachvollziehen,es sei denn der Gute hätte Muffensausen (warum auch immer)...
butcher99 (03.08.2009, 17:10 Uhr)
wenn Jaime Alguersuari
nicht testen durfte, ist es nur Recht und billig, dass Schumi auch nicht testet, was allerdings bei seinen Qualitäten eh Wurst ist, das werden die Kollegen noch bitter erfahren, oder ist das alles nur eine überdimensionale Show, die in Kürze in sich zusammencrashen wird?. Ich bin gespannt.
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