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Auto kracht in deutsches Radteam - Degenkolb meldet sich nach OP

Welch eine Horrorvorstellung: Ein Auto kracht in eine Gruppe Radsportler. In Südspanien passiert es dem deutschen Team Giant-Alpecin. Topstar John Degenkolb und fünf Kollegen werden verletzt. Alle stehen unter Schock.

John Degenkolb (M.) am Hinterrad seines Teamkollegen Nikias Arndt (Archivbild)

"Es geht mir den Umständen entsprechend gut": John Degenkolb (M.), hier bei der Deutschen Straßenradmeisterschaft in Bensheim (Hessen) Ende Juni 2015, hat, nachdem er operiert wurde, leichte Entwarnung gegeben.

Der schwere Unfall bei einer Trainingsausfahrt am Samstag in Spanien hat das deutsche Profi-Radteam Giant-Alpecin erschüttert und Klassikerstar John Degenkolb vorerst außer Gefecht gesetzt. Der 27 Jahre alte Paris-Roubaix-Sieger hatte am Samstag einen Unterarmbruch und Schnittwunden am Oberschenkel, der Lippe und am Unterarm erlitten. Zudem wurde ihm der linke Zeigefinger fast abgerissen. "Er hing nur noch am letzten Zipfel an meiner Hand. An viel kann ich mich nicht erinnern", schrieb Degenkolb auf seiner Internetseite nach seiner Operation unter Vollnarkose. "Es geht mir den Umständen entsprechend gut", meinte der Deutsche, dessen Zeigefinger in einem Krankenhaus in Valencia "wiederhergestellt werden soll".

Aufgrund der vielen Genesungswünsche und Nachrichten will ich mich doch kurz melden. Es geht mir den Umständen...

Posted by John Degenkolb on Samstag, 23. Januar 2016

Auch Landsmann Max Walscheid traf es schlimm: Das 22 Jahre alte Talent erlitt eine Hand- und eine Schienbeinfraktur. Sechs Fahrer wurden in den Unfall verwickelt, als eine Britin aus ungeklärter Ursache mit ihrem Geländewagen auf die Gegenspur fuhr. "Das war ein sehr harter Tag für das Team", erklärte Teamchef Iwan Spekenbrink. "Die Fahrer werden Zeit brauchen, um sich zu erholen."

Degenkolb will im April seinen Titel verteidigen

Im fernen Australien nahm Teamkollege Simon Geschke, derzeit bei der Tour Down Under im Einsatz, die Nachricht mit großer Sorge auf. "Schockierende Neuigkeiten aus Spanien", meinte der Tour-de-France-Etappengewinner. "Ich hoffe, alle werden schnell wieder vollständig gesund, und dass die kommenden Operationen gut verlaufen."

Vor allem für Degenkolb kommen der Unfall und die Folgen zur Unzeit. In zwei Monaten beginnen die Frühjahrsklassiker. Am 10. April will der Frankfurter als Vorjahressieger bei Paris-Roubaix antreten. Erst am Donnerstag hatte er auf dem berüchtigten Kopfsteinpflaster trainiert und sein Namensschild in den Duschen angebracht. "Das gibt mir zusätzliche Motivation für den nächsten Ritt durch die Hölle des Nordens!", hatte der gebürtige Thüringer verkündet.

Zwei Tage später erlebten Degenkolb und seine Kollegen im Süden Spaniens den Alptraum eines jeden Radfahrers. Auf einer schmalen, kurvenreichen Landstraße zwischen den Ortschaften Benigembla und Parcent in der Provinz Alicante passierte es. Die Polizei machte zunächst keine Angaben darüber, was die Unfallverursacherin bei ihrer Vernehmung ausgesagt hat.

Blutende Rennfahrer, demolierte Räder

Informationen, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs war, gab es vorerst auch nicht. "Das Auto hatte nicht mal Zeit zu bremsen", berichtete der Onkel und Agent des ebenfalls verletzten Franzosen Warren Barguil der Zeitung "Le Télegramme". Die Fahrer seien nebeneinander auf ihrer Seite unterwegs gewesen, erklärte der Rennstall in einer Mitteilung.

Den Rettungskräften bot sich ein gruseliges Bild verletzter und blutender Rennfahrer sowie schwer demolierter Rennräder. Der Amerikaner Chad Haga musste mit dem Helikopter in ein Krankenhaus gebracht werden, verletzt wurden außer Barguil auch noch Fredrik Ludvigsson aus Schweden und der Niederländer Ramon Sinkeldam. Jeder in der Mannschaft sei geschockt, erklärte Team-Physiotherapeut Anko Boelens. Ihnen sei aber auch klar: "Wir hatten auch einiges Glück auf unserer Seite."

Degenkolb ist nach dem Abschied von Topsprinter Marcel Kittel der große Hoffnungsträger beim deutschen Rennstall, der sich am 7. Januar in Berlin präsentiert hatte. Auch Ex-Kollege Kittel reagierte betroffen: "Furchtbare Nachrichten von meinen alten Teamkollegen aus Spanien. Ich hoffe wirklich sehr, dass alle, die in den Unfall verwickelt waren, okay sind", schrieb er.

mad/Jens Marx, Robert Semmler, Marc Kalpaidis, DPA
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