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16. Februar 2006, 19:00 Uhr

Triumph für die "Golden Girls"

Die deutschen Eisschnellläuferinnen Anni Friesinger, Claudia Pechstein und Daniela Anschütz-Thoms haben bei der Premiere des olympischen Teamwettbewerbs in Turin Gold erkämpft. Sie bezwangen im Finale das kanadische Trio. Die Belohnung: minutenlanger Beifall der 6000 Fans.

Das Gold-Trio: Daniela Anschütz-Thoms (l), Claudia Pechstein (M) und Anni Friesinger (r)© AP

Anni Friesinger stieß die Fäuste in die Luft, Daniela Anschütz-Thoms war den Tränen nahe, Claudia Pechstein bestieg den Olymp: Der Deutschland-Express ist am Donnerstag in einer sensationellen Tempohatz zu Gold gerast. Dank starker Nerven und enormer Physis gewann das deutsche Damen-Trio das Finale der Mannschafts-Verfolgung gegen Kanada. Mit der Topzeit von 3:01,25 Minuten gehen die "Golden Girls" als erster Olympiasieger über die sechs Runden in die Eisschnelllauf-Annalen ein. Mehr als 20 Meter Vorsprung hatte das Gold-Trio im Ziel vor Kanada (3:02,91).

Pechstein angeschlagen mit Allergie

"Im Moment bin ich einfach überglücklich, ich kann noch gar nicht richtig darüber nachdenken. Ein großes Lob an 'Schützi' - wir sind ein super-geiles Team", jubelte Claudia Pechstein, die sich wegen einer Allergie noch in der Nacht vor dem Rennen übergeben musste. Anni Friesinger konnte nach der Blumen-Zeremonie die Tränen nicht mehr zurückhalten und umarmte ihre Mutter Janina. Die große Anspannung hatte sich endlich gelöst, obwohl die Wahl-Salzburgerin schon kurz nach dem Start ein ganz gutes Gefühl hatte: "Nach der ersten Runde haben wir schon klar geführt."

Mit hoch gereckten Armen ließen sich die Drei auf der Ehrenrunde mit der deutschen Fahne minutenlang von den 6000 Fans im Oval Lingotto von Turin feiern. "Das ist der blanke Wahnsinn", schrie Claudia Pechstein und schlug die Hände vors Gesicht. Für die Berlinerin, die wegen der Allergie leicht gehandicapt in das Rennen gegangen war, bedeutete der Team-Triumph die fünfte Goldmedaille bei Winterspielen. Mit ihrem achten Edelmetall (5/1/2) kletterte die 33- Jährige in der Hierarchie aller Wintersportler auf die fünfte Position und ist nun nach der Russin Lidija Skoblikowa (6/0/0) die erfolgreichste Eisläuferin bei Olympia.

"Mutter" des Erfolgs: Daniela Anschütz-Thoms

Als "Mutter" des großartigen Erfolges aber darf die zwei Jahre jüngere Daniela Anschütz-Thoms gelten. Die Erfurter Weltmeisterin musste als einzige des deutschen Quintetts gleich vier Mal antreten und bewies wie schon bei ihrem sechsten Platz über 3000 Meter enormes Stehvermögen. "Ich wusste, dass ich es drauf habe - ich bin in der Form meines Lebens. Und wenn's sein muss, dann mach ich's eben", sagte die "Schattenfrau" im deutschen Gold-Team. "Es ist sensationell, was sie hier geleistet hat", meinte auch ihr Trainer Stephan Gneupel voller Begeisterung.

Im Halbfinale hatte der Deutschland-Express, der nach dem Gewinn des WM-Titels im Vorjahr und dem Weltrekord von 2:56,04 Minuten im November 2005 als Favorit galt, in 3:02,72 Minuten das russische Trio mit 4,70 Sekunden Vorsprung geradezu deklassiert. Mit hoch gereckten Armen feierte die Deutschen kollektiv den Finaleinzug. Auf der Schlussrunde konnte das Trio ebenso wie Final-Gegner Kanada sogar ein wenig Kräfte sparen. "Die Marschroute hieß schnell angehen und hinten raus wieder etwas Tempo wegnehmen. Das haben die Mädels glänzend gemacht. Sie sind ein Superrennen gelaufen", sagte der verantwortliche Team-Trainer Markus Eicher.

Das Herren-Team der Azzurris eroberte die erste Goldmedaille im Eisschnelllaufen für Italien. In einem dramatischen Finale peitschten die Zuschauer ihre Lieblinge zum Sieg, Kanadas Trio hatte nichts mehr zuzusetzen. Eine Sensation gab es im Halbfinale: Klar in Führung liegend, musste Weltmeister Niederlande die Segel streichen, weil der 5000-Meter-Olympia-Zweite Sven Kramer nach zwei Dritteln des Rennens stürzte und somit den Weg freimachte für einen erneuten Medaillengewinn der Italiener. Die deutschen Herren, die tags zuvor im Viertelfinale trotz ansprechender Zeit knapp an Norwegen gescheitert waren, setzten sich im Kampf um Platz sieben in 3:48,28 Minuten gegen die Japaner durch.

Frank Thomas/DPA

 
 
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