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Stalker-Outing entfacht Facebook-Debatte

Nachdem Hochspringerin Ariane Friedrich den Namen ihres vermeintlichen Stalkers auf Facebook veröffentlicht hat, tobt dort eine hitzige Diskussion.

  Opfer sexueller Belästigung und von Stalkern: Hochsprung-Rekordlerin Ariane Friedrich

Opfer sexueller Belästigung und von Stalkern: Hochsprung-Rekordlerin Ariane Friedrich

Die deutsche Hochsprung-Rekordhalterin Ariane Friedrich hat eine sexuelle Belästigung öffentlich gemacht und will Anzeige erstatten. Auf ihrer Facebook-Seite postete die Frankfurterin die E-Mail eines namentlich genannten Mannes, der ihr ein Foto seines Geschlechtsteils angeboten hat. "Ich wurde in der Vergangenheit beleidigt, sexuell belästigt, und einen Stalker hatte ich auch schon", schrieb die 28-Jährige am Samstag zu ihrer ungewöhnlichen Aktion. "Es ist Zeit zu handeln, es ist Zeit, mich zu wehren. Und das tue ich. Nicht mehr und nicht weniger."

Sie sei nicht mehr bereit, sich "doppelt zum Opfer zu machen und stets zu schweigen. Ich bin es schlicht leid", begründete Ariane Friedrich das Verlassen der Anonymität. "Es gibt einfach einen Punkt, an dem Schluss ist." Es sei ein großer Schritt, so etwas öffentlich zu machen, "aber es ist nicht das erste Mal, dass mich persönlich so eine E-Mail erreicht".

Bei Facebook nannte die Polizeikommissarin sogar Vornamen, Nachnamen und den Wohnort des Mannes. Dieses "Herausnehmen aus der Anonymität ist meines Erachtens ein Mittel, um zu verdeutlichen, dass ich bereit bin, aktiv zu handeln". Es sei ein großer Schritt, "solch eine unverschämte E-Mail öffentlich zu machen".

Viel Zuspruch, aber auch Kritik

Auf ihrer Facebook-Seite erhielt die Hallen-Europameisterin von 2009 viel Zuspruch für ihre "mutige" Aktion - aber auch Kritik. Özsoy Özturks Kommentar zielt auf die gesellschaftliche Stellung der Leichtathletin ab: "Als Sportlerin von Weltklasse und Repräsentantin Deutschlands bei internationalen Wettkämpfen haben Sie unstrittig eine Vorbildfunktion. Doch in diesem Fall sind Sie dieser Aufgabe nicht gerecht geworden." Torsten Gallus sieht die Gefahr der Nachahmung: „In der Folge wäre das aber doch das Halali für jeden, der dem Nebenbuhler, unfreundlichen Nachbarn oder dem früher beförderten Kollegen eine Watschen erteilen möchte (…)Es wird ja nicht einmal wirklich hinterfragt, sondern gleich geschossen. Man kann dieses System eben auch sehr einfach missbrauchen und die Pawlowschen Reflexe vieler Nutzer für seine eigenen verschrobenen Ziele nutzen."

Und während Christoph Proft den Hut vor Ariane Friedrich zieht – "Das ist genau die Reaktion, die solche Leute brauchen! Châpeau!" – kommentiert Facebook-Mitglied Daniel Sturm ironisch: „Muss ich jetzt nach Allendorf/Hessen oder Allendorf/Sauerland? In beiden Orten lebt ein Thorsten D.! Welchen von beiden darf ich denn jetzt mit Verachtung strafen?" Der Beschuldigte selbst wollte auf Nachfrage von stern.de keinen Kommentar abgeben: "Ich werde die Angelegenheit mit ihrem Trainer Eisinger persönlich klären."

"Können keine Stressfaktoren gebrauchen"

Ihr Manager und Trainer Günter Eisinger dazu: "Das Thema hat nichts mit der Öffentlichkeit zu tun." Eisinger befürchtet, dass sich der Vorfall störend auf die Olympia-Vorbereitung seiner Athletin auswirkt.

Zuletzt war das Erfolgsduo 17 Tage lang im Trainingslager in Pretoria/Südafrika. "Das Training läuft wunderbar, aber Ariane muss das erst wieder umsetzen und den Kopf frei haben", meinte Sportlehrer Eisinger. "Wir können keine Stressfaktoren gebrauchen." Nach einem Achillessehnenriss feierte die 2,06-Meter-Springerin nach langer Zwangspause erst in dieser Hallensaison ihr Comeback, hatte aber noch Mühe, Anschluss an die Weltklasse zu finden.

Ingo Scheel, mit Agenturen
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