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Pitbulls mit Elektroschocks getötet

Seit Wochen erschüttert der Skandal um einen der populärsten US-Sportler die amerikanische Öffentlichkeit. Michael Vick, Star-Quarterback der Atlanta Falcons, hat illegale Hundekämpfe austragen lassen und selber Pitbulls bestialisch getötet. Dafür soll er jetzt ins Gefängnis.

Von Klaus Bellstedt

Keine Sportart genießt in den USA mehr Popularität als Football. Knapp eine Woche vor dem Start in die neue Saison der National Football League (NFL) am kommenden Donnerstag sind die Sportseiten der Zeitungen voll von Berichten über die so genannten Preseason-Games, den Vorbereitungsspielen. Die Amerikaner sind geradezu verrückt nach ihrem Volkssport Nummer 1.

Jeder sportbegeisterte Haushalt hat mindestens ein Lieblingsteam. Die Helden dieses actiongeladenen und mitreißenden Sports heißen Peyton Manning, Tom Brady oder Michael Vick. Drüben kennt jedes Kind ihre Namen. Was den Bekanntheitsgrad betrifft, kann man die harten US-Boys in Deutschland ohne weiteres mit Michael Ballack, Torsten Frings oder Marcelinho vergleichen.

Manning und Co. sind in ihren Teams die Spielmacher, die Quarterbacks. Sie sind die Denker und Lenker und entscheiden mit ihren zentimetergenauen Pässen die Matches. Einer von ihnen, Michael Vick, muss jetzt den Gang ins Gefängnis antreten. Das Hirn der Atlanta Falcons hat am Montag zugegeben, illegale Hundekämpfe finanziert und "sechs bis acht Tiere", die ungeeignet für die Kämpfe waren, getötet zu haben.

Erdrosselt, ertränkt, erschossen

Es ist ein ungeheuerlicher Skandal, der die amerikanische Öffentlichkeit bereits seit April in Atem hält. Eher durch Zufall wurde damals Vicks Verstrickung in die Kampfhund-Szene aufgedeckt. Wegen Drogen-Verdachts gegen den Cousin Vicks durchsuchten Beamte auch das Anwesen des Quarterbacks im ländlichen Surrey County im Bundesstaat Virginia. Bei der Razzia entdeckten die Polizei Dutzende, teilweise schwer verletzte Kampfhunde und Ausrüstung, die üblicherweise bei Hundekämpfen verwendet wird.

Die kurz daraufhin von der Staatsanwaltschaft in Virginia verfasste Anklageschrift gegen Michael Vick und drei weiterer Mitstreiter liest sich noch heute wie eine Horrorliste voller Abscheulichkeiten. Viele Hunde seien mit brutalen Misshandlungen, Drogen und Nahrungsentzug zu aggressiven Kampfmaschinen abgerichtet worden, heißt es da. Mindestens acht Verlierer der Hundekämpfe sollen erdrosselt, ertränkt, erschossen oder mit Elektroschocks getötet worden sein. Die vier Männer sollen die Hunde illegal über Staatsgrenzen hinweg transportiert und einen lebhaften Wettbetrieb in Gang gehalten haben.

Mindestens ein Jahr Gefängnis

Der farbige Superstar der Falcons, der zu den besten und beliebtesten Quarterbacks der Liga gehört, stritt im Gegensatz zu seinen Mitstreitern bis zuletzt jegliche Verwicklung in den Hundekampf-Skandal ab. Aber unter dem Druck der tierverrückten amerikanischen Öffentlichkeit knickte Michael Vick schließlich am Montagmittag vor einem Gericht in Richmond im US-Bundesstaat Virginia ein, nachdem er bereits am Freitag ein Schuldeingeständnis unterschrieben hatte. Über sechs Jahre, so Vick, habe er mit drei weiteren Personen Hundekämpfe organisiert und Pitbulls gezielt abgerichtet.

"Ich möchte mich für all das entschuldigen, was ich getan habe. Ich übernehme für alles die volle Verantwortung", sagte der 27-Jährige. "Hundekämpfe sind eine scheußliche Sache, etwas Verwerfliches", so Vick, dem eine Gefängnis-Strafe zwischen zwölf Monaten und fünf Jahren droht. Das Urteil soll am 10. Dezember gesprochen werden. Experten gehen davon aus, dass Michael Vick mindestens ein Jahr ins Gefängnis muss. Seine abgerichteten Pitbulls werden bald eingeschläfert.

Zukunft ungewiss

Von der NFL wurde Vick mittlerweile auf unbestimmte Zeit suspendiert. Zudem sicherte NFL-Boss Roger Goodell den Atlanta Falcons zu, gegen Vick, der 2004 einen Zehn-Jahres-Vertrag über 130 Millionen Dollar unterschrieb, Schadensersatzansprüche in Höhe von 22 Millionen Dollar geltend machen zu können. Sportausrüster Nike hat bereits alle Fan-Artikel des Quarterbacks vom Markt genommen. Sein Trikot mit der Nummer 7 war das meistverkaufte in der Club-Geschichte. Wie der Sportkabel-Sender ESPN meldete, könnte der Skandal den Football-Star bis zu 100 Millionen Dollar kosten.

Ob Michael Vick seine Falcons jemals wieder auf den Rasen des Georgia-Domes führen wird, steht weiter in den Sternen. Die Bosse seines Teams distanzieren sich zum jetzigen Zeitpunkt zwar strikt vom Verhalten ihres Superstars, dennoch scheint die Tür für Michael Vick immer noch einen Spalt geöffnet zu sein. "Ihn rauszuschmeißen wäre für die Gefühlslage unserer Fans bestimmt richtig, rein wirtschaftlich indes könnte eine Trennung für uns fatale Folgen haben", sagt der Club-Boss der Falcons, Arthur Blank.

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