19. Januar 2004, 10:03 Uhr

Der Kampf der starken Frauen

Sie schlagen sich mit gleichen Vorurteilen herum, dabei haben sie im Fußball und Boxen alles gewonnen - selbst den Respekt vieler Männer. Birgit Prinz und Regina Halmich über Klischee, Kinder und den langen Weg zum Ruhm.

Wer ist die Stärkste im ganzen Land? Weltfussballerin Birgit Prinz, 26, (li) und Boxweltmeisterin Regina Halmich, 27, (re)©

Das Interview mit Fussballweltmeisterin Birgit Prinz und Boxweltmeisterin Regina Halmich führten die stern-Redakteure Rüdiger Barth und Rainer Leurs

Frau Halmich, saßen Sie bei der Frauenfußball-WM jubelnd vor dem Fernseher?

HALMICH: Klar. Ich weiß doch, dass es die Fußballerinnen genauso schwer haben wie ich im Boxen. Ich habe mich gefreut, weil man gesehen hat: Da sind Frauen auf dem Platz, die kämpfen noch wirklich um Anerkennung. Die kicken, weil sie Freude daran haben. Natürlich auch, weil sie mit ihrem Beruf Geld verdienen wollen.
PRINZ: Das Problem ist: Bei den meisten ist es nicht der Beruf.
HALMICH: Das find ich wirklich knallhart. Dass die nicht davon leben können, das ist der Hammer.
PRINZ: Im Moment ist es so, dass wir fast nur die negativen Seiten des Ruhmes spüren. Wir werden dauernd erkannt, wir werden angequatscht. Sicher könnte ich zurzeit vom Fußball leben. Aber eine Zukunft aufbauen kann ich mir damit nicht.

Dabei sind Sie doch in aller Munde: Weltmeisterin, Weltfußballerin des Jahres - und dann kam auch noch das Angebot des italienischen Männerklubs AC Perugia.

HALMICH: Ich wusste, dass sie nicht zusagt. Ich hatte das im Gefühl.

Warum?

HALMICH: Es ist eine große Ehre, wenn man bei den Männern mitspielen soll. Es schmeichelt einem auch. Aber ich glaube, dass Birgit nur in einer Frauenmannschaft richtig glänzen kann.

Frau Prinz, Sie haben aber lange gezögert, ehe sie abgelehnt haben.

PRINZ: Es war finanziell einfach eine ganz andere Dimension, als ich sie je im Frauenfußball erreichen werde. Das ist ein Faktor, über den jeder nachdenken würde. Aber die Olympia-Vorbereitung steht an. Und in Perugia hätte ich höchstens mal kurz gespielt.

Bedeutet das: In Zukunft würden Sie ein solches Angebot annehmen?

PRINZ: Durchaus, ja. Also, wenn ich 32 wäre, dann hätte ich das bestimmt gemacht.
HALMICH: Aber es ist schon traurig, dass man überhaupt solche Überlegungen anstellen muss. Ich bin der Meinung, dass die Summen, die Männer und Frauen verdienen, zu weit auseinander klaffen. Das handelt sich ja nicht um eine Null. Das sind ja mehrere Nullen, und das kann nicht sein. Die Mädels müssen auch mit ihrem Sport aussorgen können.

Haben Sie denn ausgesorgt?

HALMICH: Nein. Ich verdiene gutes Geld, dafür musste ich immerhin auch acht Jahre boxen. Ich habe lange einen WM-Kampf nach dem anderen bestritten, die wurden vom DSF gezeigt - es hat kaum einen interessiert.

Unser Eindruck ist, dass der Show-Kampf gegen Stefan Raab der Wendepunkt in Ihrer Karriere war. Plötzlich merkten viele: Die kann ja wirklich boxen.

HALMICH: Ja, so traurig, wie das ist. Ich bin nie davon ausgegangen, dass das so große Wellen schlägt.
PRINZ: Ich fand das richtig klasse.
HALMICH: Da saßen auf einmal Leute vorm Fernseher, die sich normalerweise überhaupt kein Boxen anschauen. Und jetzt zeigt das ZDF meine Kämpfe.

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