30. Mai 2007, 08:12 Uhr

Ullrich droht Goldverlust

Nach der Geständnis-Lawine im Radsport hat das IOC eine Disziplinar-Kommission ins Leben gerufen, die Doping-Verstöße bei zurückliegenden Olympischen Spielen untersuchen soll - möglicherweise mit fatalen Folgen für den immer noch schweigenden Jan Ullrich.

Ihm droht der Verlust seiner Goldmedaille von Sydney: Jan Ullrich©

Unter dem Vorsitz des Schweizers Denis Oswald will das Gremium auch die Verwicklung von Medizinern der Freiburger Universitätsklinik in den Skandal um das ehemalige Team Telekom prüfen. In erster Linie geht es aber natürlich um die Fahrer selbt. Sollte der Toursieger von 1997, Jan Ullrich, der Manipulation auf olympischem Territorium überführt werden, würden ihm der Sieg im Straßenrennen von Sydney 2000 sowie die dort gewonnene Silbermedaille im Zeitfahren aberkannt. Gleiches gilt für seine damaligen Telekom-Kollegen Alexander Winokurow (Kasachstan) und Andreas Klöden, die im Straßenrennen Silber und Bronze holten. "Wir werden natürlich kooperieren und alle wichtigen Informationen zur Verfügung stellen", sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Deutschen Presse Agentur dpa, "das ist der richtige Schritt."

Nach den Doping-Enthüllungen der vergangenen Wochen hat sich unterdessen auch das Bundeskabinett mit dem Thema befasst. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich bestürzt über den Einsatz illegaler Mittel im Radsport gezeigt und alle Doping-Sünder aufgefordert, reinen Tisch zu machen.

Ein aktueller Gesetzentwurf der zur Diskussion steht, sieht verschärfte Strafen für banden- und gewerbsmäßiges Doping vor. Die Bundesregierung muss sich zunächst mit der Stellungnahme des Bundesrates dazu befassen. Die Länder wollen unter anderem auch die grenzüberschreitende Einfuhr von Arzneimitteln zu Dopingzwecken bestrafen. Außerdem fordern sie die Einführung der Kronzeugenregelung für Dopingdelikte. Bayern will darüber hinaus noch einen Straftatbestand Sportbetrug.

Regelung auch für bandenmäßiges Doping

Nach den eingestandenen Dopingfällen im Radsport will auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dafür die Kronzeugenregelung anwenden. Das Bundeskabinett hat erst vor kurzem den Gesetzentwurf für eine neue Kronzeugenregelung auf den Weg gebracht. Der Entwurf gilt auch für bandenmäßiges Doping. Rein gesetzestechnisch wäre es auch möglich, im Laufe der parlamentarischen Beratungen in das Doping-Gesetz eine spezifische Kronzeugenregelung einzufügen.

Der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, hat nach den jüngsten Geständnissen eine rücksichtslose Aufklärung angekündigt. "Es wird ohne Rücksicht auf Namen und Ansehen der Personen aufgedeckt und nichts vertuscht. Alle Fakten müssen auf den Tisch", sagte er in Garmisch-Partenkirchen.

Nach Ansicht von Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, werde weiterhin gedopt. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte er, dass er jedoch gegen eine Generalverdächtigung aller Hochleistungssportler sei "Ich bin mir sicher: die Mehrzahl der Sportlerinnen und Sportler ist sauber". Zugleich widersprach Vesper energisch der Auffassung, DDR-Doping und damals in Westdeutschland betriebenes Doping seien vom System her zu vergleichen. Von dem heute im Bundeskabinett diskutierten neuen Anti-Doping-Gesetz in Verbindung mit Korrekturen beim Arzneimittelgesetz verspricht sich der Sportfunktionär eine große Hilfe für den Sport bei der Selbstreinigung. "Wir können des Dopings nur im Schulterschluss zwischen Sport und Staat mit einer abgestimmten Arbeitsteilung Herr werden. Beide, der Sport wie der Staat, wären allein überfordert. Der Staat muss helfen, an die Hintermänner und an deren Netzwerke heranzukommen."

Sportler sowohl Opfer als auch Täter

Sportler selbst seien auch Opfer des Doping, aber sie seien "auch Täter". Denn "ohne ihre Zustimmung, ohne ihre aktive Mitwirkung geht das einfach nicht." Ganz entschieden widersprach Vesper der Forderung nach einer unmittelbaren Amnestie in Verbindung mit Doping-Aussagen von Betroffenen. "Amnestie vor Aufklärung wäre nichts anderes als ein Freibrief." Es sei "doch absurd, dass manche von denen, die sich zu den größten Dopingbekämpfern zählen, jetzt als erstes den Betroffenen die Möglichkeit geben wollen, sich freizukaufen", so Vesper.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Louyi (31.05.2007, 09:24 Uhr)
Ulrich droht Goldverlust
Trotz ziemlich eindeutiger Beweise - eins muss man Jan Ulrich lassen, er ist ein hartnäckiger Bursche, schwimmt immer (noch) gegen den (Doping)Strom. Denn eindeutig bewiesen ist ihm scheinbar noch nicht viel. Natürlich, man kann ihn verstehen, er zählt zu den Sportler- VIPs die am meisten zu verlieren haben. Alleine schon schon die Summe von 11000 Euro am Tag -lt. Infos ! )inkl. seiner Goldmedaille und andere Titel. Die tut allerdings nur dem Ego weh, weich fällt er trotzdem.Ich glaube nicht, sollte er wirklich wegen Doping überführt werden können, dass irgend jemand - ob Telekom oder der Staat als Förderer ein Euro von ihm zurückerhält. Den Bonus hat er sicherlich.
Und übrigens:
Wieviele Superpromis oder die es sein wollen, ob Sportler ,(egal in welcher Sportart), Trainer, Politiker, Manager, Wirtschaftboss, Filmstar, uuu.- die Liste wäre sehr lang - haben nicht irgendwelche "Leichen im Keller"? Die allermeisten aus dieser Kategorie von Menschen sind offensichtlich einfach anfällig für unsaubere "Geschäfte".Trotzdem haben sie mit diesem ihrem schäbigen, letztendlich schon kriminellen Verhalten (Betrug) sehr gut (im Luxus) leben können. Das nimmt ihnen niemand mehr weg, das zählt scheinbar mehr. Schlechtes Gewissen inklusive Tränen (ala Zabel) Hin oder Her. Man kann darüber denken wie man will, eins ist feststellbar, alle haben zugeschaut, nicht wenige mit den Händen vor den Augen.
Wenn etwas öffentlich wird - ob Doping, Manipulationen, Geldwäsche, Korruption, Callgirls,oder Verschwendung von Steuergeldern,ect. ist das Geschrei in den Medien groß. Aber, man stellt fest und staunt einfach - die "Betroffenen" fallen immer wieder geschickt auf die Füsse. Oder ihre Schäfchen sind schon längst im Trockenen. Das ist ein weiteres Geschick was andere nicht haben. In unserer Zeit scheinbar jedoch genau das funktionierende System des angenehmen (über)Lebens ist. Leider.
Mir wird schlecht.
DickBush (30.05.2007, 22:53 Uhr)
Der ehemals große Jan Ulrich...
Was für eine unglaubliche Riesenenttäuschung!
heiner5362 (30.05.2007, 21:38 Uhr)
allein
die knete regiert.
entscheidend ist was hinten rauskommt
O-Ton H. Kohl und der weiss es ganz genau, schreiber hängt immer noch in kanada fest.
schäuble im stuhl und pfahls ham se ausgeliefert
SAUBERE VOLKSVERTRETUNG.
heiner5362 (30.05.2007, 21:10 Uhr)
der papst
holt sich auch einen runter,
deswegen sein grinsen.
NA UND ???
Beschiss gibt es auch bei 9 Live und jeder Idiot mit Telefon...
tagora-sagittara (30.05.2007, 09:44 Uhr)
Da tun sich unsere Sportler,...
genau so wenig wie die Politiker dieses Landes,...lügen, betrügen,...und bei unseren Politikern kommen da noch einige Sünden hinzu,...also bitteschön, haltet den Ball mal schön flach...
dumiok (30.05.2007, 09:11 Uhr)
Doping
Warum mischt sich hier die Politik ein? Wenn sie es so wollen, dann laßt die Sportler dopen. Das sollten die Sportverbände unter sich ausmachen. Sport ist die schönste Nebensache der Welt. Waum diese Aufregung.
MEHR ZUM ARTIKEL
Doping-Affäre Zabel fährt weiter für Milram

Trotz Doping-Beichte kann die Galionsfigur des deutschen Profiradsports, Erik Zabek, weiter für seinen Rennstall Milram fahren. Das entschieden die Verantwortlichen bei einem siebenstündigen Krisengipfel. Zabels Nominierung für die Straßen-WM im September ist jedoch noch fraglich.

Doping-Skandal Schenk belastet weiteren Freiburger Arzt

Nach stern.de-Informationen wirft die ehemalige Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer Sylvia Schenk dem Freiburger Arzt Olaf Schumacher vor, an der Vertuschung eines möglichen Dopingfalls beteiligt gewesen zu sein. Auch innerhalb des BDR gebe es Mitwisser.

Ex-Telekom-Betreuer Jef D'Hont Doch nicht selbst gespritzt?

Verwirrung um den ehemaligen Betreuer des Teams Telekom. Nachdem Jef D'Hont in einem Zeitungsinterview behauptet hatte, Jan Ullrich persönlich das Blutdoping-Mittel Epo gespritzt zu haben, dementiert der Belgier im Radio nun seine Aussagen. Ullrich selbst hüllt sich weiter in Schweigen.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (21/2013)
Geht's jetzt an mein Geld?