stern.de für unterwegs
. .
Sport aus aller Welt
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

 
19. Dezember 2008, 12:57 Uhr

Sieben Runden Langeweile

Was für eine Farce! Wladimir Klitschko bleibt Schwergewichts-Champion, und darf sich eigentlich nicht freuen. Denn sein Gegner Hashim Rahman war nur eine Marionette - träge und kraftlos. Klitschko braucht endlich einen ernstzunehmenden Gegner. Von Jens Fischer, Mannheim

Zoom
Boxen, Klitschko, Hashim Rahman, Mannheim

Vladimir Klitschko (re.) hatte mich Hashim Rahman ein leichtes Spiel. Der Amerikaner war ein leichter Gegner© Daniel Maurer/AP

Also, doch wieder die Mannheimer SAP-Arena. Ausfahrt Neckarau taucht sie auf, diese blau illuminierte Halle mit ihren 13.000 Menschen Fassungsvermögen. Die SAP-Arena hatte er sich bereits zum dritten Male ausgesucht, der Doktor aus der Ukraine; der jüngere der beiden Klitsckos, Vladimir, Schwergewichts-Champion in den drei Verbänden IBO, WBO und IBF.

Auf das einmalige Publikum freue er sich, auf den Sachverstand und die Begeisterungsfähigkeit, erzählte Klitschko vor dem Fight gegen Herausforderer Hashim Rahman, einem Amerikaner, mit seinen 36 Jahren nicht mehr der Frischeste und wie sich schnell herausstellen sollte, eines dieser Früchtchen, die gerne schnell zu Boden fallen. In Runde sechs sackte der phlegmatische Rahman in sich zusammen, in Runde sieben wurde der ungleiche Fight abgebrochen. Das Trauerspiel hatte ein Ende, es war letztlich eine Farce.

Mehr Show als Sport

Dabei gab Klitschkos Haus- und Hofsender RTL alles, um den Zuschauern in der Arena ein unvergessliches Spektakel zu bieten. Michael Mendl, zugegeben ein begnadeter Schauspieler – aber an diesem Abend fehl am Platze - hielt einen dramatischen Monolog über Leben und Wirken eines Boxers, Tenöre schmetterten einen ABBA-Klassiker. Überflüssig, aber vielleicht wussten die TV-Macher da bereits, dass der nachfolgende Kampf keinen der anwesenden Zuschauer befriedigen würde können.

Klitschko bleibt IBF-Weltmeister und das nach einer Vorstellung, bei der er trotz des sicheren Erfolges nicht immer überzeugend wirkte. Seine kurzen linken Geraden zermürbten zwar Rahman, dennoch wirkten die Aktionen Klitschkos ängstlich, oftmals bieder und nur wenig durchschlagskräftig. Keiner wusste so recht, auf was er wartete, denn von Rahman ging wirklich keinerlei Gefahr aus. In der ersten Runde spielte der ehemalige Champion das zahnlose geduckte Raubtier, in Runde zwei ließ er sich wie auf Drogen in den Ringseilen gemütlich verdreschen, und was in den restlichen fünf Runden folgte, hatte mit Boxen nicht mehr viel zu tun. Rahman war kein Maßstab – und eine Beleidigung für die Fans, die für dieses lächerliche Schauspiel viel Geld bezahlten.

Es geht nur ums Geld

Bereits während der ersten Runde hatte Rahmans Trainer das weiße Kapitulations-Handtuch bereit gelegt, am Ring hatte man den Eindruck, für die müde Ami-Truppe ging es heute nur ums Abkassieren. Dabei war doch alles fein gerichtet und alle waren sie gekommen.

Medien-Prominenz wie Ernst Huberty oder die unvermeidliche Frauke Ludowig, Milieu-Größen wie der kultige Kalle Schwensen, aber auch einige, die sich mit dem Geschehen im Ringgeviert auskennen, Experten eben. Da saß zum Beispiel ein Luan Kransiqi - und für das amerikanische Box-Pay-TV HBO kam sogar die Legende Lennox Lewis über den großen Teich. Wie er da stand im feinen Zwirn, hünenhaft, dennoch elegant und eloquent – man könnte meinen, der nächste US-Präsident wäre nicht gerade erst gefunden worden. Dabei wird spekuliert, ob Lewis nicht noch einmal ein Comeback wagt.

Null Feuer

"x-plosive", also feurig, gefährlich und atemberaubend sollte sie werden, die Titelverteidigung des amtierenden Schwergewichts-Champions Wladimir Klitschko. Das hatten sie Veranstalter zumindest mit dicken Buchstaben auf Plakate und Kampfhefte gepinselt. Was übrig blieb war der Abklatsch eines Boxkampfes. "Dr. Steelhammer" konnte nicht verlieren.

Stellt sich die Frage: Warum tut sich der Ukrainer das immer wieder an? Warum setzt er seine Glaubwürdigkeit als Boxer aufs Spiel, indem er das Schwergewichts-Altersheim niederschlägt? Chris Byrd (38), Ray Austin (38), Lamon Brewster (35), Tony Thompson (37) und jetzt Rahman (35) waren seine letzten Pseudo-Rivalen. Klitschko braucht jetzt einen starken Gegner, so darf es für ihn nicht weitergehen.

"Die großen Kämpfe werden kommen", war sich Klitschko vor seiner Titelverteidigung sicher. "Ich habe meine beste Zeit noch vor mir." Dann nutze sie, möchte man ihm zurufen. Der Riese Nicolai Valuev, der wiedergenesene Ruslan Chagaev oder der Brite David Haye stünden bereit. Oder einer der jungen ehrgeizigen Russen, die zumindest konditionell Klitschko alles abverlangen würden. Wie ein Alexander Dimitrenko aus dem Universum-Stall mit Klitschkos Ex-Trainer Fritz Sdunek oder eben der am Samstag ursprünglich vorgesehene Sauerland-Fighter Alexander Povetkin, dem Experten vieles zutrauen.

Pfiffe ohne Ende

Am Ende aber standen die beiden Klitschkos nach dem bizarren Sieg wieder einmal im Ring und beantworteten fleißig die Fragen von RTL-Model-Journalist Kai Ebel. "Ein starker Gegner", meinte da alles Ernstes der ältere Vitali und erntete dafür gellende Pfiffe. Und Vladimir sprach seinem Punching-Ball Rahman sogar ein Lob aus. Peinlich.

Der untrainierte Ami stand derweil immer noch im Ring, zerbeult und ausdruckslos. Schlief er denn schon wieder? Oder träumte er am Ende doch nur von seiner Millionen-Gage, die er sich ergaunert hatte? Erboxt hatte er sie sich nicht, das wussten an diesem langweiligen Mannheimer Abend wirklich alle.

Von Jens Fischer, Mannheim
KOMMENTARE (10 von 15)
 
16PS (15.12.2008, 13:25 Uhr)
Sauerland
@Dudu: Das ist doch alles eins. Auch Sauerland hat Angst um seinen Powetkin. Was hat der zugegebenermaßen begabte Powetkin schon erreicht, seit er Profi bei Sauerland ist? Siehe Homepage: "Größter Erfolg: Pflichtherausforderer um die IBF-WM". Deshalb ist das Schwergewicht ja so erstarrt und unattraktiv. Da schaulaufen nebeneinander her die angeblich Besten und schlagen sich mit technisch minderbemittelten Herausforderern herum. Was passiert denn, wenn Powetkin gegen Klitschko verliert? Dann ist sein schöner Kampfrekord 16 Kämpfe, 16 Siege, 12 K.o. nichts mehr wert. Viel besser: Wenn es hart kommt Verletzung vortäuschen und weiter behaupten, dass man selbst natürlich der Beste ist. Ich gebe den Klitschkos nicht die Schuld daran, dass sie ihre beste Zeit vertan haben, sondern Universum. Auch Luan Krasniqi hat in seinen besten Jahren in London nur Nebenrollen bekommen. Die Promoter müssen umdenken. Wer es im besten Alter nicht schafft, der schafft es auch mit 35, 40 oder 50 nicht.
Dudu (15.12.2008, 10:30 Uhr)
Fallobstboxer?
Was kann Klitschko dafür, wenn der Sauerlandstall seinen Boxer wegen einer angeblichen Verletzung zurück zieht? Bei den Sauerländern auch nicht zum ersten mal. Verletzt oder doch Angst?
16PS (15.12.2008, 09:28 Uhr)
Schwergewicht ist ausgeknockt
Natürlich hat Jens Fischer recht, dass der Klitschko-Kampf eine Farce war. Doch warum fordert er einen Kampf gegen Walujew, wenn er sich über das Box-Altersheim beschwert? Walujew ist 35! Übrigens: Die Klitschkos boxen schon ihr ganzes Profi-Leben lang Fallobst. Als sie im besten Alter waren, hat sie Universum mit K.o.-Rekorden ausstatten wollen. Ich erinnere mich noch gut an Kämpfe wie z.B. in Offenburg, als Witali gegen einen bewegungsunfähigen Mexikaner mit den Hosenbund überlappenden Speckrollen einen K.o. in der ersten Runde "feiern" durfte. Damals hatte Klaus-Peter Kohl Angst, dass seine Klitschkos kaputtgehen könnten, wenn sie gegen einen der damals tatsächlich noch starken Schwergewichtler hätten antreten müssen. Heute sind die Schwachstellen der beiden Ukrainer lange deutlich geworden, und speziell Witali hat nicht einen einzigen wirklich großen Kampf abgeliefert. Ich persönlich finde das schade, denn vor zehn Jahren hätte er eventuell wirklich einer der ganz Großen werden können. So aber erleben wir, dass das Schwergewicht mit zweifelhaften Comebacks von 41- (Riddick Bowe) und 46-Jährigen (Holyfield) kaum noch zu unterschieden ist von einer Kirmes.
albundy69 (14.12.2008, 15:23 Uhr)
jens fischer for the wold
jens fischer aus stuttgart, das war gestern. jens fischer aus peking, das war vorgestern.....und heute "jens fischer aus mannheim"..........geplant ist jens fischer aus berlin, aus osaka, aus newdehli aus santiago...JENS FOR THE WORLD !!!!!!!!!!!!!!!!!
Aquarius2 (14.12.2008, 13:10 Uhr)
Money, Money, Money,
das ist es, was zählt.
Wer glaubt denn solchen Quatsch, dass ein Profi-Boxer alles nur für seine Fans in einer bestimmten Stadt oder Sportarena tut?
Der Profi-Sportler muss dafür sorgen, dass in möglichst kurzer Zeit mit möglichst wenig Anstrengung möglichst viel Geld rüberkommt.
Andere Finanzjongleure haben dafür Maßstäbe gesetzt.
Und wenn es funktioniert, warum nicht?
Wer weiß schon, was morgen ist.
Heute fließt die Kohle.
faustjucken_de (14.12.2008, 12:19 Uhr)
die Hochzeit des Schwergewichts-Boxen war 65-85
Danach war/ist Feieerabend.
Wer wirklich gute Kämpfe schauen will, sollte lieber beim Mittelgewicht aufhören.
Taterige Opas verhauen ist keine Heldentat. Und die dominierenden russischen, käsegesichtigen Boxer gehen mir auch nur noch auf die Nerven.
Ich wünsche mir einen neuen Tyson, der nicht viel labert, hungrig ist, reinrennt und diese Lahmärsche einfach auf die Bretter schickt.
misantro (14.12.2008, 12:14 Uhr)
Kohle
Ich glaube, ein großes Problem bei der Motivation der Boxer ist die hohe Gange im Falle einer Niederlage. Für das Geld stelle ich mich auch in den Ring und ich bin mir sicher, dass meine Vorstellung nicht viel schlechter wäre.
Also hier mein Angebot an die Promoter:
40 Jahre
165cm
66kg
;)
h-p-t (14.12.2008, 10:26 Uhr)
wollte mir etwas luft machen...
....aber in den posts die bisher geschrieben wurden ist schon alles gesagt...
auch ich werde mir keine dieser "rtl werbekampagnen" mehr ansehen, geschweige denn einen klitschko kampf gegen "ring-opa´s".
Gonomic (14.12.2008, 10:21 Uhr)
Nicht nachvollziehbar...
...das es immer noch so viele Leute gibt die RTL und den Klitschko Brüdern das Geld nur so in Rachen schmeißen, um sich dann später zu wundern, das der Kampf wieder mal nicht das geboten hat, was erwartet wurde. Boxen, vor allem wenn die Klitschkos kämpfen, ist nichts anderes als Show. Genau wie beim Wrestling ist von vorne bis hinten alles inszeniert. Die Gegner sind nicht mehr als Witzfiguren, die mit einer lächerlich hohen Kampfbörse für ihren "Einsatz" "belohnt" werden. Die ganze Sendung wird künstlich aufgebläht und besteht zu 70% eigentlich nur aus Werbung.
Wer Spaß daran hat, ok, aber beschweren darf man sich dann später nicht, das das alles ja wieder mal mit Boxen nichts zu tun hatte.
Ich werde auch weiterhin die Klitschko Showtruppe boykottieren und ich hoffe, das zukünftigt noch viel mehr Leute das tun werden.
Als nächsten Gegner würde ich Jopie Heesters oder Stefan Raab vorschlagen.
Hans-Helge-Hansen (14.12.2008, 10:15 Uhr)
Lange Weile und "RTL"-Ärger
sind das Fazit dieses Kampfes und man
kann nur den treffenden Bericht unterschreiben.
Für mich ist ein weiteres Ärgernis
die Übertragung durch RTL, denn die
permanente Werbung in den Ringpausen
zerstört das Geschehen.
Ich werde mir keine weiteren Box-
Kämpfe auf RTL oder sonstigen Werbe-
sendern ansehen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Klitschko vs. Rahman Seniorenboxen mit Vladimir

Was kann Vladimir Klitschko wirklich? Am Samstag gegen den abgehalfterten Ex-Champ Hasim Rahman wird der Weltmeister wieder nicht richtig gefordert. Bei stern.de schießt der deutsche Box-Promoter Wilfried Sauerland gegen die Klitschko-Seite - dabei kann die nicht unbedingt etwas dafür. mehr...

Susi Kentikian Die Antidiva

Susi Kentikian ist nach dem Abgang von Regina Halmich Deutschlands neuer Star im Frauen-Boxen. Gemeinsam haben die beiden fast gar nichts. Auch, weil das Leben zu Kentikian um einiges härter war. Am Abend steigt die "Killer-Queen" wieder in den Ring. mehr...

 
stern.de in Social Networks
 
Mobil
 
Widgets
 
 
Adobe Flash Player