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24. Mai 2007, 14:49 Uhr

Befreiungsschlag als Neuanfang

Mit einem fesselnden Auftritt von Erik Zabel und einem umfassenden Geständnis von Teamchef Rolf Aldag läutete T-Mobile eine bessere Zukunft im Radsport ein. Trotz des medialen Gewitters, das auf Team und Konzern einprasselt, wird das Radsport-Engagement fortgesetzt. Von Nico Stankewitz

Erik Zabel hat voller Emotionen eingestanden, mit Epo gedopt zu haben© Oliver Berg/EPA

Es war eine bemerkenswerte Pressekonferenz in der Bonner Telekom-Zentrale, ein emotionaler Auftritt von Erik Zabel, der als erster absoluter Topstar der Radsportszene die Wahrheit gesagt hat und Versuche mit Epo im Jahr 1996 eingestanden hat. Respekt auch vor der Telekom: T-Mobile wird seinen Vertrag bis 2010 erfüllen und damit seiner Verantwortung für den Radsport gerecht werden - eine mutige Entscheidung.

Zabel zunächst im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz stand überraschenderweise nicht das umfassende Geständnis von Rolf Aldag, sondern das Bekenntnis von Erik Zabel, des ersten Weltstars, der zumindest versuchtes Doping eingestanden hat. So war schon die Präsenz des ehemaligen Fahrers auf dieser Pressekonferenz außergewöhnlich, schließlich steht Zabel seit 2006 nicht mehr bei T-Mobile, sondern beim deutsch-italienischen Team Milram unter Vertrag. Als "Unbeteiligter" sich ungefragt und unter Tränen zu outen, ist ein respektabler Schritt des großen Sportsmannes Zabel.

Bedeutsamer für die Zukunft des Radsports als Zabels Geständnis "1996 für eine Woche" Epo probiert zu haben, ist aber die umfassende Beichte von Rolf Aldag, Sportlicher Leiter von T-Mobile, der jahrelanges und systematisches Doping zugab - und der dennoch als geläuterter Sünder vom Team weiterbeschäftigt werden soll. Ob das die richtige Entscheidung des Managers Bill Stapleton ist, werden die kommenden Monate zeigen. In jedem Fall hat das Team die Karten auf den Tisch gelegt und so einen ehrlichen Neuanfang ermöglicht.

Lebensnotwendig für deutschen Radsport

Der Schritt von T-Mobile, das Sponsoring bis 2010 ohne Einschränkungen fortzusetzen, ist begrüßenswert und lebensnotwendig für den deutschen Radsport. Die Mobilfunktochter des Bonner Konzerns wird den im vergangenen Jahr eingeschlagenen Weg weiter unterstützen. Seitdem ist das Team gemeinsam mit Gerolsteiner und Credit Agricole Vorreiter im weltweiten Kampf gegen Doping und hat in kurzer Zeit damit bemerkenswerte Erfolge erzielt. Der Schlüssel zur neuen Philosophie ist ein optimiertes Angebot in allen Bereichen bei gleichzeitiger Kontrolle, unter anderem bei den Blutmessungen.

Da die Aufarbeitung der Epo-Ära offenbar gut vorankommt, ist nun der Sport gefordert, sich für die Zukunft zu säubern und sich neue Regeln zu geben. Die Dopingkontrollen müssen ausgeweitet und genauer gestaltet werden, das Strafmaß für überführte Dopingsünder (bisher eine zweijährige Sperre) sollte empfindlich erhöht werden, um die Abschreckung zu verstärken. Sperre für Teams? T-Mobile und Gerolsteiner sind auf dem richtigen Weg, aber die Verantwortung für den Dopingkampf dürfen nicht die Teams alleine tragen, sondern sie muss bei einer unabhängigen Einrichtung liegen. Bei Dopingverstößen eines Fahrers könnte man z.B. das ganze Team für einen Monat sperren - die Situation für die Mannschaften wäre auf einen Schlag erheblich komplizierter und die Fahrer wären nicht mehr die einzigen, die hier etwas zu verlieren hätten.

Ein fataler Schritt wäre ein Rückzug von T-Mobile auch deswegen gewesen, weil sich mit Astana (Kasachstan) und Tinkoff (Russland) in dieser Saison schon zwei Top-Teams etabliert haben, deren fragwürdige Geldgeber sich offenbar wenig um Doping scheren - die Neueinsteiger wollen (möglichst nationale) Siege - fast um jeden Preis. Diese Entwicklung muss gestoppt werden, und dafür braucht der Radsport erfahrene Sponsoren wie T-Mobile auch in Zukunft.

Von Nico Stankewitz
 
 
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