Holzdeppe erster deutscher Stabhochsprung-Weltmeister

12. August 2013, 19:45 Uhr

Riesenjubel bei den deutschen Stabhochspringern. Mit Raphael Holzdeppe stellen sie erstmals den Weltmeister. Bronze holte der Kölner Björn Otto. Und auch im Kugelstoßen gab es Edelmetall.

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Der neue Weltmeister im Stabhochsprung jubelt: Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken.©

Raphael Holzdeppe rannte los wie ein Irrwisch und riss sich das Trikot vom Leib. Der 23-Jährige vom LAZ Zweibrücken ist der erste deutsche Weltmeister im Stabhochsprung - und für den Olympia-Dritten war es über 5,89 Meter ein Satz in den siebten Himmel. In einem nahezu perfekten Wettkampf bezwang Holzdeppe am Montagabend in Moskau in Renaud Lavillenie sogar den Goldmedaillengewinner von London. Fassungslos schwang er auf der Ehrenrunde die deutsche Fahne, begleitet von Björn Otto, der diesmal Bronze holte. "Jetzt bin ich Weltmeister und alles ist geil", sagte Holzdeppe vor dem ARD-Mikrofon.

Es war das erste Edelmetall des Deutschen Leichtathletik-Verbandes bei den Stabartisten seit dem dritten Platz von Danny Ecker (Leverkusen) 2007 in Osaka - und der erste Titel in Moskau. Holzdeppe hatte die Siegeshöhe im ersten Versuch gemeistert, Lavillenie benötige drei Versuche. Der 35-jährige Kölner Otto flog über 5,82 Meter. "Er hat genau gewusst, was er machen wollte", sagte Holzdeppes Trainer Chauncey Johnson. "Er hat seine Ziele gehabt."

Topfavorit Lavillenie hatte zu Beginn einen völlig verkorksten Satz über die Einstiegshöhe von 5,65 Meter. Sein jüngerer Bruder Valentin war an der Einstiegshöhe von 5,55 gescheitert und vergoss bittere Tränen. Der Franzose Renaud Lavillenie war kürzlich in London 6,02 gesprungen und ist seit dem vergangenen Jahr der absolute Überflieger unter den Stabartisten. Sechs der acht Sprünge, die in diesem Sommer bislang 5,90 Meter oder höher waren, gingen auf sein Konto.

Deutsches Trio unter den besten Fünf

Wie schon 2012 bei der EM in Helsinki und bei den Sommerspielen in London blies das deutsche Trio zur Jagd auf den Olympiasieger. "Wir werden nicht als Mannschaft gegen ihn antreten. Bei einer Weltmeisterschaft kämpft jeder für sich", hatte jedoch ausgerechnet Holzdeppe erklärt. "Es ist verboten, sich gegenseitig zu coachen, indem man beispielsweise Zeichen zum Wind gibt. Bei einer WM schauen die Kampfrichter ganz genau hin."

Der Jüngste unter den deutschen Teilnehmern machte von Beginn an den mit Abstand sichersten Eindruck. Ottos Trainer Michael Kühnke war mit seinem Schützling hingegen nicht ganz zufrieden und forderte nach ersten beiden Sprüngen in der ARD-Übertragung: "Er muss jetzt einen härteren Stab nehmen, im Anlauf ist er mir noch ein bisschen zu unsicher. Das zeigt, dass er etwas nervös ist."

Otto hatte in dieser Saison Lavillenie zweimal in den USA bezwungen und wollte sich erst gar nicht verrückt machen lassen von der Ausgangsposition. "Jeder ist schlagbar. Wenn man Renaud unter Druck setzt, ist er zu packen", sagte der 35-Jährige.

Siegeshöhe von 5,89 im ersten Versuch

Aber nicht der Olympia-Zweite und Vize-Europameister Otto, sondern Holzdeppe überflog als Erster die 5,82 - und das mit viel Luft zur Stange. "Genau alles so lassen. Gut gemacht", lobte sein Coach Johnson. Sein Athlet hatte Anfang Juni beim Diamond-League-Meeting in Rom Lavillenie geschlagen und strotzte nur so vor Selbstbewusstsein: "Ich reise mit einem viel besseren Gefühl nach Moskau als zu den Olympischen Spielen nach London vor einem Jahr."

Auch die 5,89 packte Holzdeppe auf Anhieb und mühelos. Seine deutschen Konkurrenten konnten nicht nachziehen, und Lavillenie, der seinen ersten so ersehnten WM-Titel verpasste, konnte nicht mehr zulegen. Der Wattenscheider Malte Mohr wurde am Ende Fünfter. So ließ sich Holzdeppe als Überflieger des Abends in Moskau feiern.

Kugelstoßerin Christina Schwanitz holt Silber

Wenige Minuten zuvor hatte der Deutsche Leichtathletik Verband bereits eine weitere Medaille bejubeln dürfen. Mit einem unglaublichen Kraftakt im letzten Versuch gewann Christina Schwanitz die Silbermedaille im Kugelstoßen. Als die 20,41 Meter auf der Anzeigentafel aufleuchteten, vollführte die 27-Jährige vom LV 90 Erzgebirge einen Freudentanz. Mit der letzten Kraftreserve hatte sie die Chinesin Gong Lijiao, die 19,95 Meter weit stieß, noch von Platz zwei verdrängt. Schwanitz lag vor dem letzten Versuch nur auf Platz fünf. "Ich wusste, dass noch mehr geht. Das Training hat es gezeigt. Alles oder nichts", sagte sie der ARD.

Nach 2007, 2009 und 2011 gewann die Neuseeländerin Valerie Adams mit 20,88 unangefochten ihren vierten WM-Titel. Damit übertrumpfte die Olympiasiegerin die Deutsche Astrid Kumbernuss, die von 1995 bis 1999 dreimal Weltmeisterin geworden war. Die letzte deutsche WM-Medaille hatte 2009 in Berlin Nadine Kleinert als Zweite gewonnen.

"Ich habe ein Superjahr und ein starkes Selbstbewusstsein. Selten bin ich so relaxed in eine große Veranstaltung gegangen", sagte Christina Schwanitz bereits nach der souverän gemeisterten Qualifikation am Tag zuvor. Zweimal übertraf sie in diesem Jahr die 20-Meter-Marke und kämpfte sich mit 20,20 Meter an die dritte Stelle der Weltbestenliste. Und nun der kraftvolle Stoß in Moskau, der noch mal 21 Zentimeter weiter ging!

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