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Der ehemalige Crystal-Meth-Junkie, der gerade Weitsprung-Gold geholt hat

Erst als Talent gefeiert, dann im Drogensumpf versunken - und schließlich aus den Trümmern seines Lebens zurück auf die Weltbühne des Sports gekämpft - das ist die Geschichte des neuen Weitsprung-Weltmeisters Luvo Manyonga.

Luvo Manyonga: Erst der tiefe Fall, dann die märchenhafte Rückkehr

Luvo Manyonga: Erst der tiefe Fall, dann die märchenhafte Rückkehr

Luvo Manyonga ist der beste Weitspringer der Welt - zumindest im Moment. Bei der in London hat der Südafrikaner mit 8,48 Meter die Goldmedaille abgeräumt. "Völlig überwältigt" sei er von seinem Sieg, wie er vor Journalisten sagte. Was klingt wie die übliche Floskel eines Profi-Sportlers, ist in seinem Fall sehr verständlich. Denn die Karriere von Luvo Manyonga ist keine gewöhnliche Sportler-Laufbahn. Der 26-jährige galt nach ersten starken Auftritten 2009 und 2010 als eines der größten Talente im Weitsprung, wurde U20-Weltmeister. Mit dem Überspringen der Acht-Meter-Marke stieg er in den Kreis der Weltspitze auf, doch nur wenig später kam der tiefe Fall.

Manyonga ist in ärmlichsten Verhältnissen nahe Kapstadt aufgewachsen. Wie in der Biografie auf Manyongas offizieller Webseite beim Internationalen Leichtathletikverband zu lesen ist, ist sein Heimatort Mbekweni für Drogen- und Gang-Kriminalität bekannt. Trotz seiner frühen Erfolge konnte sich der junge Sportler dieser Welt nie ganz entziehen. Anfang 20 rutschte er in die Drogensucht ab. Er begann, Crystal Meth zu nehmen, oder "Tik", wie die gefährliche Droge in den Straßen seiner Heimat genannt wird. 

Luvo Manyonga springt bei der Leichtathletik-WM in London

Luvo Manyonga springt bei der Leichtathletik-WM in London

2012 wurde er dann wegen dieser Sucht bei einem Wettkampf positiv auf Methampethamin getestet. Der Weltverband sperrte ihn für 18 Monate. Eigentlich wären zwei Jahre fällig gewesen. Doch sein Coach argumentierte damals, er habe die Droge ja nicht zur Leistungssteigerung eingenommen. Auch seine Lebensumstände, das Leben in der schlimmen Gegend, wurden mildernd gewertet.

Die märchenhafte Rückkehr des Luvo Manyonga

Wenig später musste er einen weiteren Schlag hinnehmen. Sein Trainer, Entdecker, Förderer und Freund Mario Smith starb bei einem Autounfall. Die Beerdigung verpasste der damals Drogensüchtige, Medienberichten zufolge, weil er auf dem Weg dahin Kumpels traf und mit ihnen Crystal Meth rauchte. Daraufhin sprangen auch die letzten Geldgeber des Sportlers ab. Manyonga drohte, im Drogensumpf unterzugehen. "Jeden Tag denke ich daran, wo ich wohl wäre, gäbe es die Menschen nicht, die in meinen dunkelsten Tagen an mich geglaubt haben", sagte er kurz vor der jetzigen WM. Einer davon ist sein neuer Coach John McGrath. Der ehemalige Ruderer glaubte an die Fähigkeiten des einstigen Talents, griff ihm und seiner Familie finanziell unter die Arme und holte ihn raus aus seinem Umfeld, aus der Drogensucht und zurück zur Leichtathletik.

2015 nahm Manyonga unter McGrath das Training wieder auf und holte bei den Afrikameisterschaften 2016 auf Anhieb Silber. Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war er bis zum letzten Sprung seines Kontrahenten Jeff Henderson sogar auf Goldkurs, verpasste dieses Ziel jedoch um einen Zentimeter. 2017 schaffte er dann mit 8,62 Meter den weltweit weitesten Sprung seit 2009 und erhöhte kurz darauf auf 8,65 Meter, was ihn zum afrikanischen Rekordweitspringer machte.

Bei der Leichtathletik-WM in London hat er nun also seine märchenhafte Rückkehr mit Gold gekrönt. Doch der religiöse Manyonga hat noch höhere Ziele: Er will der beste Weitspringer in der Geschichte des Sports werden. Die Neun-Meter-Marke sei möglich für ihn, 8,95 Meter ist der ewige Weltrekord von Mike Powell. Dem "Guardian" sagte Manyonga: "Ich bin 1991 geboren - dem Jahr, in dem der Weltrekord gesprungen wurde. Also denke ich, dass es meine Bestimmung ist."

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