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Schwuler Footballspieler kämpft um seine Karriere

Im Februar hatte Michael Sam als erster Footballspieler sein Coming-Out. Auf dem College war er einer der Besten. Nun stockt seine Karriere. Wollen die US-Profi-Teams keinen schwulen Footballer?

Von Felix Haas

  Michael Sam spielte in der Saison-Vorbereitung bei den St. Louis Rams - doch sie nahmen ihn nicht ins Profi-Team auf

Michael Sam spielte in der Saison-Vorbereitung bei den St. Louis Rams - doch sie nahmen ihn nicht ins Profi-Team auf

Als Michael Sam von seiner großen Karrierechance hörte, brach er in Tränen aus. Im Mai war das, die NFL hatte ihn für den Draft nominiert, Sam vergoss Tränen der Freude. Die St. Louis Rams erwählten ihn, in ihrem Team zu spielen. Wenige Monate zuvor hatte sich Michael Sam geoutet - er war damit der erste offen schwule Footballspieler. Durch die Wahl beim Draft kam er seinem großen Ziel einen Schritt näher.

Etwas mehr als drei Monate später ist bei Sam Ernüchterung eingekehrt. Die Rams haben ihn mittlerweile aus dem Team geworfen, sie entschieden sich nach der Saisonvorbereitung gegen eine Verpflichtung. Sam stand wieder vor der Unsicherheit: Würde er überhaupt in der NFL spielen können? Nun haben ihn die Dallas Cowboys in ihr Trainingsteam berufen. Aber es ist eben nur das Trainingsteam, nicht das Profi-Team.

In den USA tobt seit Monaten eine Debatte über Sam und Homosexualität im Football. Die zentrale Frage dabei: Haben die Mannschaften etwa Angst davor, einen Schwulen einzustellen?

Starke Statistiken

Wie absurd die Lage ist, zeigen die Statistiken von Michael Sam. Er ist einer der besten Nachwuchs-Spieler der USA im Defensiv-Bereich. Er erreichte im College herausragende Statistiken. In der Saisonvorbereitung mit den St. Louis Rams zerrte er im Schnitt zweieinhalb Mal den Quarterback des gegnerischen Teams auf den Rasen. Das schafften in der Vorbereitung insgesamt nur zwölf Spieler. Zehn davon spielen ohne Diskussion in den jeweiligen Profi-Teams, einer ist in einem Trainingsteam und der zwölfte ist Sam - der wurde erst von seinem Team entlassen, und musste dann um einen Platz im Trainingsteam einer anderen Mannschaft zittern.

"Ich glaube, weil er schwul ist, haben einige Teams eine Verpflichtung ausgeschlossen", sagte Cyd Zeigler, der Macher der Sportseite "Outsports", die sich auf homosexuelle Themen spezialisiert hat, unlängst gegenüber der US-Seite Buzzfeed.com. Auch Wade Davis, ein Ex-NFL-Spieler äußerte sich klar. Für ihn stehe fest: Wenn Sam kein Team bekomme, sei die NFL homophob.

Fans wollen keinen schwulen Spieler

Die Dallas Cowboys verkündeten, für sie würden nicht die sexuellen Vorlieben von Sam zählen, sondern die Leistung auf dem Platz. "This is about Football", sagte Cowboys-Coach Jason Garrett. Nach einigen Fragen zu Sam auf der Pressekonferenz machte er aber auch seinen Stellenwert deutlich: "Wir sollten nicht zu lange über einen Spieler aus dem Trainingsteam sprechen."

Doch natürlich spricht die halbe Welt über Michael Sam. Einige Fans im konservativen Texas sind empört über seine Verpflichtung. Ein Ring christlicher Konservativer will beim ersten Saisonspiel der Cowboys gegen die Einstellung von Sam protestieren. Sie wollen einen schwulen Spieler nicht akzeptieren.

"Ich bin nicht naiv"

Michael Sam versucht das ganze Drumherum zu ignorieren. Er hofft, dass er eine faire Chance erhält, um sein großes Ziel Profi-Football in Dallas erreichen zu können. Für die Verpflichtung dankte er den Cowboys über seinen Twitter-Account. Seinen Weg will er weitergehen. "Ich freue mich darauf meinen Helm und meine Pads anzuziehen und so hart es geht auf dem Platz zu arbeiten", schrieb Sam.

Für ihn gilt weiter der Satz, den er kurz nach seinem Coming-Out sagte: "Ich bin nicht naiv. Mir ist klar, dass dies eine große Sache ist. Aber jetzt ist es allein meine Aufgabe, für die Liga zu trainieren. Und in der NFL zu spielen."

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