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Der Football-Star und seine Freundin, die er nie sah

Die Amerikaner sind entsetzt. Oder amüsiert. Je nachdem, wen man fragt. Denn eines der größten Sporttalente des Landes, Manti Te'o, hat sich heillos in einer obskuren "Liebesgeschichte" verheddert.

  Die Siegerpose trägt er nach seinen überragenden Leistungen auf dem Platz zurecht zur Schau. In Sachen Privatleben ist Manti Te'o dagegen weniger souverän.

Die Siegerpose trägt er nach seinen überragenden Leistungen auf dem Platz zurecht zur Schau. In Sachen Privatleben ist Manti Te'o dagegen weniger souverän.

Er habe ja versucht, sie über Skype zu erreichen. Doch dann habe es immer Probleme mit der Verbindung gegeben. Und ja, er habe nächtelang mit ihr über ihre Leukämieerkrankung gesprochen. Gut - dass er sie nicht besucht hatte, nachdem sie nach einem Autounfall im Koma lag, sei ihm halt nicht in den Sinn gekommen. Und doch: Vier Jahre lang sei sie seine Freundin gewesen. Auch wenn man die beiden sich nie persönlich getroffen haben.

Diese obskure Geschichte des US-Football-Nachwuchsstars Manti Te'o und seiner "Freundin" Lennay Kekua beschäftigt die Amerikaner derzeit fast mehr als das Dopinggeständnis von Lance Armstrong. Und je nachdem, welcher Version die Menschen glauben, sind sie entweder amüsiert, enttäuscht oder schlicht entsetzt.

An der Uni ist seine Freundin unbekannt

Begonnen hatte das auf jeden Fall unterhaltsame Spektakel im vergangenen September: Damals starben innerhalb weniger Stunden erst Te'os Großmutter und dann seine Freundin Lennay. Drei Tage später führt der 21-Jährige das College-Team der traditionsreichen Universität Notre Dame aus dem US-Bundesstaat Indiana mit einer überragenden Leistung zum 20:3-Sieg gegen Michigan State. Die Amerikaner erfreuen sich an einer ihrer heißgeliebten Heldengeschichten. Nun stellt sich heraus: Te'os große Liebe war vermutlich nichts mehr als ein Online-Profil. Die Nation rätselt nun, ob ihr Held Täter oder Opfer ist.

Bisher lautete die offizielle Version, dass Te'os vermeintliche Freundin am 12. September kurz nach dem Tod von Te'os Großmutter an Leukämie gestorben sei. Am Mittwoch deckte die Webseite deadspin.com aber auf, dass es von Kekua weder Dokumente bei der Sozialversicherung, noch Todesanzeigen oder Nachrufe gibt. An der Universität Stanford solle sie zwar ihren Abschluss gemacht haben - doch dort sei eine Lennay Kekua nie eingeschrieben gewesen.

Auch den Vater angelogen

Te'o selbst räumte Stunden später in einem Statement ein, dass er die Frau nur online getroffen habe. Persönlich sei er der Frau nie begegnet, er habe aber trotzdem eine emotionale Bindung zu ihr aufgebaut. Er selbst sei "Opfer eines kranken Witzes und ständiger Lügen" geworden, schreibt der Footballer weiter. Lange ließen seine Mitarbeiter ausrichten, er bereite sich auf die NFL-Draft, bei der Nachwuchsspieler von den Profiteams angeheuert werden vor, und könne daher keine weitere Auskunft geben. Nun gesteht er in einem Interview mit dem US-Sportsender ESPN, dass er sich schlicht nicht getraut habe, der Öffentlichkeit zu sagen, dass er ihr noch nie persönlich begegnet sei. Und weil er zudem seinen Vater angelogen habe, fehlte ihm letztlich der Mumm die Wahrheit zu sagen. "Natürlich wusste ich, dass es verrückt klingt, meine Freundin nie gesehen zu haben", sagte er jetzt.

Für die Uni ist klar, dass Te'o Opfer statt Täter ist. "Dieser Scherz hatte eine ziemliche Grausamkeit in seinem Kern", sagt Sportdirektor Jack Swarbrick. Warum Te'o jedoch den Medien immer wieder von einer nicht-existierenden Freundin erzählt hat, solle er selbst erklären.

Warten auf die Enttarnung von Lennay Kekua

Könnte gute PR der Grund sein? "Wir wissen, dass es ein Scherz war, die einzige Frage ist aber, was genau Manti darüber wusste", zitiert die "USA Today" einen der Aufklärer von deadspin.com. Auf ESPN erklärte ein Kommilitone, er sei sich "zu 80 Prozent sicher", Te'o habe es mit dem Tod seiner angeblichen Freundin auf Publicity abgesehen.

Dieser Verdacht liegt nahe. Football ist der beliebteste TV-Sport in den USA, und bereits beim Collegefootball geht es um Millionen. Die rührselige Geschichte des Supertalents Te'o gab gute Quoten. Ob Te'o den Fall inszeniert hat oder ob er einem üblen Scherz zum Opfer gefallen ist, kann sich erst klären, wenn die wahre Identität von Lennay Kekua entlarvt wird.

nik mit DPA

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