Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

"Hat nichts mit Kleingeistigkeit zu tun"

Kein Olympia! Die Hamburger haben sich gegen die Austragung der Spiele entschieden. Die Presse zeigt sich überrascht, diskutiert die Gründe - und befürchtet schwerwiegende Folgen für den Sport in Deutschland.

Pressestimmen zu Hamburgs Olympia-Aus

So knapp war's - gereicht hat es trotzdem nicht: DOSB-Präsident Alfons Hörmann (r.) und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz

Die Olympischen Spiele 2024 werden definitiv nicht in Hamburg stattfinden. Per Volksentscheid stimmten 51,7 Prozent der Bürger gegen die Bewerbung der Hansestadt. "Das ist eine Entscheidung, die wir uns nicht gewünscht haben. Sie ist aber klar", sagte ein vom Ergebnis sichtlich überraschter Bürgermeister Olaf Scholz nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses. 

Damit erlebt Deutschland seine zweite olympische Pleite binnen zwei Jahren. 2013 hatten München und Umgebung in einer Volksbefragung gegen Winterspiele 2022 votiert. Nachdem die Ausrichtung des größten Sportspektakels hierzulande erneut durchgefallen ist, hat sich Deutschland damit vorerst ins Abseits katapultiert.

In der deutschen und der internationalen Presse wird eine allgemeine Ablehnung gegen sportliche Großereignisse registriert. Außerdem werden schwerwiegende Folgen für den Sport in Deutschland befürchtet.

Deutschland:

"Spiegel Online": "Das mit viel Mühe und vielen Millionen Euro angefertigte Olympia-Konzept sowie der Finanzplan haben viele Hamburger nicht überzeugen können. Es gab ungeklärte Baustellen, offene Punkte, die man nur bedenkenlos übergehen konnte, wenn man Feuer und Flamme für Olympia war. Allen voran die ungeklärten Kosten: Sich in einer Stadt, in der ein mit 77 Millionen Euro veranschlagtes Konzerthaus knapp 800 Millionen kosten kann, etwas kritischer mit Finanzplänen auseinanderzusetzen, hat nichts mit Kleingeistigkeit zu tun. Sondern mit gesundem Menschenverstand."

"Sueddeutsche.de": "Nach dem Nein für Winterspiele in München hat sich der organisierte Sport nun schon die zweite donnernde Absage bei der Bevölkerung eingehandelt. Diese wird lange nachhallen. Olympia in Deutschland - auf Sicht ist diese Idee zu begraben. All den Sportarten, denen sich nur alle vier Jahre eine große Bühne bietet, muss das einen Schrecken einjagen."

"Faz.net": "So bleibt nur die Erklärung, dass es im so stolzen Hamburg ein allgemeines Unbehagen an Veränderung gibt, diffuse Ängste vor der Zukunft und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Politik in Form der repräsentativen Demokratie. Noch nie haben Senat und Bürgerschaft in Hamburg einen Volksentscheid gewonnen."

Frankreich:

"Le Monde": "Das ist die zweite Niederlage einer deutschen Olympia-Bewerbung innerhalb von nur zwei Jahren. Zuvor hatten schon die Münchner gegen die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 gestimmt. Im März hatte das Olympische Komitee Hamburg Berlin vorgezogen, weil sie in der Hansestadt mehr Unterstützung erhofften als in der Metropole."

"L'Equipe": "Paris hat einen Gegner weniger im Rennen um die Ausrichtung der Olympischen Spiele von 2014. Bleiben nur noch Los Angeles, Rom und Budapest."

"Le Figaro.fr": "Das ist eine Schmach für den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland Alfons Hörmann. Noch vergangene Woche hat er auf den entscheidenden Elan des deutschen Sports auf allen Ebenen beharrt."

Italien:

"La Stampa": "Rom verliert eine Rivalin für die Spiele 2024. Und es gibt da nichts zu feiern. (...) Vier Städte bleiben im Rennen: Rom, Paris, Los Angeles und Budapest. Und es bleibt die Gewissheit, dass Olympische Spiele im Augenblick nicht all zu sehr geschätzt werden."

"La Repubblica": "Hamburg 2024 ist bei den Bürgern durchgefallen. Es bleiben noch drei Gegner für Rom im Rennen um die Olympischen Spiele 2024."

Tschechien:

"Lidove noviny": "Für Olympia in London hatte die britische Regierung rund neun Milliarden Euro ausgegeben. Hamburgs Organisatoren rechneten damit, dass ihre Spiele gut zwei Milliarden Euro weniger kosten würden. Die Kritiker des Olympia-Konzepts verwiesen indes darauf, dass das Londoner Budget in einem Punkt um ein Vielfaches höher war, nämlich der Sicherheit. Dabei dürfte ihre Bedeutung nach den Ereignissen von Paris noch erheblich zunehmen."

tim//DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools