Die Ullrich-Beichte, die Ex-Kollegen und der alte Hut

22. Juni 2013, 17:17 Uhr

Ex-Radprofi Jan Ullrich hat eingestanden, gedopt zu haben. Sport-Funktionäre und ehemalige Kollegen Ullrichs reagieren gelangweilt auf das späte Geständnis - oder mit Kritk.

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Schon damals lag seine Radsport-Karriere in Trümmern: Jan Ullrich bei einer Pressekonferenz 2006.©

Seit Jahren war es ein offenes Geheimnis, jetzt hat Ex-Radprofi Jan Ullrich die Fakten bestätigt: Der umstrittene Tour-de-France-Sieger von 1997 hat erstmals Blutdoping beim spanischen Skandalarzt Eufemiano Fuentes zugegeben. Mit einem Geständnis in Raten und einer Interview-Offensive drängte der Olympiasieger von Sydney zuletzt an die Öffentlichkeit und scheint damit eine zweite Chance für sich einzufordern.

Sein langjähriger Profikollege Jens Voigt reagierte gelassen auf die neusten Äußerungen: "Die Ulle-Geschichte ist doch ein alter Hut. Oder hat man irgendetwas erfahren, was neu ist?" Der deutsche Nachwuchsfahrer Paul Martens sah es ähnlich: "Es war ein offenes Geheimnis. Jeder, der es wollte, hätte es wissen können. Er war ja bekanntlich nicht der Einzige, der es so gemacht hatte."

Ex-Helden mit Brüchen

In dem Interview zog Ullrich Parallelen zwischen sich und dem überführten Dopingsünder Lance Armstrong: "Beide sind wir nicht davongekommen und schuldig. Ich bin nicht besser als Armstrong, aber auch nicht schlechter", sagte Ullrich. "Die großen Helden von früher sind heute Menschen mit Brüchen, mit denen sie klarkommen müssen."

Vor diesem Hintergrund empfahl ihm Stefan Schumacher, endlich reinen Tisch zu machen. Das ehemalige Mitglied des Teams Gerolsteiner war wegen Dopings selbst zwei Jahre gesperrt. "Ich hatte zuerst auch erst gesagt, okay, ich habe Fehler gemacht und habe gedacht, das verstehen die Leute. Aber das hat nicht gereicht", sagte Schumacher der Nachrichtenagentur DPA. "Es ist wichtig, alles zu erzählen - das ist für dein Umfeld, deine Familie und dich selber am besten. Die Leute haben die Wahrheit verdient."

Juristische Zwänge bei Ullrich

Mit umfassenden Ullrich-Enthüllungen ist allerdings nicht zu rechnen. Juristische Zwänge gelten als der Hauptgrund von Ullrichs Strategie. "Ich habe mich entschieden, so viel zu sagen, wie ich kann. Alles andere war nicht möglich", sagte Ullrich in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Genau das halten ihm Bach und Scharping vor. "Es ist zu wenig und viel zu spät. Für ein wirklich glaubhaftes Geständnis hätte sich Jan Ullrich schon vor einigen Jahren umfassend erklären müssen. Diese Chance hat er verpasst, und selbst jetzt arbeitet er nach meinem Gefühl noch mit rhetorischen Winkelzügen. Das hilft weder ihm noch dem Radsport weiter", schimpfte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Scharping bewertete die Aussagen ähnlich: "Mit solch einem Geständnis hätte er sich und dem Radsport vor Jahren einen Gefallen getan. Aber mit dem heutigen Radsport hat das nichts mehr zu tun."

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