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Am Nachmittag (ab circa 15 Uhr im stern.de-Liveticker) kämpft Sabine Lisicki um den Einzug ins Wimbledon-Finale. London liegt der Deutschen zu Füßen. Erinnerungen an die "Gräfin" werden wach.

Von Klaus Bellstedt

  Finale oder raus? Sabine Lisicki kämpft am Donnerstag um den Einzug ins Wimbledon-Endspiel.

Finale oder raus? Sabine Lisicki kämpft am Donnerstag um den Einzug ins Wimbledon-Endspiel.

  • Klaus Bellstedt

Halbfinale! Wimbledon! Centre Court! Der vielleicht größte Tag in der Tenniskarriere von Sabine Lisicki ist gekommen. Die Deutsche kämpft am Donnerstagnachmittag (ab circa 15.30 Uhr bei Sky und im stern.de-Liveticker) gegen die Polin Agnieszka Radwanska um den Einzug ins Endspiel der traditionsreichsten Tennis-Veranstaltung der Welt. Räumt die 23-Jährige auch ihre nächste Kontrahentin aus dem Weg, würde Lisicki endgültig auf den Spuren der großen Steffi Graf wandeln. Die war nämlich die letzte deutsche Tennisspielerin im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers. Das ist jetzt 14 Jahre her. Graf verlor 1999 das Finale gegen Lindsay Davenport.

Aber schön langsam. Noch fehlt Lisicki dieser eine Sieg. Und das wird schwer genug. Radwanska ist die aktuelle Nummer vier der Welt. Die Polin wird in ihrer Heimat wenig liebevoll "die Ballmaschine" genannt. Warum, weiß jeder, der die 24-Jährige schon mal hat spielen sehen. Radwanska, derzeit geplagt von einer Oberschenkel-Blessur, gibt einen Ball erst dann verloren, wenn er tot ist. Ihre Schläge sind ähnlich druckvoll wie die von Lisicki. Bislang standen sich die beiden zweimal gegenüber. 2011 setzte sich Lisicki in Stanford (USA) in drei Sätzen durch. Radwanska gewann 2012 in Dubai mit 6:2 und 6:1. Und jetzt?

In love with "Super Sab"

Bei den englischen Buchmachern ist Sabine Lisicki plötzlich sogar die Favoritin auf den Titel. Donnerstag beherrscht zwar lokal hero Andy Murray nach seinem epischen Fünf-Satz-Erfolg gegen Fernando Verdasco die Schlagzeilen der Gazetten, aber in den Tagen davor war oft genug die Deutsche das Cover-Girl. "Die lächelnde Killerin hat wieder zugeschlagen", schrieb am Mittwoch der "Independent", die "Daily Mail" konstatierte trocken: "Lisicki wieder einen Schritt näher am Slam. Sie ist jetzt Favoritin von Buchmachern und Fans auf ihren ersten Grand-Slam-Sieg."

Ganz London scheint derzeit in love with "Super Sab". Die Experten der BBC rühmen ihre Nerven und ihre Aufschläge, die Fans lieben ihr Dauerlächeln. Die Berlinerin lebt in diesen verrückten Tennistagen 2013 ihren ganz persönlichen Wimbledon-Traum - und die wundersame Reise über die Rasenplätze im Südwesten Londons soll erst am Samstagnachmittag zu Ende gehen. Steffi Graf glaubt fest an Lisicki. "Ich denke, sie hat eine gute Chance, ins Endspiel einzuziehen", schrieb die "Gräfin" nach dem Halbfinal-Einzug auf Facebook. Aus der Ferne verfolgt die bislang letzte deutsche Wimbledon-Siegerin das turbulente Geschehen im All England Lawn Tennis Club.

Natürlich fällt nun ständig der berühmteste Name in der Geschichte des deutschen Damentennis. Und natürlich muss auch Sabine Lisicki Fragen beantworten wie zuletzt die eines englischen Journalisten: Ob sie die Tatsache, dass nun ständig an Steffi Graf erinnert werde, beflügle oder doch eher emotionale Last sei. "Weder noch", sagte Lisicki, lächelte und meinte: "Ich schaue auf mich. Ich möchte alles geben, nur darum kümmere ich mich." Das gelang ihr bis jetzt auf ziemlich imponierende Art und Weise.

Sie weiß, sie kann alle schlagen

Vor zwei Jahren stand Lisicki schon einmal in der Runde der besten Vier bei ihrem Lieblingsturnier. Damals unterlag sie der Russin Maria Sharapova. Jetzt sagt sie: "Ich fühle mich besser als vor zwei Jahren. Aber es ist wichtig, nicht so weit vorauszuschauen. Mal schauen, was noch möglich ist." So einiges! Das glaubt jedenfalls auch Trainer-Legende Nick Bollettieri. In seiner Kolumne für den "Independent" traute er seiner früheren Schülerin Lisicki einen weiteren Sturz einer höher gesetzten Spielerin zu. "Das Selbstvertrauen aus dem Sieg gegen Serena Wiiliams (der Weltranglistenersten, Anm. der Red.) wird sie weiter beflügeln", so Bollettieri.

Ob es wirklich zur Krönung auf dem Heiligen Rasen reicht? Als erste deutsche Wimbledon-Championesse seit 1996? Als erste deutsche Siegerin bei einem der vier großen Turniere, seit Steffi Graf 1999 bei den French Open triumphierte? Überlassen wir Lisickis Trainer Wim Fissette die letzten Worte: "Sie kann unglaublich gut Tennis spielen. Und in Wimbledon weiß sie, dass sie alle schlagen kann." Go for it, Bine!

mit DPA

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