26. Januar 2009, 14:24 Uhr

Riesch macht den Abflug

Wieder Pech für die beste deutsche Ski-Läuferin: Maria Riesch ist beim Super-G-Weltcup in Cortina d'Amprezzo in den Fangzaun gerast. Eine Woche vor der Weltmeisterschaft zeigte sich die Partenkirchnerin völlig von der Rolle.

Riesch, Ski alpin, Weltcup

Den Kopf gesenkt: Der Sturz in ihrer Paradedisziplin war ein schwerer Rückschlag für Maria Riesch©

Als Maria Riesch rücklings in den roten Fangzaun knallte, hielten die Zuschauer in Cortina d' Ampezzo sekundenlang vor Schreck den Atem an. Der Sturz der besten deutschen Ski-Rennläuferin beim Super-G auf der Olympia-Piste von 1956 ließ acht Tage vor der WM Schlimmstes befürchten. Riesch richtete sich wenig später äußerlich unverletzt auf - der Schmerz saß innen. Ausgerechnet rund eine Woche vor dem Saisonhöhepunkt droht die 24 Jahre alte Partenkirchnerin ihre herausragende Form zu verlieren.

In drei der vergangenen fünf Weltcup-Rennen sah sie das Ziel nicht. In der Gesamtwertung verwandelte sich ihr Vorsprung von 113 Punkten auf ihre größte Rivalin, Lindsey Vonn (USA), im gleichen Zeitraum in einen Rückstand von 104 Zählern. "Es ist sicher nicht so toll gelaufen. Speziell das Aus heute ist schon bitter", sagte die im Vorjahr noch weltbeste Super-G-Läuferin.

Es hätte schlimmer kommen können

Immerhin: Nach ihrem Abflug in der "Grande Curva" hätte es auch schlimmer kommen können. "Ich habe es größtenteils gut überstanden. Ein bisschen habe ich mir den Arm angeschlagen, der tut jetzt weh. Aber ich habe keine größeren Blessuren", sagte Riesch. Körperlich gehe es ihr gut, fügte sie noch an. Einen Blick in ihre angeknackste Psyche ließ sie nur bedingt zu. Ein Formtief wolle sie sich "nicht einreden. Ich mache mir keine Sorgen, dass ich jetzt total versage".

Riesch rang sich ein Lächeln ab, Cheftrainer Mathias Berthold war dazu nicht in der Lage. "Das Rennen ist in die Hose gegangen. So ein Fehler darf ihr nicht passieren. Mit einem Innenskifehler fliegt heutzutage kein Mensch mehr raus", sagte er. Ganz richtig war das nicht, weil Anja Pärson mit dem gleichen Fehler an derselben Stelle abflog. Allerdings hatte die Schwedin bis dahin nach 45 Fahrsekunden schon 1,20 Sekunden auf Riesch herausgeholt. Pärson lag auf Siegkurs - doch anstelle der Weltmeisterin freute sich deren Teamkollegin Jessica Lindell-Vikarby über ihren ersten Weltcup-Sieg.

Blödsinnige Regeln

Weil die 24-Jährige wie Anna Fenninger (Österreich) und Andrea Dettling (Schweiz), die das Podium komplettierten, schon sehr früh gestartet war, sprach Berthold von einem "Startnummern-Rennen". Ein "typisches Super-G-Ergebnis", nannte es Riesch. Die Top-Läuferinnen kommen in der zweitschnellsten Disziplin mit den Nummern 15 bis 22, Riesch hatte bei ihrem Vorjahressieg in Cortina die günstige 10.

"Die Regel ist absoluter Blödsinn", sagte Berthold. Der Coach war zudem erbost über das "Scheiß-Abschneiden" seiner Athletinnen. Die zweite Deutsche, Viktoria Rebensburg (Kreuth), fuhr auf Platz 47. Riesch kann es ab Freitag im heimischen Garmisch besser machen. Dort werden zur WM-Generalprobe ein Slalom und ein weiterer Super-G gefahren, am Dienstag startet die WM mit einem Super-G.

"Ich hätte mir gewünscht, mit mehr Selbstvertrauen nach Garmisch zu fahren. Aber vielleicht war das Aus gar nicht schlecht. Denn jetzt habe ich weniger Druck", sagte Riesch. Das gilt nach der jüngsten Misere nun wohl auch für die WM - nicht die schlechteste Voraussetzung für die sensible Medaillenkandidatin Riesch.

Marco Mader/SID
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
maindelfin (26.01.2009, 15:52 Uhr)
keine Roboter
Die Rennläuferinnen sind nun mal keine Roboter. Deshalb passieren auch Fehler, die normal nicht passieren dürfen. Der Cheftrainer Mathias Berthold sollte lieber heilfroh darüber sein, dass sich Maria Riesch "nur" den Arm angeschlagen hat!!! Bei einem Sturz in den Speed-Disziplinen passiert meist viel mehr! Also Herr Berthold: Nicht maulen über den Sturz, sondern froh sein, dass nichts schlimmeres passiert ist!!! Maria Riesch wünsche ich, dass sie den Sturz und die Blessur schnell weg steckt und in alter Stärke neu angreifen kann.
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