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Gefallene Jeans und blanke Busen

Bei der Strip-Poker-WM in London geht so richtig die Post ab. Von wegen verruchte Atmosphäre, verqualmte Hinterzimmer oder dicke Zigarren. Im alt-ehrwürdigen "Café Royal" fallen vor allem die Hüllen. Erst dann klicken die Jetons.

Eigentlich begann alles mit einem Aprilscherz: Als das irische Wettbüro Paddy Power am 1. April dieses Jahres aus Spaß eine Weltmeisterschaft im Strip-Poker ankündigte, hätten wohl nicht einmal die Buchmacher selbst Wetten auf diese Idee abgeschlossen. Doch immer mehr stripfreudige Pokerspieler fragten, wann es denn losgehen soll. Am Samstag machte Paddy Power dann ernst: Das alt-ehrwürdige "Café Royal" an der noblen Londoner Regent Street öffnete seine Türen und bat die Spieler um ihre Einsätze - und das sprichwörtlich letzte Hemd.

Mit verruchter Atmosphäre, verqualmten Hinterzimmern und dicken Zigarren hatte das Spektakel aber nichts zu tun. Die Stimmung war so sexy wie in einem Ferienlager: Zunächst saßen alle 195 Männer und Frauen mit kurzen Hosen, T-Shirts und Baseball-Caps an den Pokertischen, am Abend "schlappten" die meisten mit einem weißen Handtuch um die Hüften durch den Saal. Einzig der Ort des Geschehens ähnelte mit seinem dicken, roten Teppich, den Kronleuchtern und seinen gold gestrichenen Wänden an ein Casino. Viele Frauen stöckelten mit High-Heels über den Teppich, viele Männer trugen eine Sonnenbrille, um sich ein richtiges "Pokerface" zuzulegen. Zwölf Nationen waren vertreten: Ein Australier hatte den längsten Weg, die meisten kamen aus London.

Achtstündiger Wettkampf - am Ende ohne Hose

Jeder Spieler begann mit 1000 Spiel-Chips und 5 Kleidungsstücken. Waren alle Jetons aufgebraucht, konnte man ein Kleidungsstück einsetzen, um Chips zu kaufen. Christian Rohes Freundin war nicht begeistert, als sich der Sportstudent aus Bielefeld für die WM anmeldete. "Sie wollte nicht, dass ich nackte Frauen sehe", erzählte der 25-Jährige, der als bester der sieben Deutschen auf Platz 22 kam. Die 29-jährige Lehrerin Emma, eine der gut 60 Spielerinnen, reiste mit ihrem Freund an. Eifersüchtig seien sie beide nicht: "Ich gehöre ihm nicht. Wir können beide machen, was wir wollen", sagte die Britin in rotem BH und Handtuch.

Die Spieler waren auch nur für wenige Sekunden nackt: Fiel das letzte Kleidungsstück - bei den Männern die Unterhose, bei den Frauen der BH -, wickelten sich die Spieler hastig in das Handtuch. "Ich habe das so schnell wie möglich hinter mich gebracht", sagte die 44- jährige Schauspielerin Rose. "Das ist alles nur Spaß." Doch der Gewinner, der 32-jährige John Young, strippte auch für einen guten Zweck. Der Londoner, der für seinen Sieg umgerechnet 15 000 Euro erhielt, ließ nach achtstündigem Wettkampf freiwillig auch seine noch verbliebene Unterhose fallen: Weitere 15 000 Euro gingen so an die Krebsforschung.

Deutsche Frauen nicht mutig genug

Mit 195 Spielern stellten die Buchmacher zugleich einen neuen Weltrekord auf, der Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde finden soll. Der letzte Rekord wurde 1999 in Estland aufgestellt. Die 104 Spieler starteten damals jedoch nackt und mussten sich bei einem verlorenen Spiel wieder anziehen.

Je später der Abend, um so unaufgeregter die Atmosphäre. Wurde zunächst jede gefallene Unterhose und jeder blanke Busen mit Applaus gefeiert, klickten in den späteren Runden nur noch die Jetons. "Auf lange Sicht führt nur eine Mischung aus Glück, Kombination und kontrollierter Körpersprache zum Sieg", erklärte der 28-jährige Croupier David. Die meisten Teilnehmer waren aber keine Profis. Selbst Sieger Young spielt erst seit etwa zwei Jahren. Einige Teilnehmer lernten sogar erst kurz vor Beginn des Wettbewerbs die Regeln. Doch trotz des offenen Charakters des Turniers blieb Poker eine Männerdomäne. Nur etwa ein Drittel der Spieler waren Frauen. Warum keine deutschen Frauen mit dabei waren, glaubte die Teilnehmerin Emma auch zu wissen: "Ich glaube, sie sind nicht mutig genug."

DPA

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