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Warum Tennis sich hervorragend für Manipulationen eignet

Gab es Wettmanipulationen im Tennis? Angesichts der schlimmen Gerüchte droht der Sport bei den Australian Open in den Hintergrund zu rücken. Wer hat ein Interesse an Spielverschiebungen und wie laufen diese ab? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Der Thailänder Luksika Kumkhum beim Aufschlag bei den Australian Open

Der jüngsten Enthüllungen zum Wettbetrug im Tennis wiegen schwer - vieles liegt derzeit aber noch im Dunkeln

Seit diesem Montag kämpfen die besten Tennisspieler der Welt bei den Australian Open um den ersten Grand-Slam-Titel der Saison. Doch schon vor dem ersten Ballwechsel im Melbourne Park schien der Sport in den Hintergrund zu rücken. Grund sind Enthüllungen von "BBC" und "BuzzFeed" über vermeintliche Wettmanipulationen. Demnach sollen rund 16 Profis aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein.

Gerüchte, dass gerade bei unterklassigen Turnieren nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es schon länger. Bereits 2008 gab der der schottische Profi Andy Murray gegenüber "BBC" zu, keinen Zweifel daran zu haben, dass im Tennis Spiele verschoben werden. "Es ist sehr enttäuschend für alle Spieler, aber jeder weiß, dass es passiert", sagte der damals 20-Jährige. Und auch der aktuelle Weltranglisten-Erste Novak Djokovic bestätigte im Zuge der jüngsten Enthüllungen Berichte von 2007, wonach sein Umfeld angehalten worden sei, dem Serben anzubieten, ein Spiel in St. Petersburg gegen eine Geldzahlung zu verlieren. Die Versuche seien damals sofort zurückgewiesen worden, so Djokovic.

Tennis gilt eigentlich als sauber und elitär

Fest steht: Die Enthüllungen werfen einen dunklen Schatten auf eine Sportart, die stets um ihr sauberes und elitäres Image bemüht war und ist. Zumal die "BBC" und "BuzzFeed" den Spielerorganisationen vorwerfen, entsprechende Informationen gezielt verschleiert und  Warnungen ignoriert zu haben. Obgleich es bislang keine belastbaren Beweise gibt, stellt sich die Frage, warum das Tennis immer wieder mit Wettbetrug in Verbindung gebracht wird. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Spieler sind von den Wettbetrugsvorwürfen betroffen?

Sowohl "BBC" als auch "BuzzFeed" nennen in ihren Berichten keine Namen. Unter den insgesamt 16 Verdächtigen sollen sich jedoch auch einige noch aktive Spitzenspieler befinden, darunter ein Grand-Slam-Sieger. Acht von ihnen sollen bei den aktuell begonnenen Australian Open teilnehmen. 

Wer hat die verdächtigen Wetten abgesetzt?

Den Enthüllungen zufolge wurden die ins Visier der Ermittlungen geratenen Wetten vor allem von Wettsyndikaten aus Russland und Italien abgesetzt. Demnach seien teilweise Beträge von mehreren Hunderttausend Pfund auf einzelne Partien gewettet worden. 

Warum ist Tennis für Wettbetrüger so interessant?

  • Vom ersten Aufschlag über den ersten Doppelfehler bis hin zur Frage, wer welchen Satz und am Ende das Spiel verliert: Es gibt fast nichts, auf das man beim Tennis nicht wetten kann. Vor allem bei Online-Wettanbietern erfreuen sich Tennis-Wetten daher großer Beliebtheit. Und der Markt ist riesig: Laut Informationen von "Buzz Feed", die sich auf Angaben der britischen Glückspielkommission stützen, werden pro Jahr weltweit mehr als sieben Milliarden US-Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) auf Tennis-Wetten platziert.
  • Anders als in Mannschaftssportarten wie Fußball, der ebenfalls regelmäßig mit Manipulationen in Verbindung gebracht wird, muss im Tennis nur eine Person bestochen werden: der Spieler. Dem wiederum ist nur schwer nachzuweisen, einen Satz oder ein ganzes Spiel absichtlich verloren zu haben.
  • Laut dem "BBC"-Tennisexperten Russell Fuller verdienen selbst einige Top-Profis, vor allem aber außerhalb der Top 200 platzierte Spieler häufig nicht mehr als 40.000 Pfund (etwa 52.000 Euro) pro Saison. Davon müssen die Sportler in den meisten Fällen noch Trainer-, Reise- und Hotelkosten bezahlen. Da Wettbetrüger den Berichten zufolge teilweise mit Beträgen zwischen 50.000 und 100.000 Pfund locken, sind sie für derartige Angebote offenbar besonders empfänglich.

Wie laufen die Wetten ab?

Laut den Recherchen von "BuzzFeed" gibt es drei verschiedene Wege, die die Wettbetrüger nutzen, um Spiele zu verschieben. Die Absprache erfolgt demnach über Mittelsmänner, die in der Regel mit dem Umfeld des Spielers in Kontakt stehen und entsprechende Anweisungen geben. Eher selten wird der Betrug demnach mit dem Profi persönlich "ausgehandelt". 

  • Die einfache Manipulation: die am weitesten verbreitete Methode des Wettbetrugs. Dem Spieler wird dabei eine bestimmte Summe geboten, damit er ein Match absichtlich verliert.
  • Die "Set and Break"-Manipulation: Bei dieser Art des Betrugs wird der vermeintliche Favorit vom Betrüger angewiesen, den ersten Satz ("Set") - wie zu erwarten - zu gewinnen und auch im zweiten Satz in Führung zu gehen, sprich dem Gegner möglichst dessen Aufschlagspiel ("Break") abzunehmen. Dies hat zur Folge, dass die Quoten für einen Sieg des Außenseiters - da angesichts des bisherigen Spielverlaufs sehr unwahrscheinlich - weiter steigen. In diesem Moment der höchsten Quote platzieren die Betrüger ihre Wette - wohlwissend, dass der in Führung liegende Spieler anschließend das Spiel doch noch verlieren oder gar aufgeben wird - beispielsweise wegen einer vorgetäuschten Verletzung.
  • Spezifische Manipulation: Bei dieser Form des Betrugs erklärt sich der Spieler beispielsweise bereit, nur einen bestimmten Satz zu verlieren oder ein bestimmtes Ergebnis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erzielen (z. B. ein 40:40 im dritten Spiel des ersten Satzes). Wie oben beschrieben, ist es gerade bei Online-Wettbüros möglich, auf fast alle erdenklichen Zwischenstände zu wetten. Gerade diese Form des Betrugs dürfte besonders schwer nachweisbar sein - vor allem, wenn der Favorit das Spiel letztlich wie im Vorfeld erwartet gewinnt. 
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