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7. November 2008, 12:52 Uhr

Raabs Runde der Dilettanten

Pokern ist in, Promis sind es sowieso, doch beides zusammen funktioniert nicht: Bei der "TV Total Pokernacht" hat die Runde um Stefan Raab jegliche Spielintelligenz vermissen lassen. Vor allem ein Möchtegern-Zocker blamierte sich bis auf die Knochen. Von Christoph Schäfer

Zoom
Poker, TV Total, TV Total Pokernacht, Stefan Raab, pokerstars.de

Ein Pokerface sieht anders aus: der ewig grinsende Stefan Raab© ProSieben

Poker-Moderator Oliver Welke trifft den Nagel auf den Kopf: "Seit der Finanzkrise gilt Pokern als vergleichbar sichere Geldanlage", sinniert er zu Beginn der Sendung. Was Welke nicht erwähnt: Das gilt nur, wenn man gegen die Promis von Stefan Raab spielt.

Die meisten von ihnen beteuern in der zehnten "TV Total Pokernacht" noch vor dem Start des Turniers ihre Ahnungslosigkeit. In professionellen Kreisen würde dies sofort als Signal zum Angriff verstanden, doch Raabs Gäste kümmert das offenbar wenig. So bekennt Schauspieler Moritz Bleibtreu, lediglich "ab und an zu pokern". Elton räumt ein, dass er in den letzten Wochen "viel üben" musste. Und TV-Köchin Sarah Wiener will ihr mangelndes Glück gar "mit Ehrgeiz" ausbügeln - eine der wenigen Tugenden, die am Pokertisch nicht weiterhelfen.

Etwas mehr Spielsicherheit traut sich lediglich Rapper Sido zu, der auch privat gerne mal am Pokertisch sitzt. Die größten Siegchancen räumen die Moderatoren jedoch Barry ein, einem Berliner Sprinkleranlagen-Bauer, der sich in zwei Internet-Turnieren gegen Tausende Mitspieler durchsetzen musste, um an Raabs Promi-Turnier teilnehmen zu dürfen.

Lerneffekt gleich null

Gespielt wird bei Stefan Raab traditionell in der Variante "Texas Hold'em no Limit", der mit Abstand populärsten Pokerart in Deutschland. Zwei kurze Einspielfilme erklären zu Beginn noch einmal die Regeln und die Rangfolge der Pokerblätter, doch zumindest bei den Promis bleibt der erhoffte Lerneffekt weitgehend aus.

Runde um Runde zeigen sie haarsträubende Spieltechniken, setzen gegen alle Wahrscheinlichkeiten. So überlegt der Gastgeber lange, ob er mit einer 4 und einer 7 in der Starthand im Spiel bleibt. "Stefan geht immer davon aus, dass der Gegner nichts hat", erklärt Moderator Welke. Allerdings vergesse Raab dabei gerne, "dass er selbst auch nichts hat".

Tatsächlich wird in dieser Nacht so ziemlich jede Pokerweisheit missachtet, die Millionen anderer Spieler beherzigen. So berichtet Elton seinen Mitspielern beispielsweise wahrheitsgemäß, dass er soeben ein Viererpärchen weggeworfen hat, und bricht damit die goldene Regel, niemals ohne Not über die eigenen Startkarten zu sprechen.

Auch Sarah Wiener bekleckert sich nicht mit Ruhm, als sie mit betont lässiger Geste und coolem Gesichtsausdruck einige Jetons in die Tischmitte werfen will - und die Chips schnurstracks auf dem Fußboden landen.

Eine Viertelstunde später reicht es sogar Moderator Welke. "Wir hatten uns vor der Sendung eigentlich ganz fest vorgenommen, hier nichts schlimm zu finden und alles zu loben. Aber es geht einfach nicht", kommentiert er die Spielzüge der Teilnehmer. Co-Moderator Michael Körner sieht das ebenso: "Nein, das geht wirklich nicht."

Raab schießt Bock des Abends

Den Bock des Abends schießt der Gastgeber wenig später höchstpersönlich. Selbst als alle Gemeinschaftskarten offen in der Tischmitte liegen, übersieht Stefan Raab seinen Herz-Flush, eines der besten Pokerblätter überhaupt. Die eigentlich zwingend gebotene Erhöhung bleibt aus, er lässt den Einsatz unverändert - und wundert sich sogar, dass er mit seinem exzellenten Blatt wirklich gewonnen hat.

Der Rest der Partie verläuft unspektakulär: Weil er etwas Pech hatte, muss Sido als erster den Tisch verlassen. Von seiner Niederlage noch ganz mitgenommen rennt er dabei fast gegen die Ausgangstür. Nach drei grottenschlechten Spielzügen folgt ihm TV-Köchin Wiener hochverdient auf die "Loser-Couch" hinter der Studiowand.

Auf den Plätzen Drei und Vier scheiden Moritz Bleibtreu und Stefan Raab aus dem Rennen. Im Finale verliert Online-Qualifikant Barry dann mit etwas Pech gegen Elton, der 50.000 Euro mit nach Hause nehmen darf. Im Siegestaumel spricht er - endlich - eine echte Erkenntnis aus: "Poker, das ist ein Teufelsspiel."

Von Christoph Schäfer
KOMMENTARE (10 von 23)
 
BreadMan (07.11.2008, 19:21 Uhr)
@Reiner Unsinn
Unglücklicherweise muss man diesen Beitrag aber im Kontext sehen - und der lautet Texas Hold'em, zumal das klassische Spiel in Deutschland kaum vorkommt. Man kann streiten, aber wer das so liest, ohne Hintergrundinfos, nimmts ev. für bare Münze. Und für Hold'em isses falsch - also nix Thema verfehlt. Bitte ebenfalls setzen. 6
Sublucem (07.11.2008, 13:18 Uhr)
Wichtige Nachricht
Wie soeben Stern, der Pro7-Außenposten für SchriftWars 2 ("Das Empörium schlägt zurück") soeben mitteilte, wird es morgen eine ausgiebige Berichterstattung zum "Testbild" auf ARD geben. Danach folgt ein knallhart von BILD recherchierter Sonderbericht zum Thema "Kopiert: Beiträge werden recyclt".
*** Änderungen vorbehalten ***
havranek (07.11.2008, 12:45 Uhr)
Herz-Flush
@ Herr Schäfer
Wenn Sie schon versuchen die "Dilettanten" auseinander zu nehmen sollten Sie selber mehr Ahnung von Pokern haben, so geht der Schuss gehörig nach hinten los!
Herz-Flush, eines der besten Pokerblätter überhaupt. Ach so, ein Karo-Flush wäre wohl besser gewesen... Loser!
Wäre es ein Poker-Turnier auf RTL mit Dieter Bohlen gewesen, ja dann könnten wir heute lesen wie intelligent die Runde war, wie toll die gespielt haben.
Ach, mich würde so ein Arbeitgeber ankot*en, nur nach den Regeln des Hauses schreiben, wie einfältig! China-Zensur lässt grüssen...
Reiner.Unsinn (07.11.2008, 12:16 Uhr)
@BreadMan
Netter Beitrag! Dummerweise ist bei besagter Fotostrecke mit keiner Silbe von Texas Hold'em die Rede!
Somit gilt: Thema verfehlt - Setzen! 6!

RomanTicker (07.11.2008, 12:15 Uhr)
Nicht so ernst
Dies ist eine Unterhaltungssendung und das verstehen einige Leute nicht. Der Unterhaltungswert einer solchen Show, in der bekannte Personen in unüblichen Disziplinen gegeneinander antreten, ist für mich viel größer, als wenn irgendwelche Profis gezeigt werden. Stefan Raab hat da eine Marktlücke entdeckt und mit diesem Prinzip sehr innovative und interessante Sendungen ins Fernsehen gebracht. "Schlag den Raab", "TV Total Turmspringen", etc. haben entsprechend höhere Einschaltquoten als die meisten Profi-Sportübertragungen, abgesehen von Fussball. Wer schaut sich schon Olympia im TV an. Aber wenn Stefan und ein paar Promis vom Turm springen ist der Unterhaltungswert doch um einiges höher.
Niveau und Anspruch begenen einem doch im beruflichen Alltag genug. Was ist so schlimm an einfacher Unterhaltung am Abend?
farbklecks (07.11.2008, 12:07 Uhr)
Experten?
Wie immer sitzen die, die es perfekt
beherrschen, im Publikum oder schreiben Kommentare.
arniston (07.11.2008, 11:38 Uhr)
guildo horn, unser elvis
,,schlag,, den raab doch mal wirklich !!!
chelestex (07.11.2008, 11:35 Uhr)
@kuki83
Genau solche Aussagen und vor allem Denkweisen sind es, die sicher nichts ändern. Ich finde man sollte als Leser, der diese Seite und die Berichte schätzt, auch kritisieren, wenn man mit der Art der Berichterstattung und der Artikel nicht (mehr) einverstanden ist; in diesem Fall Artikel über C-Promis und deren Sendungen. Auch ich bedaure, dass stern.de derlei Themen immer mehr Platz einräumt. (siehe auch B.Becker uvm.)
mfg
BreadMan (07.11.2008, 11:00 Uhr)
Der größte Unfug...
...steht bei der Fotostrecke aber
beim Royal Flush. Denn diesen gibt es
am Pokertisch beim Hold'em nur einmal. Der Spieler braucht beim Hold'em zwei Handkarten und den Flop+Turn+River, bestehend aus fünf Karten, von denen drei zu den Handkarten einen Royal Flush ergeben. Demzufolge hat der Spieler 10-Ass einer Farbe auf der Hand und in der Tischmitte zu liegen. Um ebenfalls einen Royal Flush zu haben, müsste ein anderer Spieler ebenfalls zwei Handkarten und drei in der Mitte von 10-Ass in einer anderen Farbe haben. Das geht aber nicht, da es dann 6 Karten in der Mitte bräuchte. Kurzum: Es geht schlicht nicht, dass zwei Royal Flushes an einem Tisch in einer Runde vorkommen. Damit ist der Royal Flush die Hand zum Sieg.
kuki83 (07.11.2008, 10:44 Uhr)
@ gersta
Gersta ist das Parade-Beispiel für meinen vorherigen Eintrag. Wenn dich der Artikel nervt, wieso liest du ihn dann? Bei welchen, in deinen Augen, relevanten Artikeln auf Stern.de finde ich denn noch Kommentare von dir?
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