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30. August 2007, 15:05 Uhr

Viel Schweiß, keine Antworten

Neues von Jan Ullrich: Auf einer Messe hat sich der unter Dopingverdacht stehende ehemalige Rad-Star seit langem mal wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Ullrich lachte viel und wirkte gelöst. Fragen nach Doping-Vorwürfen waren nicht zugelassen.

Da isser wieder, und wie! Bestens gelaunt präsentierte sich Jan Ullrich auf einer Fahrradmesse© Michael Latz/DDP

In seiner Karriere hat Ex-Radprofi Jan Ullrich schon so manchen Tropfen Schweiß vergossen. Jetzt tut er das nur noch für die Wissenschaft. Auf der Internationalen Fahrradmesse Eurobike trat der unter Doping-Verdacht stehende 33-Jährige unter großem Medienandrang am Donnerstag als "bionisches Messinstrument" einer Schweizer Firma auf. Die X-Technology R&D Swiss GmbH entwickelt Wäsche für Hochleistungssportler und erforscht, wie sich der Schweiß, der die Haut kühlt, mit Hilfe der richtigen Bekleidung in Energie umwandeln lässt.

Die etwa 80 Teilnehmer der Pressekonferenz erlebten einen sichtlich gut gelaunten und entspannten Mann ohne Schweißperlen auf der Stirn. Seit seinem Rücktritt vom Profi-Radsport im vergangenen Februar haben Ullrichs öffentliche Auftritte Seltenheitswert.

Wer gehörig ins Schwitzen kam, war Ullrichs wissenschaftlicher Partner, Prof. Bodo Lambertz. Als die unvermeidliche Frage nach den Doping-Vorwürfen gegen Ullrich kam, sank die Stimmung im Saal auf den Nullpunkt. Höflich, aber bestimmt beschied der Forscher den Fragesteller: "Mich interessieren diese Dinge nicht, Ich bin nicht derjenige, der moralische Bewertungen macht."

Weiterhin beste Kollegenkontakte

Schon vor Beginn der Veranstaltung hatte ein Moderator unmissverständlich klar gemacht, dass Fragen zur Vergangenheit von Jan Ullrich oder gar nach möglichen Beziehungen zu unerlaubten leistungssteigernden Mitteln deplatziert wären. Der Tour-de-France- Sieger von 1997, der seine aktive Laufbahn im Februar beendet und dabei Doping-Vorwürfe zurückgewiesen hatte, schaute mal nachdenklich, mal fröhlich ins Publikum. Während der Professor seine Forschungen erklärte, stärkte sich Ullrich mit einem Snack.

Die Energie konnte er gebrauchen, um seinerseits die Frage zum Doping-Verdacht abzuwehren. "Wenn ich etwas dazu sagen möchte, werde ich den Zeitpunkt und das Medium selbst bestimmen", verkündete er. Entlocken ließ er sich immerhin, dass er immer noch gern Fahrrad fahre. "Das ist Leidenschaft." Und dass er weiterhin beste Kollegenkontakte habe. "Bei mir gehen gute Freunde, gute Radprofis, immer noch ein und aus."

"Würde ihn im Moment nicht einladen"

Von den hitzigen Debatten in der Profi-Radsportszene vor der anstehenden Stuttgarter Straßenrad-WM war bei Ullrichs Auftritt nichts zu spüren. Unberührt von allem kündigte er an, dass er auf der Eurobike, die noch bis zu diesem Sonntag dauert, jeden Tag Autogramme geben wolle. Ob Ullrich der geeignete Werbeträger für die "größte Fahrradmesse der Welt" ist, wie Messechef Klaus Wellmann die Ausstellung vor der Eröffnung genannt hatte, muss sich noch zeigen.

Christoph Goebel, Vorsitzender des Zweirad Groß- und Außenhandelsverbandes (ZGA), hat da so seine Zweifel. Auf die Frage, ob Ullrich als Aushängeschild für die Branche tauge, hatte er gesagt: "Ich würde ihn wahrscheinlich im Moment nicht einladen."

DPA/kbe

 
 
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