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12. Juni 2009, 14:28 Uhr

Das Ballett der Gewalt

In den USA ist Ultimate Fighting längst erfolgreicher als Boxen. Nun ist Deutschland dran. Morgen wird der Kampf im Käfig erstmals nach Deutschland exportiert. Verbotsforderungen stehen gegen Blutdurst. Aber ein Verbot wäre Unsinn, findet Sophie Albers. Eine Einführung ins Ballett der Gewalt.

Ultimate Fighting, UFC, Dana White, Fertitta, Köln Lanxess Arena, The Comeback, Forrest Griffin, Randy Couture

Forrest Griffin im Clinch mit Quinton "Rampage" Jackson© Ronda Churchill/AP

Seit bekannt ist, dass am Samstag in Köln der amerikanische Veranstaltungshit Ultimate Fighting Championship (UFC) erstmals in Deutschland aufschlägt, werden vermeintliche Moralhämmer geschwungen. Ultimate Fighting sei "kein Sport", sondern "ein Verstoß gegen die Menschenwürde", "Tiefpunkt der niedrigsten Instinkte eines Menschen", befördere die "Verrohung der Sitten", denn der Käfigkampf habe nur ein Ziel: "die totale Vernichtung des Gegners", so der Tenor in Lokalpolitik und Medien. Da wird aus Klischees, Vorurteilen und Ignoranz ein Monster geschaffen, das so groß und schrecklich ist, dass keiner genauer hingucken mag - was immer ein Fehler ist und zudem Indiz dafür, dass es etwas zu verbergen gibt, wovon das Monster wunderbar ablenkt. Also her mit dem Ungeheuer.

Am 30. Dezember 2006 hatte das "Monster" seinen Käfig in Las Vegas aufgebaut, es schnaubte, schwitzte, starrte, und trug nichts außer Muskeln, abgeschnittene Handschuhe und Shorts. Der professionelle Ultimate Fighter Chuck Liddell war gerade dabei, einem blondgefärbten Fleischberg mit eng stehenden Augen das Gesicht zu deformieren. Immer wieder donnerte seine unerbittliche Rechte in Haut und Knochen. Bis der Gegner wegsackte. "Iceman" Liddell hatte den "Huntington Beach Bad Boy" Tito Ortiz zum zweiten Mal "bestraft", wie es im UFC-Jargon heißt. Und die Einschaltquote dieses Pay-per-View-Ereignisses - denn in den Staaten ist UFC vor allem ein Bezahlfernseh-Hit - schrieb Geschichte: Mehr als eine Million Zuschauer hatten den TV-Zugang erstanden, was dem Veranstalter des Kampfes, der gerade mal 13:59 Minuten dauerte, geschätzte 41,95 Millionen Dollar einbrachte. Boxen war gestern.

Die Macher

Begonnen hat die UFC Anfang der 90er als Idee eines Werbefachmanns, eines brasilianischen Jiu-Jitsu-Trainers und eines Filmemachers: Welche ist die beste aller Kampfsportarten, lautete die simple Frage. Sie riefen einen "Krieg der Welten" aus, ließen Boxer gegen Wrestler, Karatekämpfer gegen Sumo-Ringer und Judoka gegen Kickboxer antreten. Das Ganze wurde an einen Pay-per-View-Kanal verkauft und war ein großer Erfolg. Doch nicht in der öffentlichen Diskussion. Wegen der Brutalität dieses Wettbewerbs - die Regeln waren vor allem eines: wenige - hagelte es schließlich Verbote für den "menschlichen Hahnenkampf", wie der damalige Senator und spätere Präsidentschaftskandidat John McCain das Ultimate Fighting nannte. Trotz Ausweitung der Regeln stand die UFC am Ende des 20. Jahrhunderts vor dem Bankrott.

Auftritt der Brüder Frank und Lorenzo Fertitta: Die Fertittas, beide um die 40, sind Casinobetreiber aus Las Vegas. Für zwei Millionen kauften sie die UFC und gründeten das Unternehmen Zuffa LLC, um das Showkampf-Geschäft zu verwalten. Ihr Schulfreund Dana White, ehemaliger Türsteher und Boxpromoter, wurde als Präsident eingesetzt. Bei der Milliarde Dollar, die die UFC laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" mittlerweile wert sein soll, sind wir damit aber noch lange nicht. Zwar konnten die Fertitta-Brüder die Käfigkampf-Verbote aushebeln, und die Fangemeinde wuchs täglich, doch die UFC machte Verluste. Laut CNN waren es im Jahr 2004 rund 34 Millionen Dollar. Aber dann kam ja "Iceman" gegen den "Huntington Beach Bad Boy".

Natürlich war es nicht nur dieses schnelle Gedresche, das Chuck Liddell den Champion-Gürtel im Schwergewicht und den Fertittas ihr Geld zurückbrachte. Es war ein Mediensturm, und diesmal ein guter für die Jungs im Käfig mit dem blutbefleckten Boden. Die Quoten stimmten, die Arenen der Live-Kämpfe waren ausverkauft, die Sponsoren willig, und die eigene Castingshow "The Ultimate Fighter" beim Sender Spike-TV (gehört zu MTV) ein Hit. Der Rubel rollte.

Ultimate Fighting, UFC, Dana White, Fertitta, Köln Lanxess Arena, The Comeback, Forrest Griffin, Randy Couture

Randy "The Natural" Couture ist der Papa unter den Kämpfern© Philipp Guelland/DDP

Mittlerweile hat die Szene Stars, die sie pflegt. Wie Barbiepuppen verkörpern sie verschiedene Typen. Der Zuschauer kann sich einen aussuchen, der dann für ihn mitspielt: der intelligente Clown Forrest Griffin war Gewinner der ersten "The Ultimate Fighter"-Staffel, und sein Kampf um den Halbschwergewichtstitel gegen den Möchtegern-Muhammad-Ali Quinton "Rampage" Jackson im Juli 2008 war ein Großereignis. Randy "The Natural" Couture ist mit 45 Jahren der Papa unter den Kämpfern und mit seiner milden Art und dem breiten Lachen der größte Sympath. Der Anti-Couture ist Brock Lesnar, monströse 120 Kilogramm verteilt auf 1,90 Meter, die er arrogant-gnadenlos auf seine Gegner wirft. George St. Pierre ist so hübsch und elegant wie der junge Jean-Claude van Damme. Und wenn Anderson "The Spider" Silva sein "Ballett der Gewalt" aufführt, bricht die gesamte Szene in Anbetung aus. Er ist derzeit der Unberührbare im Octagon, wie der maschendrahtumzäunte Ring heißt. Das Wort stammt aus Schwarzeneggers "Conan - der Barbar", der im Achteck kämpfen musste, weil es darin keine Ecke zum Verstecken gibt. Das will hier allerdings auch niemand.

Teil 2: Der Kampf - Die Sicherheit - Die Moral

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