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Junge DSV- Adler noch nicht flügge

Die deutschen Skispringer wollen bei der Vierschanzentournee endlich wieder vorne mitmischen. Bundestrainer Schuster schickt eine starke Mannschaft ins Rennen. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf zwei jungen Springern, die in der Qualifikation jedoch noch nicht glänzen konnten.

  Deutscher Hoffnungsträger: Severin Freund bei einem Trainingsdurchgang in Oberstdorf

Deutscher Hoffnungsträger: Severin Freund bei einem Trainingsdurchgang in Oberstdorf

Nach einem besinnlichen Weihnachtsfest im Kreise ihrer Familien wollen es Deutschlands Skispringer bei der 60. Vierschanzentournee ordentlich krachenlassen. "Mit diesem Team sollte es möglich sein, eine deutlich bessere Tournee zu springen. Wir wollen ein gewichtiges Wörtchen mitreden", richtete Bundestrainer Werner Schuster eine Kampfansage an die Konkurrenz.

Aus dem zwölfköpfigen Aufgebot, das Schuster nach den Springen in Oberstdorf (30. Dezember) und Garmisch-Partenkirchen (1. Januar) halbieren muss, ragt ein Duo heraus: Richard Freitag und Severin Freund.

Die befreundeten Zimmerkollegen haben dem deutschen Skisprung in diesem Winter mit vier Podestplätzen zu neuer Blüte verholfen und wollen die Millionen Fans vor dem Fernseher und an den Schanzen mit weiten Flügen verzücken. "Wir wollen mit einer positiven Grundhaltung und realistischen Erwartungen in die Tournee gehen und uns dann von der Welle tragen lassen", sagte Schuster.

Rückschlag in der Qualifikation

Bei der Qualifikation für das erste Springen in Oberstdorf musste das junge Team allerdings einen Rückschlag hinnehmen. Freund kam lediglich auf 117,5 Meter und Rang 27. Für Richard Freitag reichte es bei schwierigen Bedingungen sogar nur 109,5 Metern und Platz 42.

Stattdessen glänzte "Altmeister" Martin Schmitt als bester DSV-Athlet auf Rang 13. Maximilian Mechler wurde mit 123,5 Metern 18. Stephan Hocke, Andreas Wank, Markus Eisenbichler und David Winkler komplettieren das DSV-Team beim ersten Wettbewerb der Jubiläums-Tournee.

Pech hatte Michael Neumayer, der Opfer des heftigen Rückenwindes wurde und mit 105,5 Meter ausschied. Auch Pascal Bodmer, Felix Schoft und Daniel Wenig verpassten den Sprung ins 50 Athleten umfassende Feld.

"Richard kann auch die Tournee gewinnen"

Dennoch: Vor allem der jüngste Höhenflug von Freitag, der vor zwei Wochen in Harrachov seinen ersten Weltcupsieg feierte, lässt Experten wie Kollegen ins Schwärmen geraten. "Er hat das Potenzial, sich dauerhaft in der Weltspitze zu etablieren", sagte der viermalige Tourneegewinner Jens Weißflog. Für Dieter Thoma, der 1989/90 triumphierte, hat der 20-Jährige das "Zeug zum Siegspringer" und "Starpotenzial". Und Martin Schmitt prophezeite: "Wenn Richard in einen Lauf kommt, dann kann er auch die Tournee gewinnen."

Daran mag Schuster zwar nicht denken. Aber der seit 2008 im Amt befindliche Chefcoach sieht seine zwei Vorzeigespringer auf Augenhöhe mit der bärenstarken Konkurrenz aus Österreich und Norwegen. "Dass wir in der Spitze mit zwei Sportlern vertreten sind, ist eine tolle Ausgangslage für die Tournee. Es ist mehr Spannung garantiert als in den Jahren zuvor", meinte Schuster.

Zumindest die Fans träumen von Höhenflügen, und die Organisatoren reiben sich angesichts des wie geschmiert laufenden Ticketverkaufs die Hände. Auch im Deutschen Skiverband (DSV) könnte die Stimmung kaum besser sein. "Dass es im Skispringen wieder aufwärts geht, ist ein Glücksfall für den Verband. Das ist kaum mit Geld aufzuwiegen", erklärte DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller.

Die Talsohle ist durchschritten

Im Biathlon, wo die Stadien bei den Heim-Weltcups dank Magdalena Neuner & Co. seit Jahren voll sind, hat der DSV keine TV-Rechte. Im nordischen Bereich schon, doch da herrschte zuletzt Flaute. Denn im Skispringen, laut Pfüller "der Bringer, die absolute Nummer eins", ging es seit der Erfolgs-Ära Schmitt/Hannawald kontinuierlich bergab.

Jetzt ist die Talsohle durchschritten, was Pfüller aufatmen lässt. "Die Zahlen des aktuellen Fernsehvertrages werden sich dadurch nicht ändern, auch die Werbung am Mann ist fix. Aber es stärkt unsere Position bei künftigen Verhandlungen. Wir haben unseren Partnern immer gesagt, dass wir uns selbst aus der Krise befreien werden. Dass uns dies nun gelingt, macht den Verband glaubhaft", sagte er.

Kein Druck vom DSV

Wunderdinge erwartet er von den Hoffnungsträgern Freund und Freitag jedoch nicht. "Wir haben nicht die Erwartung, dass einer der beiden die Tournee gewinnt. Oder dass sie zwei, drei Springen gewinnen", erklärte der Sportdirektor. "Aber natürlich gehen auch die Athleten mit einer anderen Erwartungshaltung rein."

Druck wird es vom Verband nicht geben. Muss es auch nicht, denn Pfüller weiß: "Wenn in jedem Wettbewerb eine Top-6-Platzierung herausspringt, wäre das mit Blick auf die WM 2013 und Olympia 2014 ein Riesenschritt nach vorn. Das Potenzial, noch weiter vorne zu landen, ist da."

Eric Dobias/DPA/DPA

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