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Was macht eigentlich ... Katrin Krabbe?

Sie war 1991 die schnellste Frau der Welt, im Jahr darauf wurde die Leichtathletin Katrin Krabbe des Dopings überführt.

Was macht Katrin Krabbe, einst schnellste Frau der Welt, heute?

Katrin Krabbe, 47. Sie hat zwei Söhne, 18 und 22, und lebt in Neubrandenburg

Bei der WM in waren Sie 1991 die beste Läuferin und siegten über 100 und 200 Meter. Wann waren Sie zum letzten Mal auf einer Tartanbahn?

Das ist schon lange her. Freiwillig würde ich heute nicht mehr sprinten. Wahrscheinlich könnte ich ohnehin nur noch zehn Meter richtig schnell laufen. Dann wäre auch schon Schluss.

Früher galten Sie als der Leichtathletik. Wie gefiel Ihnen der Titel?

Ich habe mich damit schwergetan. Natürlich kam die Leistung hinzu, aber ich fand es nicht so angenehm, für mein Aussehen auf den Thron gehoben zu werden. Ich kannte damals viele Spitzensportlerinnen, die trotz guter Leistung nicht von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden, weil sie vielleicht eine nicht so medienwirksame Sportart betrieben oder keine blonden Haare hatten. Wie ungerecht!

Sie hatten gut dotierte Werbeverträge, wurden als Model gebucht. Vermissen Sie den Ruhm manchmal?

Sagen wir es so: Ich möchte die Zeit nicht missen. Ich habe viele schöne Sachen erlebt und wurde für mein hartes Training reichlich belohnt. Dafür bin ich dankbar. Das Leben in der Öffentlichkeit vermisse ich aber nicht. Ich treffe mich lieber mit Freundinnen, statt Events zu besuchen.

Bereits ein Jahr nach Ihrem Doppel-WM-Sieg wurden Sie wegen Dopings gesperrt. Wie denken Sie heute darüber?

Natürlich hat meine Karriere unrühmlich und sehr traurig geendet. Damals war das für mich und auch für meine Familie eine Katastrophe. Es fiel mir schwer, mit den Anfeindungen umzugehen. Heute gehört das zu meiner sportlichen Vergangenheit, ich kann es nicht ausradieren.

Heute arbeiten Sie als Serviceassistentin in einem Autohaus. Macht das Spaß?

Es ist keine Herzensarbeit, aber ich gehe jeden Tag gern hin – auch, weil ich tolle Kollegen habe.

Sie sind ehrenamtlich als Sterbebegleiterin tätig. Wie kam es dazu?

Vor drei Jahren hörte ich eine Rede über unser Hospiz in Neubrandenburg, die mich tief berührte. Ich wusste sofort: Ich möchte Sterbebegleiterin sein. Es geht darum, schöne Stunden mit den Menschen zu verbringen. Wenn möglich, fahren wir an den See, besuchen ein Kirchenkonzert, reden. Wenn ich wieder gehe, spüre ich immer eine große Dankbarkeit, meine Familie zu haben, gesund zu sein.

Ihr Mann hat sich vor zwei Jahren das Leben genommen. Wie schwer war und ist es, diese Entscheidung zu verkraften?

Das lässt sich eigentlich nicht in Worten beschreiben. Einerseits finde ich es mutig, so einen Schritt zu gehen; andererseits ist es feige, weil man Dingen aus dem Weg geht, von denen man denkt, dass man sie nicht lösen kann. Für mich ist das keine Option. Bei allen schweren Zeiten, die ich in meinem Leben hatte, gab es auch immer wieder schöne Momente.

Seit einiger Zeit haben Sie einen neuen Partner: den Handball-Manager Bob Hanning. Wie haben Sie sich kennengelernt?

Meine beiden Söhne sind begeisterte Handballer. Bruno spielte damals in Magdeburg, Aaron war bei den Füchsen in Berlin, die Bob auch managt. Nach dem Selbstmord meines Mannes setzte ich mich ins Auto, um beiden die Nachricht zu überbringen. Bob war von Anfang an involviert, hat viel mit mir geredet, mir Mut gemacht. Später gingen wir immer wieder was essen. Er hat ein riesengroßes Herz, ist ehrlich und verständnisvoll. Ein toller Mann. Ich bin dankbar, dass ich ihn habe.

Interview: Sabine Hoffmann

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