Lange rast zu Gold

19. Februar 2006, 20:34 Uhr

Erst am Start gepatzt, dann die Konkurrenz geputzt: Im dichten Schneegestöber von Cesana hat Andre Lange den Überblick behalten und mit Kevin Kuske den ersehnten Olympiasieg im Zweierbob eingefahren.

Gold-Jungs: Andre Lange (r.) und Anschieber Kevin Kuske©

Nach seiner Goldfahrt im Eiskanal von Cesana trommelte Andre Lange überglücklich auf seinen Schlitten und nahm seinen erleichterten Anschieber Kevin Kuske in die Arme. Vergessen war im Moment des Triumphs der kapitale Startfehler des 108-Kilo-Mannes, der das Unternehmen "Doppel-Gold" in Turin kurzzeitig gefährdet hatte. Doch wie so oft mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch raste der 32- Jährige zu seinem zweiten Gold und trat im Zweierbob das Erbe seines einstigen Dauerrivalen Christoph Langen an.

"Ich bin total glücklich und erleichtert. Man muss nur nach oben in den Himmel schauen, dann weiß man, wie wertvoll dieser Sieg ist", sagte der Viererbob-Olympiasieger von 2002, der wie schon in Salt Lake City auf seinen alten DDR-Kufen zu Gold fuhr. Mit 21/100 Sekunden Vorsprung verwies Lange Weltmeister Pierre Lueders auf Rang zwei vor dem Schweizer Martin Annen, der wie vor vier Jahren Olympia- Bronze gewann. "Ich habe gewusst, dass Andre nach dem Malheur stocksauer ist und noch einmal ein paar Prozent drauflegt", meinte der Kanadier deutscher Abstammung.

Bob Deutschland 1 im Ziel©

Der Riesaer Matthias Höpfner verspielte seine Chance auf Bronze mit zwei Fehlern im dritten Lauf und wurde Fünfter. "Ab der Hälfte der Strecke habe ich nichts mehr gesehen, daher war ich überrascht, dass die Zeit noch so gut war. Mir müssen auf Grund des Startrückstandes schon vier perfekte Läufe gelingen, damit es für eine Medaille reicht. Doch auf dieser anspruchsvollen Bahn ist dies fast unmöglich", sagte der 30-jährige Sachse.

Nerven behalten trotz Patzer im zweiten Lauf

Ausnahmepilot Lange, der auch im zweiten Lauf die Nerven behielt, als Kuske beim Start bäuchlings in den Bob stürzte, sich wieder aufrappelte und gerade noch im Schlitten landete, bewies einmal mehr seine Fähigkeiten an den Lenkseilen. "Die Strecke ist sehr schwierig, doch Andre mag solche Bahnen", meinte Heimtrainer Matthias Trübner, der schon nach dem Missgeschick prophezeit hatte: "Wer mit so einem Ding noch führt, der wird auch Olympiasieger." Kuske meinte zu seinem Patzer nur: "Ich habe mich turnerisch doch gut in den Bob gerettet."

Seinen Frieden mit der Bahn hat nun auch Cheftrainer Raimund Bethge gefunden, der am 30. November in Kurve 10 von einem australischen Zweierbob angefahren und schwer verletzt worden war. "Unglaublich, dass Andre mit dieser Gurke durchkommt, so etwas gibt es nur alle paar Jahre. Das ist einer der schönsten Siege in meiner Laufbahn. Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Auf Andre ist eben Verlass", meinte der 58-Jährige, der noch nach dem dritten Lauf einen Abbruch des Rennens gefordert hatte: "Die Piloten sehen bei dem Schneefall kaum etwas."

Lange beherrscht das Risiko

Der 32-jährige Lange, der sich eigens für Olympia seinen Kampfschnitt zugelegt und die Haare frisch blondiert hatte, legte den Grundstein für seinen Erfolg mit dem Bahnrekord (55,28 Sekunden) im ersten Lauf. Im dritten Durchgang baute er seinen Vorsprung auf Lueders noch einmal um eine Zehntelsekunde aus. "Er fährt im unteren Teil eine ganz andere Linie als die Konkurrenz. Mit viel Risiko zwar, doch er beherrscht das Risiko", meinte Langen.

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