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Unwürdig und traurig - aber richtig!

Das Undenkbare ist passiert: Werder hat sich von Thomas Schaaf getrennt - nach 14 Jahren. Der Schlussstrich war unvermeidbar. Der Zug der Zeit ist an Schaaf vorbeigerauscht.

Ein Kommentar von Klaus Bellstedt

  Das war es dann für Thomas Schaaf bei Werder. An der Weser geht eine Ära zu Ende.

Das war es dann für Thomas Schaaf bei Werder. An der Weser geht eine Ära zu Ende.

Es war eine merkwürdige Stimmung am vergangenen Samstag im Weserstadion. Man wusste als Werder-Fan nicht so recht, ob man nun weinen oder lachen sollte. Die Mannschaft hatte durch ein 1:1-Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt gerade den Klassenerhalt geschafft. Die Spieler lagen erleichtert, aber - wie Kapitän Clemens Fritz - zum Teil auch fassungslos über eine erneut enttäuschende Saison auf dem Rasen des Weserstadions. Thomas Schaaf war da schon verschwunden. Als Erster von allen Grün-Weißen hatte er den Innenraum durch den Spielertunnel verlassen. Das sah schon ein bisschen nach Abschied aus. Nahezu teilnahmslos schritt Schaaf durch den Bremer Nieselregen. Ein kurzes Winken in die Osttribüne. Das war's. Ob er wusste, dass es sein letztes Spiel als Werder-Trainer gewesen war? Viele in der Arena ahnten es, manche hofften es sogar.

Zumindest eine Vorahnung muss Schaaf gehabt haben. Spätestens, nachdem ihn Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer vor der Partie gegen Frankfurt erstmals öffentlich angezählt hatte. Das war schon deshalb so außergewöhnlich, weil Fischer, der starke Mann im Verein, zeitlebens als Schaaf-Fürsprecher galt. "Nach der Saison werden wir hier jeden Stein umdrehen. Dann werden wir über Personen sprechen", sagte Fischer, der sich über die Bereiche, für die Schaaf noch bis zu diesem Mittwoch mitverantwortlich war, klar und deutlich wie selten äußerte. "Wir haben es nicht geschafft, an die Europa League heranzurücken. Wir sind nicht glücklich mit den Einkäufen der letzten Zeit. Und nicht mit der Zuführung junger Spieler in den Profi-Kader." Das waren Ohrfeigen für Thomas Schaaf - und der Anfang vom Ende für den Trainer, der in 14 Jahren bei Werder eine ganz besondere Ära geprägt hat.

Unbestritten bleiben Verdienste und Erfolge

Dass die Trennung, oder besser der Rauswurf, nun doch schon vor dem Saisonende vollzogen wurde, ist allerdings überraschend – und hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Die Geschäftsführung hätte sich mit dem klärenden Gespräch ruhig noch ein paar Tage Zeit lassen können. So haben die Bosse Schaaf um sein letztes Bundesligaspiel als Trainer von Werder in Nürnberg und vermutlich um einen phänomenalen Abschied vor den 5000 Bremer-Auswärtsfans gebracht. Es ist jetzt ein Abschied durch die Hintertür. Das ist unwürdig. Wenngleich der Entschluss, sich vom 52-Jährigen zu trennen, natürlich richtig war.

Unbestritten und für jeden Bremer unvergesslich sind und bleiben Schaafs Verdienste und Erfolge als Trainer der Grün-Weißen. Er gewann mit Werder in 14 Jahren einmal die Meisterschaft und dreimal den Pokal. Sechsmal spielte der Club in seiner Dienstzeit in der Champions League. Insgesamt betreute Schaaf die Werder-Profis wettbewerbsübergreifend 644 Mal. Das ist eine unglaubliche Zahl. Schaaf stand wie kein anderer Trainer in Deutschland für totale Authentizität und eine Verwurzelung mit Verein und Stadt. Dieses viel gelobte Modell von Konstanz und Beständigkeit hat Werder Bremen zu einem der beliebtesten Fußball-Clubs der Republik gemacht – viel beliebter beispielsweise als den großen und strukturstärkeren Nordrivalen aus Hamburg, der für viele bis heute das Gegenteil von Kontinuität ausstrahlt. Aber auch bei Werder ist der Glanz vergangener Zeiten längst vorbei.

Schaaf mit Fehlern

Zuletzt verpasste der Club dreimal einen internationalen Wettbewerb. Die Kritik an Schaaf wurde immer lauter, wenngleich die Mehrheit der Fans bis zuletzt hinter dem Trainer stand. Aber ihr Blick war auch durch die Erfolge der Vergangenheit getrübt. Schaaf war schon lange kein Trendsetter mehr. Er stand seit mindestens drei Jahren auch nicht mehr für Veränderung, sondern für Stagnation, vielleicht sogar für Rückschritt. Der Zug der Zeit, er ist an Schaaf vorbeigerauscht. Bei seinen Ansprachen, im Trainingsalltag und im Umgang mit jungen Spielen sei das am besten zu beobachten, sagen seine Kritiker.

Und Schaaf hat Fehler gemacht. Folgenschwere. Gerade in dieser so desaströsen Saison mit einer Serie von zuletzt zwölf sieglosen Spielen am Stück. Zum Beispiel beim 2:2 gegen Fürth vor ein paar Wochen. Dort verunsicherte er durch die falsche Besetzung der Positionen seine Mannschaft. Zlatko Junuzovic im rechten Mittelfeld, Sokratis als Sechser, Aaron Hunt nur auf der Bank; verwundert rieben sich selbst neutrale Beobachter die Augen. Auch wenn Schaaf seine Fehler erkannte und sie manches Mal korrigierte, die Fehlgriffe in Sachen Aufstellung nahmen wohl auch bedingt durch den zunehmenden Druck zu. Einen Spieler wirklich besser gemacht, hat Schaaf in letzter Zeit auch nicht. Gänzlich gescheitert ist der Trainer aber vor allem darin, seinen Teams die eklatante Defensivschwäche auszutreiben. Früher - mit Micoud, Diego und Özil - überdeckte die fulminante Offensive alles. Ohne diese Ausnahmespieler zauberten Schaafs Mannschaften schon lange nicht mehr.

Erinnerungen an die Post-Rehhagel-Zeit

Eigentlich muss man sagen: die Mannschaften von Thomas Schaaf und Klaus Allofs. Denn unbestritten ist, dass auch der frühere Manager von Werder, der den Verein im Winter fluchtartig (und in weiser Voraussicht?) nach Wolfsburg verlassen hat, mitschuldig an der Misere in Bremen ist. Allofs' Personalpolitik war zuletzt einfach zu schlecht. Sinnbildlich hierfür stehen aktuell die Namen Elia, Arnautovic und Akpala. Alle drei wurden für viel zu viel Geld gekauft.

Nach Allofs ist nun auch Schaaf Geschichte in Bremen. Es kann eigentlich nur besser werden, könnte man meinen. Fenster auf und kräftig durchlüften, diese Chance ist jetzt gegeben. Einem tatsächlichen Umbruch steht eigentlich nichts mehr im Wege. Das ist die Hoffnung von vielen Werder-Fans. Aber sie sollten Geduld mitbringen. Denn eine Garantie für bessere Zeiten beinhaltet das Ende der Schaaf-Ära nicht. Das wissen sie in Bremen sehr genau. Vor allem diejenigen, die sich noch an die Post-Rehhagel-Phase erinnern.

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