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27. Juni 2006, 20:45 Uhr

Der Triumph des alten Mannes

In der Vorrunde hatte ihnen das Aus gedroht, jetzt stehen sie im Viertelfinale: Die Franzosen besiegten die spanischen Jungspunde mit 3:1 und treffen nun auf Brasilien - der Triumph ist auch ein Comeback für Zinedine Zidane.

Erzielte das entscheidende Tor zum 3:1: Zinedine Zidane© Shaun Botterill/Getty Images

Späte Tore der Routiniers Patrick Vieira und Zinédine Zidane haben Frankreich den Einzug ins WM-Viertelfinale beschert. Beim 3:1-Sieg der Franzosen über Spanien am Dienstagabend in Hannover erzielte Vieira in der 83. Minute das 2:1 per Kopf, in der Nachspielzeit machte Zidane mit dem 3:1 dann alles klar. In der ersten Hälfte hatte David Villa Spanien per Foulelfmeter in Führung gebracht (28.), Frank Ribéry in der 41. Minute ausgeglichen. Frankreich trifft am Samstag in Frankfurt am Main auf Brasilien. Damit kommt es im Viertelfinale zu einer Wiederauflage des WM-Finales von 1998. Damals siegte Frankreich mit einem überragenden Zidane 3:1. Der alternde Held ist zuversichtlich: "Wir sind gut drauf, wir sind zufrieden zusammenzuspielen, aber das Spiel gegen Brasilien wird keine einfache Übung."

Spiel der Taktik

Rund 43.000 Zuschauer sahen im 700. Spiel der WM-Geschichte besonders über weite Strecken der zweiten Hälfte eine Partie, die den hohen Erwartungen nicht gerecht wurde. Spanien trat mit Geburtstagskind Raul, der 29 Jahre alt wurde, in der Startformation an. Frankreichs Trainer Raymond Domenech spielte mit Thierry Henry als einzigem Stürmer an, David Trezeguet im Gegensatz zum 2:0-Sieg gegen Togo wieder auf der Bank. Die zuletzt gelbgesperrten Zidane und Eric Abigal kehrten ins Team zurück. Beide Teams gingen verhalten in die Partie, meist spielte sich das Geschehen im Mittelfeld ab. In der 9. Minute strich ein angeschnittener Freistoß von Mariano Pernia nur knapp am französischen Tor vorbei, später verfehlte Patrick Vieira nur knapp eine Flanke von Ribéry. In der 27. Minute trat der französische Rekordnationalspieler Lilian Thuram dem Spanier Pablo im Strafraum von hinten in die Beine, der umsichtige Schiedsrichter Roberto Rosetti aus Italien entschied auf Elfmeter, den Villa sicher zu seinem dritten WM-Treffer verwandelte. Vieira, der bereits im Spiel gegen Togo an beiden französischen Toren beteiligt war, bereitete dann in der 41. Minute den Ausgleich vor. Mit einem tollen Steilpass schickte er Ribéry, der Torhüter Iker Casillas aussteigen ließ und zum 1:1 einschob.

Zidane an zwei Toren beteiligt

In der zweiten Hälfte nahmen die Franzosen zunächst das Heft in die Hand. Casillas parierte in der 52. Minute glänzend gegen Malouda. Trainer Luis Aragones reagierte, nahm Torschützen Villa und den enttäuschenden Raul vom Platz und brachte dafür Joaquin und Luis Garcia. Doch mit zunehmender Spielzeit beschränkten sich beide Teams immer mehr darauf, den möglicherweise spielentscheidenden Fehler zu vermeiden, das Spiel bewegte sich fast nur noch im Mittelfeld. Zidane war es schließlich, der das 2:1 einleitete. Ein weiter Freistoß kam - unfreiwillig verlängert von Xabi Alonso - zu Vieira, der am langen Pfosten des spanischen Tores ungehindert zum Kopfball kam. Der spanischer Verteidiger Sergio Ramos fälschte den Ball noch unhaltbar für Casillas ab. Als die Spanier dann aufmachten, nutzte Zidane in der Nachspielzeit einen Konter, um alles klar zu machen. Es war der erste Treffer des 34-Jährigen bei dieser WM.

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Stimmen zum Spiel Raymond Domenech (Nationaltrainer Frankreich):
"Wir sind alle sehr glücklich über diesen Sieg. Mit ihm sind wir unserem großen Ziel, dem Finale am 9. Juli, ein Stück näher gekommen. Ribery hat heute durch seine Explosivität überzeugt, aber auch Zidane hat gezeigt, dass er noch beschleunigen kann."

Luis Aragones (Nationaltrainer Spanien):
"Wir sind alle sehr enttäuscht. In der ersten Halbzeit haben wir ein ausgeglichenes Spiel gesehen, hatten mehr Ballbesitz und die Chance, das 2:0 zu machen. In der zweiten Halbzeit sind uns dann einige Fehler unterlaufen, die von den Franzosen bestraft worden sind."

Zinedine Zidane (Frankreich):
"Das Abenteuer geht weiter. Wir sind alle sehr zufrieden, dass wir diese Runde überstanden haben. Die Vorrunde hat nicht das richtige Bild abgegeben von der französischen Mannschaft. Das haben wir heute bewiesen."

Stephan Köhnlein/AP
 
 
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