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Stiftung Stern

Am neuen Leben basteln

Seit einem Monat engagiert sich der stern für Asylbewerber in Hamburg-Billbrook. Redakteurin Catrin Bartenbach über ihre ersten Erfahrungen

Arbeit mit Flüchtlingskindern

Sie steht am Eingang des Container-Hauses. Ich sehe sie durchs offene Fenster. Halb ernst, halb neugierig schaut sie herüber. Aber sie traut sich nicht, den Raum voller fremder Menschen zu betreten, in dem wir selbst gebackenen Marmorkuchen, Kaffee und Gespräche anbieten. Sie ist um die 50, in rosa Pulli und dunkler Hose, und gehört zu den 600 Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft nicht aus, um sich ein neues Leben aufzubauen – Alltagskompetenz ist gefragt. Das „Wir schaffen das!“ der Bundeskanzlerin, es beginnt auch hier. Wir wollen den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, das Einleben in Deutschland leichter machen. Und lernen dabei selbst viel dazu.

Die erste Woche verlief noch holprig: Ankündigungszettel fruchteten nicht, keiner kam zu unseren Terminen. Bis ein Kollege mit Arabischkenntnissen an Türen klopfte und persönlich zum gemeinsamen Kochen einlud. Hummus, Tabouleh – die exotischen Düfte, die sich verbreiteten, lockten dann doch viele Esser an. Es wurde ein langer Nachmittag. Wir erleben, dass die Flüchtlinge aus vielen Nationen einander noch ebenso fremd sind wie wir ihnen. Jeder hier hat sein ganz eigenes Schicksal. Kreuz und quer laufen die Sprach- und Kulturbarrieren. Als ich später hinübersehe, will die ernste Frau gerade gehen. Sie nickt mir zu, ein kleines Lächeln in ihrem Gesicht. Ein Anfang ist gemacht.