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Stiftung Stern

"Von der Zukunft erwarte ich mir nichts"

Mariam, Omar, Haithan, Youssef, Majadah - sie alle sind vor dem Krieg geflohen. Ihre Schicksale stehen für das hunderttausender syrischer Kinder. Wie kommen sie in den Lagern in Jordanien oder dem Libanon zurecht? Was ist ihnen widerfahren? Wovor haben sie am meisten Angst?

Von Anna-Beeke Gretemeier

Mehr als vier Jahre dauert der Krieg in Syrien nun schon an. Neuste Statistiken sprechen von 230.000 syrischen Todesopfern. Die Zahl der Verletzten dürfte Schätzungen zufolge mindestens fünfmal so hoch sein.

Das syrische Volk ist auf der Flucht. Mehr als vier Millionen Syrer haben es bereits über die Grenze in ein Nachbarland geschafft. 7,6 Millionen Syrer suchen immer noch im eigenen Land Schutz vor der Gewalt und fliehen von Ort zu Ort.

Tagesbudget von 3 Euro

Nur die wenigsten Vertriebenen finden Zuflucht in einem Lager eines benachbarten Landes. In Jordanien leben gerade einmal 16 Prozent aller syrischen Flüchtlinge in offiziellen Camps. Der Rest - mehr als eine halbe Million Menschen - muss sich auf eigene Faust ein Dach über dem Kopf suchen. Und das bei einem durchschnittlichen Tagesbudget von 3 Euro.

So erschreckend die langen Reihen weißer Zelte von Flüchtlingscamps wie Zaatari - hier in der Wüste Jordaniens - also wirken von der Not und Verzweiflung der Vertriebenen erzählen sie nur wenig. Syrische Flüchtlingskinder beschreiben Helfern von World Vision, was wirklich in ihnen vorgeht:

"Was mich fertig macht: Mein Vater ist verschwunden. Niemand ist hier, um uns zu unterstützen", sagt Majadah weinend. Die 15-Jährige ist mit dem Rest ihrer Familie in einer Zeltstadt in Jordanien unterkommen. "Es ist schwer, von zu Hause wegzulaufen. An dem neuen Ort sprechen sie anders. Die Traditionen sind anders. Die Dinge sind in der Heimat alle leichter, es ist alles soviel vertrauter."

"Jeden Tag wurde geschossen und gebombt"

Auch der 12-Jährige Omar ist gezeichnet von Krieg und Flucht. Er zeigt auf seinen Kopf. "Die grauen Haare sind wegen dem Krieg gewachsen. Jeden Tag - morgens, mittags, abends, wurde geschossen, gebombt, Granaten auf Häuser geschossen."

"Wir wollen zurück nach Hause", sagt Haithan. "Wir wollen leben wie früher. Keiner will unser Freund sein. Es ist so unfair, wie wir leben. Wir bleiben immer im Haus, in Sicherheit, mit unseren Eltern", so der der 13-Jährige. "Wenn ich rausgehe, dann rufen andere Kinder: Da ist ein Syrer! Für sie bist Du nichts, nicht einmal ein Flüchtling."

Auch in den Camps im Libanon ist die Stimmung gedrückt. Youssef sagt: "Seit unserer Ankunft hat sich alles nur verschlechtert: Bildung, finanzielle Situation und unsere Lebensumstände. Ein neuer Tiefpunkt. Unser Leben wird hier verschwendet." Die 18-jährige Mariam fügt hinzu: "Wir haben nichts und zahlen trotzdem Miete, Schulgebühren, Essen, Kleidung und alles weitere. Die Lebensunterhaltungskosten sind hier viel höher als in Syrien. Was Bildung betrifft, es gibt sie nicht. Von der Zukunft erwarte ich mir nichts. Ich lebe ohne Hoffnung und Träume. Meine Zukunft ist vorbei."


Wenn Sie helfen wollen:

Mit Ihrer Spende unterstützt der stern Orienthelfer e. V. bei der Finanzierung von Prothesen und Operationen sowie Unterricht für Flüchtlinge. Die Stiftung stern hat Orienthelfer e.V., die Hilfsorganisation des Münchener Kabarettisten Christian Springer, in den vergangenen Jahren schon mehrfach unterstützt.