HOME

Wie sicher sind wir auf Großveranstaltungen?

Am Wochenende haben uns gleich zwei Nachrichten erneut erschüttert: Das Attentat in London mit sieben Toten und die Massenpanik in Turin mit Hunderten Verletzten. Die Verunsicherung der Menschen wächst: Können wir überhaupt noch zu solchen Veranstaltungen gehen?

Bei der öffentlichen Live-Übertragung des Champions-League-Finals auf dem San-Carlo's-Platz kam es zu einer Massenpanik

Bei der öffentlichen Live-Übertragung des Champions-League-Finals auf dem San-Carlo's-Platz kam es zu einer Massenpanik

Konzerte, Volksfeste, Public Viewing, Sportveranstaltungen, Sommer-Events – viele Menschen fragen sich dieser Zeit: Können wir noch zu solchen Veranstaltungen gehen? Dort, wo viele Menschen sind, droht womöglich ein Anschlag?

"Menschenmassen sind auf mich gefallen"

Am Samstagabend griffen Attentäter Menschen in der Londoner Innenstadt an und töteten sieben von ihnen; in Turin kam es – ebenfalls am Samstag – beim Public Viewing zu einer . Während des Champions-League-Finales zwischen Juventus Turin und Real Madrid, das rund 30.000 Fans des italienischen Clubs auf dem zentralen Platz San Carlo verfolgten, nahmen die Menschen plötzlich Reißaus. "Leider war ich mittendrin", erzählt Riccardo Zerbo, der mit seinem Freund Fabio das Spiel in Turin ansehen wollte. "Ich habe den Tod vor meinen Augen gesehen. Menschenmassen sind auf mich gefallen, ich war auf dem Boden eingeklemmt." Überall lagen Scherben, Gläser, Schuhe und Taschen.

Mehr als 1500 Menschen wurden verletzt, auch Riccardo verbrachte die Nacht im Krankenhaus. Ein siebenjähriger Junge rang tageleng mit dem Tod. Die genaue Ursache für die Massenpanik ist noch ungeklärt, womöglich war es ein falscher Alarm. "Manche haben geschrien 'Ein Auto kommt', andere haben 'Terror' geschrien", so der 26-Jährige Riccardo. "Von wo die Bewegung kam, habe ich gar nicht gemerkt. Es hat sich ein Loch gebildet. Das Loch hat alle nach hinten gedrückt."

"Die Leute haben geschrien: Rennt, rennt, rennt"

Riccardo Zerbo und Fabio Chiurazzi waren mit ein paar Freunden extra aus Villingen-Schwenningen angereist. Eigentlich sollte es einer der schönsten Tage für die Clique seit Jahren werden. Doch in dem Chaos verloren sie sich, keiner wusste zu dem Zeitpunkt, ob es wirklich einen Anschlag gab. Die Freunde aus Deutschland fanden sich erst spät in der Nacht wieder. Noch immer sind sie schockiert.

Die Angst der Menschen wächst. Offenbar reicht mittlerweile ein kleiner Impuls, um uns in Panik zu versetzen. Wie kommt es zu derartigen Paniken und wie verhält man sich dann richtig? Live bei stern TV berichteten Riccardo Zerbo und sein Freund Fabio  Chiurazzi am Mittwochabend von ihren Erfahrungen und den Konsequenzen für sie persönlich. "Es ist einfach schlimm, so etwas zu erleben", sagte Riccardo Zerbo auf die Frage nach emotionalen Verletzungen oder gar Traumata. "Diese panische Angst, weil man nicht genau weiß, was passiert. Man liegt auf dem Boden und hört nur 'Terror' und geht von dem gleich auch aus." Aus eigener Kraft habe er sich hochgedrückt, weil er sich gesagt habe: Ich will hier jetzt nicht sterben.

Der Gedanke an alle Anschläge, die in den letzten Monaten passiert sind, das sei das größte Problem, meinte auch Fabio Chiurazzi. "Das ist in den Köpfen der Leute", so der 24-Jährige. Er und ein Freud, den er wieder gefunden hatte, flüchteten in eine Supermarkthalle. "Jeder hat geschrien 'Rennt, rennt, rennt! Die schießen, Terror!' Der Besitzer von der Halle hat uns zum Glück aufgemacht und wir waren da für circa 30 Minuten. Viele andere dort waren verletzt, viele haben geweint, viele hatten noch nicht einmal mehr Schuhe an. Alle hatten panische Angst, denn wir wussten ja die ganze Zeit nicht, was überhaupt draußen los war."

Keine Terror, aber 1500 Verletzte

Die beiden Villingen-Schwenningener äußerten auch Kritik an dem Veranstalter des Public Viewing auf dem San Carlo-Platz in Turin, bei dem auch Glasflaschen verkauft wurden und kaum Kontrollen stattgefunden hätten: "Das Schreckliche ist: Es gab letztendlich keinen Terror. Aber trotzdem gibt es so viele Verletzte und Schwerverletzte. Das beweist, dass eine solche Massenpanik schnell stattfinden kann", sagte Fabio Chiurazzi. "Was die Organisation betrifft, ist Deutschland viel weiter."


Das könnte Sie auch interessieren