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Der Mann mit dem Riesenarm

Die Natur hat bei Matthias Schlitte eine Besonderheit hervorgebracht: Durch einen Gen-Defekt ist sein rechter Arm stark ausgeprägt. Daraus machte er eine Tugend - und wurde erfolgreicher Armwrestler.


Ein Wecker klingelt. Normalerweise tastet sich jetzt langsam eine Hand heran und schaltet ihn mit einem Tastendruck aus. Nicht so bei Matthias Schlitte. Sein ganzer Arm knallt auf den Wecker und lässt ihn in 1000 Stücke zerspringen...

Durch eine genetische Besonderheit ist der rechte Arm von Matthias Schlitte besonders ausgeprägt gewachsen. 

Durch eine genetische Besonderheit ist der rechte Arm von Matthias Schlitte besonders ausgeprägt gewachsen. 

Das macht Matthias Schlitte natürlich nicht im echten Leben. In diesem Fall hatte seine wuchtige Rechte einen Auftritt in einem australischen Werbespot. Wer den rechten Arm dieses Mannes sieht, glaubt zunächst an eine optische Täuschung. Tatsächlich jedoch ist der rechte Unterarm des 28-Jährigen aus Haldensleben in Sachsen-Anhalt ein Drittel kräftiger, als sein linker. Ursache dafür ist eine genetische Anomalie, das so genannte Klippel-Trénaunay-Weber-Syndrom, das zu örtlich begrenztem Riesenwuchs führt. Das als KTS abgekürzte Syndrom ist sehr selten. Nur einer von rund 100.000 Millionen Menschen wird mit dieser genetischen Besonderheit geboren.

"Der wird mal Boxer"

"Als Matthias geboren wurde, war schon offensichtlich, dass er zwei verschiedene Arme hat. Der eine war deutlich dicker als der andere", erinnert sich Schlittes Mutter Marita. "Und die Hebamme legte ihn mir in den Arm und sagte 'Der wird mal Boxer'.“

Boxer ist Matthias Schlitte zwar nicht geworden, dafür gehört er heute zu den besten Armwrestlern der Welt. Seine Geheimwaffe ist seine gewaltige Rechte, die ihm auch seinen Kampfnahmen "Hellboy" – Höllenjunge – einbrachte: "Ich bin zwar nicht rot und komme nicht aus der Hölle, aber ich habe rechts auch eine ganz schöne 'Wumme'. Und das verbindet uns", so der 28-Jährige über sein Comic-Vorbild. Matthias Schlitte machte aus der vermeintlichen Not eine Tugend. Zum Glück. Denn anfangs wollte man den Jungen von seinem Riesenarm befreien, erzählt Vater Volkmar Schlitte: "Die haben alle geguckt und wussten nicht, was sie machen sollten. Dann haben sie Vorschläge gemacht: Armbrechen, damit der nicht so schnell wächst. Übers Amputieren haben sich schon gesprochen. Das war eine schlimme Zeit."


Aus der Not wird eine Tugend

Seine Eltern akzeptierten ihren Jungen, wie er geboren wurde. Und auch sonst fühlte sich Matthias Schlitte nicht als Außenseiter. Ein kleines Problem hat er allerdings: "Ich kann alles machen außer, mir Hemden oder Sakkos von der Stange kaufen, und auch keine Handschuhe", sagt  er. "Das sind so die Sachen, die mich beeinträchtigen."

Durch eine genetische Besonderheit ist der rechte Arm von Matthias Schlitte besonders ausgeprägt gewachsen. 

Durch eine genetische Besonderheit ist der rechte Arm von Matthias Schlitte besonders ausgeprägt gewachsen. 

Mittlerweile weiß er seinen Arm zum Vorteil einzusetzen. Mit dem Armwrestling begann er in seiner Jugend, als er einen Flyer von einem Armdrückwettbewerb in Haldensleben sah. "Ich bin da reingekommen und da hingen dann die ganzen Stiernacken und muskelbepackten Biker rum", erzählt Schlitte. "Und ich mit meinen 63 Kilo musste dann in der 95 Kilo-Klasse antreten. Das war schon ein bisschen befremdlich." Doch dann habe sein Sohn die dicksten Männer weggehauen und zum Schluss hätten ihm alle vollen Respekt gezollt, so der Vater. Sein erster Preis: Ein Pokal, ein Baguette und ein Getränkegutschein.

Seine Leistung blieb nicht unentdeckt: Scouts des VFL Wolfsburg luden Matthias Schlitte zu einem Probetraining ein; seitdem ist er fester Bestandteil des Armwrestling-Teams. Selbst der junge Mann mit dem Riesenarm muss das Armdrücken trainieren, denn wer gewinnen will, braucht nicht nur Kraft, erklärt Schlitte. Sie mache lediglich 20 Prozent aus. "Wichtig ist die Erfahrung, Geschwindigkeit und die Technik."

Ein international gefragter Unterarm

Mittlerweile misst Matthias Schlitte sich mit den stärksten Männern der Welt. Der deutsche "Hellboy" sammelt seit dem Beginn seiner Karriere nationale und internationale Titel. 2013 wurde er bereits Vize-Weltmeister. Trotzdem kann er von dem Sport nicht leben, er arbeitet hauptberuflich für das Justizministerium. In Deutschland ist Armwrestling eine Randsportart, im internationalen Ausland hingegen ist der 28-jährige Deutsche ein gefeierter Star. "Ich habe 2004 mit dem Sport angefangen. Bis dahin hatte ich vielleicht  vier Länder besucht und bin noch nie in meinem Leben geflogen. Jetzt – elf Jahre später – bin ich 111 Mal geflogen und habe 45 Länder besucht!"

Und für seine Eltern ist der ganze Rummel um ihren Sohn, der damals mit diesem besonderen Arm auf die Welt kam, kaum verständlich. "Die rufen aus Australien hier bei uns an und wollen den kleinen Matthias Schlitte nach Australien einladen, damit der da Werbung macht. Da fehlen mir heute noch die Worte", erzählt die Mutter. Matthias Schlitte hat zugesagt. Und hat mit seiner "rechten Wumme" unter anderem einen Wecker zertrümmert!





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