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"Wir hatten direkten Blick auf das Zimmer des Schützen"

Stephen Paddock tötete 58 Menschen und verletzte Hunderte. Minutenlang feuerte er aus dem 32. Stock des Mandalay Bay auf die Konzertbesucher. Sein Motiv für das Blutbad ist weiterhin unklar. stern TV spricht mit dem Paar, das im Hotel wenige Meter vom Schützen entfernt wohnte.

Schießerei auf Musikfestival: Mindestens zwei Tote, 24 Verletzte - ein Verdächtiger außer Gefecht - die Lage in Las Vegas

Menschen fliehen vom Festivalgelände am Strip der Casino-Metropole Las Vegas, als Schüsse fallen

Die Reise von Sarah und Ludger Laber nach Las Vegas sollte ihr lang ersehnter Traumurlaub werden. Das Paar aus Nienburg an der Weser checkte am vergangenen Sonntag in das Luxushotel Mandalay Bay mitten am berühmten Las Vegas Strip ein. Sie bekamen das Zimmer 205 im 32. Stock. Was die Labers nicht ahnten: Auf derselben Etage, nur wenige Meter entfernt, wohnte bereits Stephen Paddock und bereitete sein bestialisches Attentat vor. Ein paar Stunden später richtete er das schlimmste Blutbad in der jüngeren amerikanischen Geschichte an. 58 Menschen wurden von ihm tödlich getroffen, fast 500 zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Sondereinsatzkommando stürmte das Zimmer des Paars

Kurz nach 22 Uhr schlug der 64-Jährige die Fensterscheiben ein und begann von seinem Zimmer im 32. Stock des Mandalay Bay wahllos auf die Besucher des Country-Festivals zu feuern. Minutenlang schießt er mit einer halbautomatischen Waffe in die Menschenmenge. Rund 280 Schüsse sollen allein in den ersten 30 Sekunden gefallen sein. Während die Menschen draußen in Todesangst flohen, lagen Sarah und Ludger Laber in ihrem Hotelbett. "Wir haben zuerst an ein Feuerwerk geglaubt", sagte Ludger Laber zu stern TV. Bis die Polizei den Attentäter lokalisiert hatte, verging eine ganze Zeit. Stephen Paddock feuerte fast 15 Minuten lang in die Menge. Was in dem Hotelzimmer wenige Meter entfernt vor sich ging, realisierte das deutsche Paar erst richtig, als ein schwer bewaffnetes Sondereinsatzkommando den Flur stürmte - und auch das Zimmer von Sarah und Ludger Laber. "Unser Blick ging direkt zum Festivalgelände, und es war voll mit Blaulicht, Sirenen heulten auf, und da wurde uns erstmals bewusst: Da ist etwas passiert", berichtete Sarah Laber. "Ich habe dann einmal kurz das Handy gecheckt. Da habe ich schon in den Nachrichten gelesen: 'Schüsse. Mandalay Bay, Festival'", so die 27-Jährige weiter. Aus ihrem Fenster sahen sie noch, dass auf ihrer Etage Gardinen aus einem anderen Fenster wehten. "Aus dem Augenwinkel hatten wir direkten Blick auf den Las Vegas Boulevard und auf das Zimmer des Schützen", erzählt Ludger. "Das flatterte da rum und ich wusste, das kann in Vegas gar nicht sein, weil man die Fenster gar nicht öffnen kann", sagt Sarah.

"Den ganzen Tag vorher sind wir ihm vielleicht schon begegnet"

Die Lage draußen blieb völlig unübersichtlich. Rettungskräfte und andere Helfer versuchten schnellstmöglich alle Verletzten zu versorgen. Ludger und Sarah Laber wurden zusammen mit 500 anderen Gästen zunächst in die Hotelwäscherei im Keller des Hotels und dann in ein benachbartes Theater gebracht. "Der Saal war komplett abgedunkelt und wir sollten dann runter gehen", sagt Sarah. "Da war ein Moment, wo mir mulmig wurde." Sie hätten stundenlang nicht gewusst, was passiert.

Über sechseinhalb Stunden harrten sie in dem Theater und der Lobby aus, erst langsam sickerte auch zu ihnen durch, dass der Attentäter von Las Vegas 58 Menschen getötet hat und anschließend sich selbst. In einem Hotelzimmer nur wenige Meter von ihrem entfernt.
Sarah und Ludger Laber durften um acht Uhr morgens schließlich zurück ins Mandalay Bay Hotel, wo sie ein neues Zimmer im 20. Stock bekamen. "Auf der Straße war es ganz still, überall standen Scharfschützen, es war wie im Kriegsgebiet", berichtete Sarah Laber. "Im Nachhinein ist es natürlich schon erschreckend, der Gedanke, dass wir ihm den ganzen Tag vorher vielleicht schon am Pool, auf dem Flur oder sogar im Fahrstuhl begegnet sind", so Ludger Laber. Der Schrecken sitzt noch immer tief bei den Labers – wie auch in der gesamten Stadt. Dennoch haben sie sich entschieden, in Las Vegas und auch im Mandalay Bay Hotel zu bleiben. Ihren Traumurlaub hatten sie sich trotzdem anders vorgestellt. "Jedes Klopfen vom Room-Service, jedes laute Geräusch auf dem Flur schreckt einen auf und verursacht ein unwohles Gefühl." Auch das Erlebnis mit dem SWAT-Team sei erschreckend gewesen. "Wenn man die Tür aufmacht und eine Waffe im Gesicht hat." Sich zu entspannen falle ihnen vorerst schwer.

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