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Wie private Unterstützung Flüchtlingen helfen kann

Unter dem Motto "Einfach machen" engagieren sich derzeit viele Deutsche, um den eintreffenden Flüchtlingen zu helfen. So auch der Journalist Andreas Tölke: Er gibt gestrandeten Menschen, die sonst campieren müssten, "einfach" einen Schlafplatz in seiner Wohnung.

  Der Journalist Andreas Tölke nimmt kurzerhand Flüchtlinge bei sich zu Hause auf, die ohne eine erfolgte Registrierung keinen Schlafplatz haben.

Der Journalist Andreas Tölke nimmt kurzerhand Flüchtlinge bei sich zu Hause auf, die ohne eine erfolgte Registrierung keinen Schlafplatz haben.

"Mir war klar, dass ich etwas tun muss“, beschreibt Andreas Tölke den Moment, als er von den Zuständen vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales erfuhr. Hunderte Flüchtlinge warten in Berlin Moabit auf eine schlichte Registrierung als Asylbewerber – oft tagelang. Die Erstaufnahmestelle ist hoffnungslos überlastet. Die meisten Flüchtlinge müssen deshalb unter freiem Himmel campieren, der Müll stapelt sich. Andreas Tölke macht deshalb "einfach" das, was ihm am naheliegendsten erschien: Er bietet den Menschen kurzerhand Schlafplätze in seiner Wohnung an. Der Journalist schreibt beruflich über Luxusartikel, seine 112-Quadratmeter-Wohnung ist mit Kunst und Designerstücken eingerichtet. Seit zwei Wochen ist sie nun ein Matratzenlager.

Um den Menschen in Moabit zu helfen, hat sich – wie in vielen Orten Deutschlands – eine private Initiative gegründet, namens "Moabit hilft", zu der auch Andreas Tölke gehört. Die Initiative stellt Wohnraum zur Verfügung – einfach so. Denn: Bevor die Flüchtlinge nicht offiziell registriert sind, haben sie keine Ansprüche, weder auf einen Schlafplatz, noch auf Essen oder medizinische Versorgung. Engagierte Bürger verteilen Obst und Getränke unter den bedürftigen Menschen, abends versuchen sie, so viele übriggebliebene Flüchtlinge wie möglich von der Straße zu holen. Auch Andreas Tölke spricht einige gezielt an, bietet ihnen eine Unterkunft an und nimmt sie gleich mit nach Hause. Einigen Flüchtlingen konnte der 55-Jährige damit ganz unbürokratisch erst einmal helfen. "Ich bin ein ganz kleines Licht", betont der Journalist mit Verweis auf andere Engagements.

Einfach machen

Und die gibt es tatsächlich: "Einfach machen" dachte sich auch der Zahnarzt Dr. Ingo Warwas aus der Nähe von Ulm. Der 72-Jährige war als Kind selbst auf der Flucht, als er nach dem zweiten Weltkrieg mit seiner Familie aus Schlesien kam. "Ich bin ja selbst als Dreieinhalbjähriger aus meinem Land verjagt worden. War ein Jahr mit meiner Mutter in einem völlig zerstörten Land unterwegs. Ich kann es irgendwie nachempfinden", sagt er. Seit einigen Monaten gibt er Mohammad Ayoubi in seiner Praxis die Möglichkeit, andere Flüchtlinge kostenlos zu behandeln. Der Syrer hat sieben Jahre lang Zahnmedizin studiert und Menschen behandelt. "Das ist mein Beruf", sagt der 27-Jährige. Er kam im Dezember letzten Jahres nach Deutschland. Seitdem paukt er täglich deutsch, er besucht die Volkshochschule, um sich besser integrieren zu können.

In Dr. Warwas Praxis hat Mohammad Ayoubi bereits 30 andere Flüchtlinge erfolgreich behandelt. Warwas kontrolliert seine Arbeit und gibt ihm hilfreiche Tipps. Die gute Sache hat allerdings einen Haken: Die Behandlungen sind eigentlich illegal. Das Zahnmedizin-Studium des 27-jährigen Ayoubi wurde von den Behörden bisher nicht anerkannt – es fehlt noch der offizielle Sprachtest. Ingo Warwas nimmt es gelassen: "Was soll mir groß passieren. Wenn ich es nicht mache, würde ich mich mehr ärgern als wenn ich eine kleine Strafe dafür bekomme." Mohammad hofft, dass die Behörden seine Unterlagen bald anerkennen und er den nötigen Sprachtest besteht. Dann will er gemeinsam mit Dr. Warwas anderen Flüchtlingen ganz legal helfen.

In der ehemaligen Schule in Bochum-Langendreer wohnen knapp 260 Flüchtlinge, darunter viele Kinder, die eine quälende Flucht hinter sich haben. Durch die freiwilligen Helfer sollen sie Ablenkung bekommen: ein buntes Fest, Musik, Clowns. Dachdeckermeister Frank-Dagobert Müller repariert alte Fahrräder, um mit den Kindern Radtouren in die Umgebung unternehmen zu können. Die Schwestern Nadine und Stella Voigt geben im Flüchtlingsheim vier Mal pro Woche Deutschunterricht. Auch sie opfern ihre Freizeit gerne. "Ich mache es das zum ersten Mal, aber es macht sehr viel Spaß", so die 29-jährige Nadine. Die beiden Mädchen, Handwerker Müller, Ingo Warwas und Adreas Müller stehen stellvertretend für die vielen Deutschen, die den Flüchtlingen im Rahmen ihrer Möglichkeiten etwas Zuversicht und Hoffnung geben – indem sie "einfach helfen".


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