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Harald Philipp: Der Mann, der mit dem Fahrrad Berggipfel erklimmt

"Mountainbiken unmöglich" – dieses Wegschild aus Holz hängt über Harald Philipps Schreibtisch. "Abmontiert", erzählt der 34-jährige Insbrucker. "Weil es ja nicht gestimmt hat. Wenn es verboten gewesen wäre - okay. Aber unmöglich war es ja nicht. Ich bin den Weg ja gefahren."

Harald Philipp ist ein waghalsiger Mountainbiker, süchtig nach Bergen und deren Abfahrten. Auf seiner letzten großen Tour 2015 bezwang er mit seinem Bike den Bucchette-Klettersteig in den italienischen Dolomiten. Auf über 2.800 Metern Höhe befuhr der Profi hochgefährliche Klettersteige – mit dem Vorderrad nur Zentimeter neben Abgründen, die 700 Meter in die Tiefe gehen. Der 24-Jährige erzählt von dem Gefühl, am Rande eines potentiellen Absturz' zu biken und was ihn antreibt, diese Wege immer wieder zu suchen und zu befahren. Es sei der "Flow", ein Begriff aus der Spieltherorie, der ihn zu Höchstleistungen antreibe, so der Berg-Biker. "Ich hab dieses kindliche, dieses spielerische in mir. Wenn ich auf so einem Weg unterwegs bin und ihn 'lese' und den Rhythmus finde, dann fühle ich mich wie ein kleines Kind."

Ein Bike-Akrobat am Abgrund

Für ihn habe auch schon seit der Kindheit festgestanden, dass er Mountainbike-Profi werden wollte. Im nordrhein-westfälischen Siegen begann er seine Karriere vor 18 Jahren. Inzwischen lebt Harald Philipp seit 12 Jahren in Innsbruck – den Bergen ganz nah. Dort baut er in seinem Keller die Räder selbst zusammen. Für den Bike-Bergsteiger ist es überlebenswichtig, sich auf seine Ausrüstung verlassen zu können. Das letztendliche Risiko wägt er auch nach 20 Jahren noch immer erst am Berg ab: "Ob eine tour möglich ist, entscheidet sich meistens erst vor Ort. Es ist aber selten, dass man das Rad auf einen Berg hochträgt und dann gar nichts geht", so der 34-Jährige. " Aber das spontan zu entscheiden, das finde ich das Spannende. Das Ziel ist, dass eine Strecke mindesten zu 90 Prozent fahrbar sein sollte." Was Harald Philipp für "befahrbar" befindet, erklettern Profibergsteiger mit einer kompletten Ausrüstung. Der Biker trägt bei seinen Fahrten außer einem Helm keinen weiteren Schutz. Wenn es passiert, sei er sowieso tot, sagt er läpsch. Abenteuer und Risiko liegen ganz nah beisammen. Er ist ein Bike-Akrobat am Abgrund – immer auf der Suche nach dem nächsten alpinen Adrenalinkick

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