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Warum Viola ihr Leben im Internet erzählt

Seit drei Jahren hat Viola die Diagnose Krebs - und bereits schwere Zeiten durchgemacht. Trotzdem hat sie ihren Lebensmut nicht verloren. Im Gegenteil: Sie teilt ihn mit anderen Betroffenen, indem sie darüber schreibt. Mehr als 13.000 Menschen verfolgen ihren Blog.

Die 29-jährige Viola Helms lebt seit drei Jahren mit dem Krebs - und schreibt darüber in einem Blog.

Die 29-jährige Viola Helms lebt seit drei Jahren mit dem Krebs - und schreibt darüber in einem Blog.

"Ich brauche keine Psychotherapie. Ich habe meine eigene, und das ist mein Blog“, sagt Viola Helms. Vor drei Jahren wurde bei der 29-Jährigen schwarzer metastasierter Hautkrebs festgestellt. Seitdem schreibt sie über ihre Krankheit. Viola ist eine von etwa 70 "Krebs-Bloggern" in Deutschland. Die meisten sind junge Frauen wie Viola. Mehrmals pro Woche berichtet die Hamburgerin bei Facebook über ihren Kampf gegen den Krebs und ihren Alltag damit. Als sie den Blog 2014 ins Leben rief, sei sie zunächst unsicher gewesen, ob sie überhaupt in die Öffentlichkeit wolle, ob das richtig sei. "Aber dann fand ich das gut, dass ich relativ schnell so eine gute Resonanz bekommen habe."

Mittlerweile verfolgen mehr als 13.000 Menschen ihr öffentliches Tagebuch auf Facebook mit dem Namen "Diagnose Krebs und der Kampf um mein Leben". Dort lässt Viola Helms ihre Netzgemeinde an Krankenhausaufenthalten teilhaben, an ihren unzähligen Operationen und der Chemotherapie, ebenso wie sie die Entscheidung, sich die Haare abzurasieren, teilte. Sie postet Videos und Fotos und spricht dabei offen über den Krebs und seine Folgen. "Es befreit mich. Ich kann meine Gedanken, meine Ängste, Sorgen, Wünsche, ich kann alles loswerden, was mich belastet. Und auch, was mich glücklich macht“, erklärt sie.

Resonanz gibt Kraft

Viola Helms war 26, als bei ihr der Hautkrebs festgestellt wurde. Die Diagnose veränderte ihr Leben auf einen Schlag. "Seit der Diagnose haben sich viele von mir abgewandt und ich war viele Monate ziemlich alleine", erzählt sie. In ihrem Blog jedoch nahmen tausende Menschen an ihrem Schicksal teil und schrieben ihr aufmunternde Worte. Viola schätzt das sehr, sagt sie: "Dass mir so viele fremde Leute folgen oder meinen Blog verfolgen, das gibt mir ganz viel Kraft. Weil mich jeder von ihnen doch Stück für Stück durch diese schwere Zeit begleitet. Ob es mit einem Like ist, oder einen Kommentar, oder sie etwas teilen, oder einfach nur meine Beiträge sehen."

Auch Berit Schierholz veröffentlicht ihre Erfahrungen mit dem Krebs. Ihr Blog nennt sich "Berit Knackt den Krebs". Ihren Blog, dem knapp 7000 User folgen, sieht sie selbst als eine Art Tagebuch und gleichzeitig als Therapie. Die damals 28-Jährige war vor zwei Jahren mit starken Schmerzen ins Krankenhaus in Hamburg eingeliefert worden. Sie erlitt schließlich eine Lungenembolie – eine Operation konnte sie retten. Doch bei einer Untersuchung stellten die Ärzte fest: Berit ist an Leukämie erkrankt, an Blutkrebs. Die Monate der Chemotherapie in der Klinik bestimmten fortan ihren Alltag. "Die Zeit im Krankenhaus und die Chemotherapie waren echt schlimm. Ich kann im Nachhinein auch gar nicht mehr nachvollziehen, wie schlapp man ist. Aber man kann fast nichts mehr. Man liegt und vegetiert eigentlich nur im Bett."

Ein Weg in die Außenwelt

Da das Immunsystem der jungen Frau stark belastet und geschwächt war, musste sie fünf Wochen lang in einem kleinen Raum von der Außenwelt isoliert werden. In dieser Zeit begann Berit Schierholz sich zu filmen und ihr Leben mit dem Krebs zu dokumentieren. Durch die Chemotherapie ist Berit  unfruchtbar geworden – für eine Frau in ihrem Alter selbstverständlich ein schwieriges Thema. In ihrem Blog sprach sie es trotzdem ganz bewusst darüber, da viele Menschen gar nicht wüssten, dass das durch die Chemotherapie oft vorkomme. Ihr sei es wichtig, dass solche Informationen mehr nach außen getragen würden, so Berit Schierholz.

Nach einer Stammzelltransplantation, die sie 2014 erhielt, gilt die 30-Jährige inzwischen als krebsfrei. Ihren Blog führt Berit trotzdem weiter. Sie möchte damit über ihre Krankheit aufklären, anderen Betroffenen Mut machen und sich selbst daran erinnern, das Leben bewusst zu genießen.

Lebensfreude teilen

Viola Helms führt ihren Blog fort, so lange sie kann. Nachdem bei ihr der Hautkrebs-Leberfleck am Kopf entfernt worden war, fanden die Ärzte weitere Metastasen in Violas Lymphknoten, später auch in der Lunge. Es folgte Operation um Operation. Es blieben viele Narben zurück. Und dennoch konnte Viola den Krebs bisher nicht besiegen. In ihrem Gehirn befinden sich weitere Krebszellen, die nicht operiert werden können. "Das war für mich ein großer Schock, weil das genau das war, wovor ich Angst hatte. Und ich wusste eigentlich genau, wie es jetzt um mich steht – mit den Hirnmetastasen. Und dass die Heilung nun ja nicht mehr so gut aussieht."

Die 29-Jährige bekommt punktuelle Bestrahlung auf den Kopf. Für Viola eine jeweils 45 Minuten lange, schlimme Tortur. Die Ärzte gehen davon aus, dass die Chemotherapie nur einige Monate anschlägt, danach droht der Körper dagegen immun zu werden. "Also realistisch gesehen waren das bei der Lungenmetastase ein bis zwei Jahre Lebenserwartung. Jetzt habe ich ja die Hirnmetastasen. Mit der Chemo hoffe ich, dass ich den nächsten Sommer noch erleben werde."

Ihre Lebensfreude will Viola Helms sich aber nicht nehmen lassen. Sie hat mit dem Fallschirmspringen begonnen. Freier Fall aus 3000 Metern Höhe. Für Viola unglaubliche und unvergessliche Momente. Und auch über diesen Tag bereitet sie in ihrem Blog.

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