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Bombenentschärfung: Wie René Bennert und Dieter Schwetzler zu Helden wurden

Es war die größte Massenevakuierung der Nachkriegszeit, die für diese Bombenentschärfung veranlasst wurde. Mehr als 65.000 Menschen mussten ihre Wohnungen und das Zentrum Frankfurts verlassen. Alle, außer zwei Männern: Dieter Schwetzler und René Bennert.

René Bennert und Dieter Schwetzler.

René Bennert und Dieter Schwetzler.

Noch nie wurde in Deutschland eine derart umfangreiche Evakuierung vorgenommen, um einen Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg zu entschärfen: Fast 70.000 Menschen mussten in Frankfurt per Zwangsmaßnahme am Sonntag ihre Wohnungen und das gesamte Stadtzentrum verlassen. Hilfsbedürftige Personen wurden aus der Zone gebracht, Patienten aus zwei Krankenhäusern mussten verlegt werden, die Autobahn 66 blieb den ganzen Tag gesperrt. Unwillige Anwohner mussten von der Polizei aus ihren Wohnungen geholt werden.

Offenbar rechneten die Behörden mit dem Schlimmsten. 1,5 Kilometer Gefahrenradius habe er zunächst angeordnet, sagt René Bennert vom Kampfmittelräumdienst in Hessen. "Als der Feuerwehr-Chef dann sagte 'Das sind dann wohl so 70.000 Menschen', da war ich schon beeindruckt." Der 40-Jährige Familienvater würde die 1,8 Tonnen schwere Bombe zusammen mit seinem Kollegen Dieter Schwetzler entschärfen müssen: eine scharfe, britische Fliegerbombe, die über 72 Jahre unentdeckt unterhalb Frankfurts im Boden gelegen hat. Am Dienstag letzter Woche war sie bei Bauarbeiten nahe der Universität freigelegt worden.

Eine Stadt hält den Atem an

Eine Explosion dieser HC 4000 könne im Umkreis von einhundert Metern alles dem Erdboden gleich machen, die Druckwelle aber würde die Zerstörung mehrere hundert Meter weiter tragen, so die Einschätzung der Feuerwerker Bennert und Schwetzler. 68 000 solcher Bomben, die man im Zweiten Weltkrieg nur "Blockbuster" nannte, wurden bis Kriegsende auf Deutschland geworfen. Ihre Sprengkraft sei aber auch heute noch enorm, erklärt Dieter Schwetzler: "Es spielt eine Rolle, wo die Bombe gelegen hat, ob im Wasser, im Sand, in hartem Boden – der Zustand ist immer anders, genauso wie die Umstände", so der 61-Jährige, der seit 1975 mit Bomben aller Art zu tun hat. "Diese Bombe hat drei Zünder, in der Regel sind es höchsten zwei. Außerdem ist sie noch nicht entschärft, wenn man die Zünder entfernt hat. Danach müssen noch die Detonatoren raus. Und das ist gefährlich, weil sie sehr korrosionsanfällig sind. Das Problem dabei ist: Es können sich mit der Zeit Kristalle bilden und die sind höchstexplosiv."

Mit der Bombe allein

Dieter Schwetzler und sein Kollege René Bennert mussten das tun, worauf Tausende Menschen hofften. Stundenlang stand in der Frankfurter Innenstadt alles still, während die beiden Kampfmittelexperten hochkonzentriert den komplizierten dreifachen Zündmechanismus entschärften. Ganze drei Stunden lang. Die Entschärfung erwies sich währenddessen schwieriger, als erhofft. Und während ihre eigenen Familien den Atem anhielten und die Frankfurter außerhalb des Bezirks um ihr Hab und Gut bangten, machten Dieter Schwetzler und René Bennert ihren Job: Sie entschärften diese Bombe!

Dann endlich, um 18:30 Uhr am Sonntagabend gab es Entwarnung. Sie hatten es geschafft. Die Menschen durften nach und nach zurück in ihre Wohnungen. Die HC 4000 wurde abtransportiert. Jetzt müssen nur noch die 1,4 Tonnen Sprengstoff entsorgt werden...

"Kann man überhaupt eine Lebensversicherung abschließen?"

Kurz vor der Sendung hat Steffen Hallaschka den beiden Bombenentschärfern Zuschauerfragen gestellt: "Kann man überhaupt eine Lebensversicherung abschließen?" Die Antworten von René Bennert und Dieter Schwetzler: