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Darum zahlen Sie zu viel für Ihr Gas

Viele Gas-Bezieher heizen zu teuer. Obwohl der weltweite Gaspreis sinkt, geben die Energieversorger die Ersparnis an die Verbraucher kaum weiter. Da hilft nur der Preisvergleich und ein Anbieterwechsel.


Seit Jahren kennen die Preise für Energie und Nebenkosten für Verbraucher eigentlich nur einen Trend: nach oben. Alles wird teurer. Anders sieht es mit Öl aus: Es ist weltweit im Moment günstig, so dass das Heizen mit Heizöl günstiger wurde. Nicht aber mit Gas. Und das, obwohl auch der Importpreis für Erdgas seit 2014 gesunken ist. Davon profitieren offenbar lediglich die Gasversorger – mit einer Gewinnspanne von bis zu 30 Prozent.

Aber warum werden die sinkenden Gas-Einkaufspreise nicht stärker an die Kunden weitergegeben? Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der die mehr als 1800 Energieunternehmen in Deutschland vertritt, liegt das daran, dass die Anbieter das Gas nicht kurzfristig einkaufen. Sie haben kaufen das Gas langfristig auf dem Weltmarkt ein, so die Geschäftsführerin des Verbands Dr. Anke Tusche: "Das ist keine Abzocke. Das ist die Entscheidung des Gaslieferanten, die aber ganz stark davon abhängt, wie viel Konkurrenz er hat." Kurzum: Der Kunde muss sich selbst um einen günstigen Gaspreis kümmern. Gasanbieter gibt es genug: bundesweit 800 verschiedene, alle im Wettbewerb miteinander. "Es ist jetzt eine ganze interessante Zeit, weil nämlich von den 800 Gasversorgern 180 Preissenkungen angekündigt haben", sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Doch die Deutschen sind da schwerfällig, dabei könnte die Hälfte aller Kunden jederzeit den Versorger wechseln, so Sieverding. Viele wüssten das aber gar nicht. 

Wie setzt sich der Gaspreis zusammen?

Die Versorger, von denen Verbraucher das Gas beziehen, kaufen das Erdgas auf dem Weltmarkt ein - zu einem Teil aus deutschen Quellen, aber auch aus Russland, Norwegen oder in den Niederlanden. Auf die Einkaufskosten schlagen die Anbieter die Kosten für den Vertrieb und einen eigenen Gewinn auf. Die Höhe dieser Kosten darf der Versorger selbst festlegen. Darüber hinaus sind im Preis aber auch offizielle Steuern und Netzgebühren enthalten, die jedoch von Wohnort zu Wohnort unterschiedlich sein können. Heraus kommt der individuelle Angebotspreis eines Versorgers.

Bekommen die Versorger das Gas derzeit billiger?

Eine Kurzstudie im Auftrag von Bündnis 90 / Die Grünen sagt: Ja. Laut Studienergebnis aus Dezember 2015 sind die Gaspreise im Großhandel zwischen 2014 und 2015 um ein Drittel gefallen. Der Trend soll so weitergehen. Das spiegelte sich in den Haushaltstarifen aber nicht wieder. Die Studie errechnete, dass Musterhaushalte mit einem Verbrauch von 20.000 kWh rund 132 Euro zu viel zahlen. Deshalb - so die Forderung - sollen auch die Versorger mit ihren Tarifen runtergehen, anstatt satte Gewinne einzufahren. Die Gasanbieter widersprechen dieser Auffassung aber:  Sie sagen, dass der Einkauf von Erdgas auch langfristig passiert und sich ein kurzzeitiger Preisverfall kaum auswirkt. 

Wie kann ich sparen?

Auch wenn es den meisten einfach nur lästig ist, ein regelmäßiger Vergleich und Wechsel kann sich lohnen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, spätestens alle fünf Jahre, im Idealfall jedes Jahr, die Angebote zu vergleichen. Rund 800 deutsche Anbieter stehen im Wettbewerb. Laut Experten sind Ersparnisse von mehreren Hundert Euro jährlich drin. Für einen Preisvergleich eigenen sich unabhängige Gaspreisrechner. Dabei sollten Sie aber ein paar Dinge beachten, nämlich ...

Wie berechne ich den Durchschnittspreis, um zu vergleichen?

Nehmen Sie den Gesamtbetrag, den Sie im Jahr bezahlen, und rechnen Sie ihn in Cent um. Dann teilen Sie den Betrag durch ihren persönlichen Jahresverbrauch (z.B. den Wert aus dem letzten Jahr, der beim "Arbeitspreis" ausgewiesen ist). Heraus kommt der durchschnittliche Cent-Betrag pro Kilowattstunde.
Für einen Vergleich mit einem anderen Anbieter machen Sie es genauso: Nehmen Sie den dort ausgewiesenen Jahresendbetrag für Grundpreis, Arbeitspreis, Steuern und Gebühren. Aber Achtung: Manche berücksichtigen bei dieser Angabe bereits Prämien für eine Vertragsverlängerung). Teilen Sie den Gesamtbetrag dann wieder durch Ihren persönlichen Jahresverbrauch.

Weitere Tipps für den Gas-Anbieterwechsel

Was Sie beim Preisvergleich beachten sollten, erklärt die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite, auf

www.verbraucherzentrale.de/anbieterwechsel
und
www.verbraucherzentrale.de/tarifrechner

 


Anbieterwechsel zahlt sich aus

Erdgas ist in Deutschland der wichtigste Energieträger für Raumwärme: Beinahe jede zweite Wohnung wurde 2014 durch eine Erdgas-Zentralheizung versorgt. So war es auch in unserem Gaspreis-Check in der 10.000-Einwohner-Kleinstadt Billerbeck im Münsterland. Dort heizt jeder dritte Haushalt mit Gas. Gemeinsam mit Udo Sieverding hat stern TV bei privaten Haushalten nachgefragt: Sind Sie noch beim Grundversorger oder wechseln Sie regelmäßig? Der Wechsel des Anbieters kann nämlich – das zeigt ein deutschlandweiter Vergleich – je nach Region mehrere hundert Euro Ersparnis bringen. 

Aber wonach berechnet man seinen aktuellen Gaspreis und wie lässt er sich dann vergleichen? Beispiel Familie Janowski: Sie bezahlen als vierköpfige Familie in einem Haus einen Gesamtbetrag von 1066,47 Euro im Jahr. Darin enthalten ist der monatlich Grundpreis, der Arbeitspreis (die verbrauchte Gasmenge), sowie alle Nebenkosten und Steuern. Um einen Vergleichswert zu bekommen, rechnet man den Euro-Gesamtbetrag in Cent um und teilt den Betrag durch den Jahresverbrauch. Bei den Jankowskis kommt dabei ein Gaspreis von 7,42 Cent pro Kilowattstunde heraus. Damit liegt Familie 16 Prozent über dem aktuellen Durchschnittspreis von 6,38 Cent. Eine Ersparnis wäre also durchaus drin, sagt auch Udo Sieverding mit Blick auf den aktuellen Vertrag der Familie: "So nach fünf Jahren wäre es an der Zeit, den Tarif zu überprüfen." Sieverding vergleicht für die Jankowskis aktuelle Angebote mit einem Rechenprogramm der Verbraucherzentrale. Ergebnis: Sie könnten pro Jahr 250 Euro weniger zahlen. 

Verglichen mit dem Nachbarn Stephan Riemer, der im letzten Jahr gewechselt hat und jetzt sogar nur 5,2 Cent pro Kilowattstunde zahlt, bezahlen die Jankowskis derzeit 400 Euro mehr im Jahr. Allein unter vier verschiedenen Haushalten der Stichprobe in Billerbeck hat stern TV zusammen mit Udo Sieverding enorme Preisunterschiede ausgemacht: Im teuersten Fall zahlen die Kunden 8,01 Cent pro Kilowattstunde, im günstigsten nur 5,2 Cent – ein Preisunterschied, der pro Jahr  mehrere Hundert Euro ausmachen kann. Allein durch einen regelmäßigen Anbieterwechsel.

Was tun als Mieter?

Wer beim Einzug in ein neues Zuhause keinen besonderen Tarif bestellt, landet übrigens automatisch beim örtlichen Grundversorger. Einziger Vorteil: Aus einem solchen Vertrag kommt man schnell heraus – und kann zu einem günstigeren Anbieter wechseln, sagt auch Udo Sieverding: "Innerhalb von vier Wochen sollte das über die Bühne sein." 
Ein Wechsel ist für Mieter in Mehrfamilienhäusern schwieriger. Beispiel Dortmund: Dort findet die Redaktion einen Wohnblock, deren Mieter deutlich höhere Preise zahlen, als das Nachbarhaus, obwohl beide Häuser demselben Vermieter gehören. Eigentlich sollten Vermieter stets die wirtschaftlich besten Preise im Auge behalten, ansonsten dürfen sich Mieter beklagen oder gar ihre Abrechnung kürzen, sagt Rainer Stücker vom Mieterverein: "Ich habe als Mieter den Anspruch, dass mir die Rechnung des Gas-Lieferanten zur Prüfung zur Verfügung gestellt wird. Und ich sollte solchen Abrechnungen widersprechen. Und dann mit dem Vermieter in die Auseinandersetzung um den angemessenen, um den korrekten Preis, gehen." Oder aber den Vermieter zu einem Anbieterwechsel bewegen.


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