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Warum Jule allen davon läuft

Sie gilt als "Laufwunder", Experten halten sie für eines der größten Nachwuchstalente im deutschen Sport: Jule Aßmann, 15 Jahre alt, läuft auf Langstrecken durchtrainierten Erwachsenen davon. Sportmediziner haben herausgefunden, warum sie so schnell rennen kann.

Dieses Mädchen ist nicht zu stoppen: Seit Jahren schon stellt Jule Aßmann auf Langstrecken eine Bestzeit nach der nächsten auf. Ihre sportlichen Erfolge in diesem Jahr: Viermal stellte sie den Landesrekord in Schleswig-Holstein auf, über 800, 1500, 2000 und 3000 Meter. Auf 3000 Metern qualifizierte sie sich mit 9:57 Minuten für die Deutsche Meisterschaft. Damit liegt Jule auf Platz 2 der deutschen Bestenliste der 16- und 17-Jährigen - und Jule ist erst 15. Außerdem erreichte sie mit 6:22 Minuten die deutsche Jahresbestzeit auf 2000 Meter.

Entdeckt hat Jule ihre Begeisterung für die Langstrecken schon vor sieben Jahren im Urlaub: Im Schwarzwald lief sie damals zum ersten Mal ein Bergrennen mit. Seitdem ist das Laufen ihr liebstes Hobby geworden. "Das habe ich mir bei Papa abgeguckt", sagt Jule. Holger Aßmann ist Sportlehrer und trainiert mit seiner Tochter fünf- bis sechsmal die Woche, jeweils eine Stunde. Schon beim Marathon in Wien vor zwei Jahren lief Jule ihrem Papa davon: Während dem Vater nach 30 Kilometern die Puste ausging, belegte die damals 13-Jährige im Gesamtklassement Platz 521 - bei 5549 gestarteten Männern und Frauen.

Bisher nur eine Niederlage

Im Juli dieses Jahres erlebte Jule bei der Deutschen Jugendleichtathletik-Meisterschaft ihre erste und bisher einzige Niederlage. Sie hatte lange darauf gewartet, endlich bei den Deutschen Meisterschaften starten zu dürfen. Weil sie zu jung war, durfte sie jahrelang nicht an den Start gehen, obwohl sie sich über ihre Laufzeit längst qualifiziert hatte. Jetzt, mit 15, war es endlich soweit: Jule durfte bei den 16- und 17-Jährigen mitlaufen.

Obwohl sie als Favoritin galt, lief Jule als 13. über die Ziellinie. "Ich war einfach zu doll aufgeregt", sagte sie stern TV. "Das mache ich beim nächsten Mal einfach besser!" Und tatsächlich ließ sich Jule Aßmann von dieser Niederlage nicht beeindrucken: Schon wenige Wochen später lief sie deutsche Jahresbestzeit über 2000 Meter. Im nächsten Jahr will sie sich auch international messen.

Professoren beeindruckt

Betreut wird Jule seit drei Jahren von der renommierten Sporthochschule Köln, zweimal im Jahr lässt sie sich dort medizinisch untersuchen. Aber die Kölner Experten haben auch ein wissenschaftliches Interesse: Was macht Jule zu diesem Ausnahmetalent? Mit Hochgeschwindigkeitskameras ist ihr Laufstil untersucht worden. Ergebnis: Setzt Jule ihr Bein beim Laufen nach vorne, ist die Schwungphase um das Knie herum um die Hälfte kleiner als bei manchem Marathonläufer - ein sehr effizienter Einsatz der Beinmuskulatur.

Professor Gert Peter Brüggemann vom Institut für Biomechanik und Orthopädie bewundert diese Technik: "Sie hat einen äußerst ökonomischen Bewegungsablauf, dadurch spart sie Kräfte und kann sich schneller fortbewegen." Jule meint: "Ich mache das ganz automatisch, ich achte gar nicht bewusst auf einen bestimmten Laufstil." Außerdem haben die Untersuchungen gezeigt, dass bei Jule erst ab einem Tempo von 14,5 Stundenkilometern ihre Muskeln übersäuern. Und ihr Herz ist um 50 Prozent leistungsfähiger als bei anderen Kindern ihrer Konstitution.

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