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"Wer sich nicht integriert, hat hier nichts zu suchen!"

Seit der Kölner Silvesternacht kocht die Debatte über den Umgang mit Menschen fremder Herkunft. Denn die Täter sollen überwiegend ausländische Zuwanderer sein. Doch was denken integrierte Migranten darüber? stern TV hat nachgefragt.

  Samy Charchira wurde in Marokko geboren. In Deutschland machte er eine Ausbildung zum Sozialpädagogen und arbeitet jetzt mit Asylbewerbern. 

Samy Charchira wurde in Marokko geboren. In Deutschland machte er eine Ausbildung zum Sozialpädagogen und arbeitet jetzt mit Asylbewerbern. 


Emitis Pohl ist empört und wütend über die Vorkommnisse in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und das Verhalten mancher Asylsuchender und Migranten: "Wer sich nicht integrieren will, hat als Gast in Deutschland nichts zu suchen", so ihre eindeutige Meinung. Die gebürtige Iranerin lebt seit vielen Jahren hier, führt eine Werbeagentur und hat sich ihr Leben mühsam aufgebaut. "Die straffälligen Täter müssen ausgewiesen und abgeschoben werden, da führt kein Weg daran vorbei", sagt sie.

Najla M., Lehrerin und Tochter tunesischer Einwanderer, ist ganz ähnlicher Meinung: "Wer hier Schutz und eine neue Heimat sucht, so großzügig aufgenommen wird, aber auf der anderen Seite nichts Besseres zu tun hat, als Frauen zu verachten und sie anzugehen, hat es nicht verdient, auch nur einen Tag länger in Deutschland zu bleiben. Für mich ist es unerträglich, dass diese Kriminellen hier bleiben dürfen."

Wollen sich die kriminellen Einwanderer überhaupt integrieren?

Wie Najla M. und Ermitis Pohl empfinden viele ehemalige Flüchtlinge und migrierte Menschen in Deutschland. In E-Mails und auf der stern-TV-Facebookseite wandten sie sich an die Redaktion. Es sind Reaktionen auf die Ereignisse in Köln und anderen deutschen Städten, bei denen vor allem Nordafrikaner Frauen sexuell genötigt und einzelne vergewaltigt haben sollen. "Ich hoffe, dass die Profis gute Arbeit leisten und diese kriminellen übergriffigen Täter finden und dann wieder auf die Heimreise schicken. Ich bin davon überzeugt, dass die sich hier nie integrieren werden", so die Bielefelderin Najla M., weil sie und andere deutschen Migranten fürchten, dass am Ende Skepsis und Misstrauen gegenüber allen Menschen aus bestimmten Herkunftsländern die Oberhand gewinnen. "Es ist letztendlich so: Wenn ich in der Straßenbahn angerempelt oder bespuckt werde, dann tut mir das weh. Denn es sind dann nicht die Arschlöcher in Köln, die das abgekommen, sondern ich." 

Millionen integrierte Zuwanderer haben lange dafür gekämpft, dass sie in Deutschland leben können, dass sie hier einen Arbeitsplatz haben, ihr eigenes Geld verdienen, dass sie akzeptiert werden. Die Kölner Werbefachfrau Emitis Pohl ist mittlerweile CDU-Mitglied. Ihre Kindheit verbrachte sie in Teheran. Als der Golfkrieg die Region beherrschte, schickten ihre Eltern das 13-jährige Mädchen zu ihrer Großmutter nach Deutschland. Damals konnte sie kein Wort Deutsch, sie brachte es sich ganz alleine bei. "Ich kann mich an die Zeiten erinnern, als ich freiwillig bis drei, vier Uhr morgens gelernt habe und mit geschwollenen Augen zur Schule ging", erzählt sie. "Ich wollte lernen, ich wollte mich integrieren in diesem Land."

Wer deutsche Werte nicht achtet, muss raus?

Die Polizei will die Kriminellen unter den Flüchtlingen und Asylbewerbern aufspüren. Viele sind illegal in Deutschland. Nach einem Großeinsatz mit 300 Beamten und 40 Festnahmen im Düsseldorfer Bahnhofsviertel gab es am Dienstagabend auch in Köln-Kalk eine Razzia. 120 Personen wurden überprüft. Im Visier der Fahnder: Nordafrikanische Tätergruppen.

"Wir haben hier eine Gruppe, die sich hier permanent aufhält, die keinerlei Perspektive hat", sagt Samy Charchira. "Die sind in vielen Teilen illegal. Sie haben kein Auskommen, sie können nicht arbeiten, sie können sich keine Wohnung nehmen, haben sozusagen gar keine Versorgung. Und so geraten sie relativ schnell auf die schiefe Bahn." Samy Charchira arbeitet als Sozialpädagoge in Köln-Kalk. Er ist gebürtiger Marokkaner, kam als 15-Jähriger nach Deutschland. Er betont die Ausweglosigkeit der Lebenssituationen dieser Einwanderer. Eine Abschiebung dieser Männer ist für ihn nur eine theoretische Lösung. "Wenn man diese Jugendlichen hätte abschieben können, dann wäre das wahrscheinlich längst geschehen. Das ist ja keine wirkliche Hilfe." Da die Jugendlichen vielfach ohne Papiere in Deutschland seien, ließe sich die Identität nicht feststellen und sie könnten deshalb nicht zurückgeführt werden. Man müsse ihnen deshalb im ersten Schritt helfen und ihnen eine Lebensperspektive aufzeigen, um zu verhindern, dass diese Personengruppen kriminell und aggressiv werden, so Charchira im Gespräch bei stern TV. 

Doch wie Ermitis Pohl und Najla M. äußerten viele Zuschauer in der Debatte auf der stern TV-Facebookseite und auch hier auf der Seite (s. u.) ihre Zweifel, ob diese Personengruppe an Integration überhaupt interessiert ist. Zumal das persönliche Schicksal – gerade in Deutschland – nicht rechtfertige, wie in der Silvesternacht geschehen, übergriffig und kriminell zu werden, die hiesigen Werte nicht zu achten oder gar Sexualstraftaten zu begehen.
Es fehle den Einwanderer heutzutage möglicherweise auch an Vorbildern, mutmaßte Najla M. Gerade Männer würden oftmals frei agieren und hätten weniger Interesse an Eingliederung, als ausländische Frauen. Emitis Pohl forderte, dass auffälligen Einwanderern schnellstmöglich die Grundwerte der deutschen Gesellschaft beigebracht werden müssten. Und ob mit Papieren, oder ohne – wer straffällig wird, müsse ausgewiesen werden. Das müsse die Regierung deutlich machen und auch Taten folgen lassen. 

Was weiterhin bleibt, ist die Empörung über das Verhalten der Täter in der Silvesternacht und die ungeklärte Frage: Warum tun Gäste in Deutschland so etwas?

Kommentare (33)

  • Gerade wegen der unzähligen Positivbeispiele für eine erfolgreiche Integration lässt sich schwer glauben, dass eine Skepsis gegenüber Asylbewerbern - insbesondere aus bestimmten Herkunftsländern - das Richtige ist. Doch die Meinungen gehen auseinander. Wie denken Sie darüber?

  • Why
    Why
    Ich bin selbst zusammen mit meiner Mutter und meinen Geschwistern 2002 nach Deutschland gekommen. Zwar nicht aus dem Süden sondern aus dem Osten aber das spielt keine Rolle woher man kommt. Doch wenn ich mir überlege wie viel Mühe und Kraft meine Mutter gebraucht hat trotz der Tatsache, dass mein Vater deutscher war und auch hier bereits lebte, alle nötigen Papiere und Anträge für die Einreise vorzubereiten. Wie viele Male Visum verlängern, Ämter besuchen und gleichzeitig zwei Jobs annehmen um uns über Wasser zu halten. Eine psychische, physische und nervliche Zerreißprobe.
    Und wenn ich der Berichterstattung der letzten Tage und Wochen folge, dann packt mich nur noch Wut und Zorn! Auf all die, die es sich so einfach machen! Es sind Gott sei Dank nur diese wenige Prozente, die man wohl von den guten Einwanderern und Flüchtlingen unterscheiden muss. Aber von Faireness diesem bestimmtem Gesindel gegenüber kann keine Rede sein! Härtere Grenzkontrollen, nicht nur an den Grenzen Europas sondern auch in Deutschland müssen wieder her, zumindest solange dieser Ausnahmezustand anhält!
  • smail
    smail
    Normalerweise halte ich mich bei solchen Diskussionen zurück, doch dieser Beitrag hat mich teilweise doch sehr verärgert, Ich fand die Aussagen von zwei Teilnehmern als Anmaßung!
    Frage auf die Aussage : Integration ist keine Euinbahnstraße...soll das heißen, dass WIR uns noch mehr in unserem eigenen Land " integrieren" sollen??
    Man zeige mir ein Land, in das ich ohne- oder mit falschen- Pass einreisen kann und unbegrenzt soziale Leistungen, Einkommen, Wohnung und Arbeit ohne Gegenleistung und Anerkennung der jeweiligen Gesetze und Grundregeln bekomme, und ich reise sofort ein!!
    Unsere Eltern konnten im Krieg auch nicht so ohne weiteres in ein fremdes Land fliehen und haben ihr Land auch selbst wieder aufgebaut...DAS sollten die jungen Männer vielleicht besser ebenfalls tun., anstatt ihre Kämpfe in unser Land zu tragen, das sie mit offenen Armen empfangen
    Wer Straftaten ( aus welchem angeblichen Gründen auch immer) begeht hat meiner Meinung nach das Gastrecht hier verwirkt und sollte direkt wieder abgeschoben werden.
  • stern TV-Redaktion
    stern TV-Redaktion
    Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, die Kommentare zu diesem Thema werden für heute geschlossen. Wir bedanken uns für die Debatte an dieser Stelle und wünschen eine gute Nacht. Ihr stern TV-Team
  • Innocentuknown
    Innocentuknown
    Ich finds gut, dass es endlich mal wirklich angesprochen wurde und vor allem das was gesagt wurde, war endlich nötig.
    Ich seh es genauso, dass es extrem traurig ist, dass Deutsche mit Migrationshintergrund und auch Flüchtlinge/Migranten nun für das Geschehene verantwortlich gemacht wurden.
    Ich bin 16 Jahre alt und Deutsche. Meine Familie hat keinerlei Migrationshintergrund und gerade im Moment bekomm ich die Skepsis selbst zu spüren. Mein Freund ist Flüchtling. Er kommt aus Syrien und ist vor 5 Monaten nach Deutschland gekommen. Er wohnt in einem Heim weit außerhalb, hat sich selbst um einen Platz in einer Schule gekümmert und will endlich richtig deutsch lernen. Trotzdem sind alle in meinem Umkreis skeptisch, genau wie die Blicke die er bekommt, wenn er durch die Straßen geht.
    Es ist einfach nicht fair, dass meine besten Freundinnen, die aus Syrien oder dem Iran oder mein Freund der ebenfalls aus Syrien kommt, für etwas einstecken müssen, dass sie selbst verabscheuen.

    Solche Leute haben keine Religion. Sie sind Verbrecher und dafür gibt es keine Entschuldigung.
    Weder eine Religion, noch ein Herlunftsland sollte verantwortlich dafür gemacht werden.
    Skepsis ist gut, aber nicht wenn sie den falschen Menschen gilt.
  • PaRo
    PaRo
    Das Thema mal etwas anders betrachtet.
    Erlaubt ein Schiedsrichter, dass auf dem Fußballfeld Tennis gespielt wird? NEIN
    Erlaubt die Polizei, dass auf der Autobahn auf der falschen Seite gefahren wird? NEIN
    Erlaubt es das Bauamt außerhalb der Baugrenze einen Erker anzubauen? NEIN
    Erlaubt unsere Regierung, dass das Deutsches Recht nicht für alle gleichermaßen gilt? Leider JA

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